Einige US-Anwender wollen Deal mit Legent verhindern Justizministerium prueft CAs Uebernahmevorhaben intensiver

25.06.1995

FRAMINGHAM (IDG/CW) - Die Antitrust-Abteilung des Department of Justice (DOJ) will jetzt offenbar genauer pruefen, ob eine marktbeherrschende Stellung entsteht, wenn Computer Associates (CA) Legent uebernimmt. Amerikanische Anwenderunternehmen haben gegenueber dem DOJ und der Federal Trade Commission (FTC) ebenfalls Bedenken geaeussert.

Obwohl CA-Boss Charles Wang nach der Ankuendigung des 1,78- Milliarden-Dollar-Deals erklaerte, er erwarte keine Probleme mit den Antitrust-Behoerden, berichtete die "Financial Times", dass das Antitrust-Department die Untersuchung intensiviert. Sowohl Legent als auch CA seien ersucht worden, zusaetzliche Informationen (O- Ton: "a second request") bereitzustellen. Beide Unternehmen hielten nun eine Ausweitung der normalen 30-Tage-Pruefung fuer moeglich, berichtet das Wirtschaftsblatt weiter.

Gleichgueltig zu welchem Ergebnis die Antitrust-Division kommt - ob sie dem Deal ohne Bedingungen, unter Auflagen oder gar nicht zustimmt -, duerfte sich der Abschluss der Transaktion verschieben. Anwender und Mitarbeiter von Legent werden noch einige Zeit warten muessen, bis sie genau wissen, was CA mit den Produkten des Softwarehauses vorhat.

Tatenlos zusehen wollen jedoch offenbar nicht alle Anwender. Einige Gegner des Deals haben bereits dem Department of Justice und der FTC ihre Bedenken schriftlich uebermittelt lassen. Sie wollen die Uebernahme stoppen, weil sie grosse Ueberschneidungen in den Produktlinien - vor allem bei VSE-Disk- und Tape-Utilities - der beiden Unternehmen sehen. Eine Bereinigung des Angebots wuerde zu geringeren Wahlmoeglichkeiten fuehren.

Anwender befuerchten zu grosse Abhaengigkeit

"Wenn wir Platten- und Band-Management-Systeme brauchen, koennten wir uns nur noch an eine Firma wenden. Sie waere in der Lage, die Vertraege nach Gutduenken zu gestalten", befuerchtet beispielsweise Leo Langevin, Manager im technischen Support der ITT Bell & Gossett, einem Fertigungsunternehmen in Morton Grove, Illinois, das VSE als Betriebssystem einsetzt. Langevin hat FTC und DOJ bereits seine Bedenken mitgeteilt.

Es ist kein Zufall, dass die VSE-Anwender besonders besorgt sind. Anders als im Markt fuer MVS-Utilities, auf dem sich diverse Konkurrenten gegenseitig das Leben schwermachen, teilen sich Industiebeobachtern zufolge CA und Legent einen gewichtigen Anteil in bestimmten Bereichen des VSE-Sektors.

Von den Behoerde keine Stellungnahme

"Gravierende Ueberschneidungen" zwischen den Utilities von CA und Legent hat auch Paul Mason von der International Data Group (IDG) festgestellt. Als Beispiel nennt der Analyst Legents "Prevail/XP- Job Trac" und das Job-Scheduling-Paket "CA-7 MVS" von Computer Associates.

Sollte der addierte Marktanteil der sich ueberlappenden Produkte 70 Prozent erreichen, koennte CA als Monopolist bezeichnet werden. Allerdings koennten die Behoerden eine Fusion auch dann in Frage stellen, wenn dieser Grenzwert noch nicht erreicht ist. "Wenn sich nur drei oder vier andere Unternehmen in diesem Sektor bewegen, kann schon ein kombinierter Anteil von 25 Prozent ausreichen, um die Antitrust-Behoerden misstrauisch zu machen", meint der Washingtoner Anwalt Marc Schildkraut.

Weder die FTC noch das DOJ nahmen Stellung zu den Einwaenden der Anwender. Allerdings koennten der Antitrust-Division des DOJ noch weitere besorgte Schreiben von verschiedenen User Groups ins Haus flattern, vermuten Industriebeobachter.