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Neuer Trend im Valley

Einfach mal (Gadgets) abschalten

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Einem Medienbericht zufolge schalten immer mehr Manager im Silicon Valley ihre Smartphones und Rechner ab und zu ganz ab und gönnen sich eine Auszeit.
Auf der kalifornische Konferenz Wisdom 2.0 geht es um den bewussten Umgang mit Technik.
Auf der kalifornische Konferenz Wisdom 2.0 geht es um den bewussten Umgang mit Technik.

Von diesem neuen Trend im Silicon Valley berichtet die "New York Times". Die stets vernetzten Geräte werden demnach zunehmend als zu mächtig, gar süchtigmachend wahrgenommen. Die ständige Stimulation erzeuge ein Verlangen, dass die Produktivität und persönlichen Interaktionen beeinträchtigen könne.

"Wenn Sie einen Frosch in kaltes Wasser setzen und dieses langsam erhitzen, dann kocht er zu Tode - das ist ein guter Vergleich", sagt zum Beispiel Stuart Crabb, der bei Facebook für Fortbildung und Mitarbeiterentwicklung zuständig ist. Die Menschen müssten "den Effekt erkennen, den Online-Zeit auf Leistung und Beziehungen hat".

Das sind zwar keine wirklich neuen Erkenntnisse für all jene, die schon immer über den "Crackberry"-Lebensstil gelästert oder die Forschung von Wissenschaftlern verfolgt haben, die erforschen, ob interaktive Technik Suchtpotenzial hat. Neu ist laut "New York Times" aber, dergleichen vermehrt von Führungskräften aus den einflussreichsten Unternehmen des Silicon Valley zu hören, die davon profitieren, dass Menschen immer mehr Zeit im Netz verbringen.

Auf der Konferenz Wisdom 2.0 kürzlich berichtete zum Beispiel auch Padmasree Warrior, Chief Technology und Strategy Officer von Cisco und als Leiterin der Entwicklung früher Herrin über 22.000 Mitarbeiter, dass sie Menschen regelmäßig dazu aufgefordert habe, mal eine Pause zu machen und tief durchzuatmen - und das auch selbst so gehalten habe. Warrior meditiert jeden Abend und hält sich den Samstag frei, um zu malen und Gedichte zu schreiben. Dabei schaltet sie ihr Telefon ab oder lässt es im Nebenzimmer.

"Das ist fast wie ein Neustart für Geist und Seele", erklärte die Topmanagerin. Und mit Blick auf die "Entgiftung" am Samstagmorgen fügt sie hinzu: "Das macht mich viel ruhiger, wenn ich später meine Emails beantworte."

Bei Google gibt es eine interne "Mindfulness"-Bewegung, bei der die Mitarbeiter sich ihrer selbst bewusst werden und ihre Fähigkeit zur Fokussierung verbessern sollen. Richard Fernandez ist Management-Coach bei Google und warnt vor den immensen Risiken der allzu intensiven Beschäftigung mit Gadgets.

"Die Menschen brauchen einen inneren Kompass, mit dem sie die Möglichkeiten, die ihnen die Technik für die Arbeit und die Suchebietet, mit den Qualitäten ihres Offline-Lebens ins Gleichgewicht bringen", sagt Fernandez. "Es geht darum, sich Raum zu verschaffen. Andernfalls können uns unsere Technologien hinwegfegen."