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Einigung zwischen Worldcom und SEC in Sicht

05.11.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Worldcom und die US-Börsenaufsicht SEC verhandeln offenbar darüber, wie die aktuellen Betrugsfälle zum Abschluss gebracht und neue vermieden werden. Die SEC erwäge, Klagen gegen einzelne Worldcom-Mitarbeiter der niedrigen bis mittleren Führungsebene fallen zu lassen, falls das Justizministerium nicht gegen diese ermittelt, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Kreise. Einige von ihnen hätten bereits ein Schuldeingeständnis abgegeben, hieß es. Dagegen sei bislang noch unklar, wie hoch die Strafe für den Konzern - und vermutlich einigen Mitarbeitern - bei einer Einigung ausfallen werde. Dem Bericht zufolge werde die SEC dabei jedoch die Folgen für Anteilshalter und Gläubiger von Wordcom in Rechnung ziehen. Ein Ergebnis wird bereits für die kommende Woche erwartet.

Unabhängig davon sorgte am Montag ein Bericht des früheren US-Staatsanwalts Richard Thornburgh für Aufsehen: Auf knapp 120 Seiten beschrieb der Insolvenzprüfer Worldcom als einen TK-Konzern, dessen Management und interne Kontrollinstanzen mit der Übernahme von gut 70 Firmen nicht mehr Schritt halten konnte, berichtet die Wirtschaftszeitung. So seien der Verwaltungsrat und die Prüfungskommission uneffektiv gewesen. Der externe Buchprüfer Arthur Anderson wäre den Risiken des Unternehmens mit Gleichmut begegnet, während die enge Beziehung von Worldcom mit der Bank Salomon Smith Barney potenziell problematisch sei, zitiert das "Wall Street Journal" aus dem Dokument. Thornburgh deutete unter anderem an, dass das Ausmaß der Bilanzfälschungen die Höhe der bereits eingeräumten 7,2 Milliarden Dollar überschreiten könnte. Grund für die Annahme seien Hinweise, dass Worldcom neben den bereits bekannten Falschbuchungen auch seine

Umsätze künstlich aufgebläht habe.

Der Carrier lehnte eine Stellungnahme zu den neuen Anschuldigungen ab. Der Konzern hat nach eigenen Angaben inzwischen seine internen Kontrollinstanzen reformiert und in der Chefetage aufgeräumt. Außerdem sei der Verwaltungsrat um drei zusätzliche Mitglieder erweitert worden, die dem neugeschaffenen Untersuchungsausschuss angehören, hieß es. (mb)