Michael Kollig, Groupe Danone

Eine soziale Plattform fördert Ideen zur Reife

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Mit dem Projekt "IS Changer" hat Michael Kollig das Innovations-Management der Groupe Danone auf eine neue Ebene gehoben. Die Social-Software-Plattform hilft dem Konzern, Ideen zu generieren, auszuwählen und schließlich umzusetzen.

Beim "CIO des Jahres - Großunternehmen" musste er sich knapp geschlagen geben. Doch in der Kategorie "Global Exchange Award" lag er ganz vorn: Michael Kollig hat als CIO Emea beim Lebensmittelkonzern Danone einen weltweiten Prozess und ein IT-System für die Förderung von Innovationen geschaffen.

"Ein erfolgreicher CIO muss heute mehr denn je in internationalen Dimensionen denken und seine Projekte länder- und kulturübergreifend steuern können", schrieb Eckart Pech, CIO der Telefónica Deutschland, kürzlich im Magazin "CIO". Kollig habe sich hier hervorgetan, indem er in 14 Monaten einen internationalen Rahmen für die Innovationsförderung implementierte. Ende vergangenen Jahres wurde das Projekt "IS Changer" abgeschlossen.

Die Funktionen des Frameworks

Gerade in großen Organisationen sei es schwierig, die entwickelten Ideen auch umzusetzen, erläutert Kollig. Ein "Innovationsförderungs-Framework" könne die Geschäftsbereiche und letztlich das gesamte Unternehmen dabei unterstützen,

  • eine hohe Zahl von Ideen zu generieren,

  • diese Ideen qualitativ zu verbessern,

  • sie in einem Forum zu diskutieren und weiterzuentwickeln sowie

  • sie durch Implementierung eines Unterstützungs- und Entscheidungsprozesses in Konzepte und Produkte zu verwanden.

Den Anfang sollten die 400 IT-Mitarbeiter selbst machen, wobei sich ihre innovativen Ideen ausdrücklich nicht auf die IT-interne Nabelschau beschränken mussten. Es galt einfach, die Zahl der Teilnehmer zunächst überschaubar zu halten.

Crowdsourcing und Gamification

Bei der Umsetzung des Systems machten sich Kollig und das zehnköpfige Projektteam Prinzipien zu eigen, die unter Begriffen wie Crowdsourcing, Venture Capitalism und Gamification bekannt sind: In einem mehrstufigen Prozess werden die Ideen durch die "Community" diskutiert, bewertet und unterstützt. Das Grundprinzip des Systems ist die Eigentümerschaft an der Idee; sie verbleibt beim jeweiligen Mitarbeiter. So lässt sich der Furcht vor dem "Ideenklau" entgegensteuern.

Zur Motivation dienen finanzielle, aber auch andere Anreize. An den Spieltrieb und den Wettbewerbssinn appellieren Elemente aus dem Feld der Gamification: So können die Mitarbeiter - je nach ihrem individuellen Beitrag - Bronze-, Silber oder Goldstatus erreichen. Last, but not least wurden die Führungskräfte verpflichtet, genügend Freiräume für die Mitarbeiter zu schaffen, deren Ideen für eine Weiterentwicklung ausgewählt wurden.

Technisch gesehen, basiert der IS Changer auf einer "sozialen Plattform" des deutschen Unternehmens Hyve. Wie Kollig erläutert, ist Hyve eigentlich ein Spezialist für Innovationsprozesse, also kein IT-Anbieter. Die Plattform "IdeaNet" sei quasi als Add-on zu den Beratungsleistungen entstanden.

Anfängliche Skepsis

Nach den Herausforderungen des Projekts gefragt, verweist Kollig vor allem auf die anfängliche Skepsis vieler Mitarbeiter: "Es war auch in diesem Projekt wichtig, die relevanten Meinungsmacher frühzeitig einzubeziehen, um das Not-invented-here-Syndrom zu vermeiden."

Daneben seien weltweite Projekte immer etwas schwieriger als solche, die sich innerhalb eines Kulturkreises abspielten, so Kollig: "Dass es in unterschiedlichen Kulturräumen verschiedene Vorgehensweisen und Präferenzen gibt, braucht wohl nicht extra erwähnt zu werden." Dass sich das Ergebnis trotzdem sehen lassen kann, spricht ebenfalls für sich. (mhr)

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