Adobe Digital Publishing Suite

Eine Alternative zur App-Entwicklung

Stefan von Gagern ist diplomierter Medientechniker (FH) und war als Redakteur und Ressortleiter bei den Fachtiteln "Screen Busines Online" und "Page" tätig. Später lehrte er als Dozent für Medienkonzeption im Master-Studiengang "Multimedia Production" an der Fachhochschule Kiel. Heute schreibt er als freier Fachjournalist und Autor über Themen wie Publishing, Internet, Social Media und Digital Lifestyle. Parallel berät er Unternehmen bei der Konzeption und Umsetzung von Social-Media-Auftritten.
Wer Kosten und Aufwand der eigenen Mobile App scheut, kann sich vielleicht mit inhaltsgetriebenen E-Magazinen für Tablets und Smartphones anfreunden. Werkzeuge wie die Adobe Digital Publishing Suite (DPS) helfen bei der Produktion.

Von einem Unternehmen wird heute die direkte Kommunikation mit der Zielgruppe über Facebook & Co. so selbstverständlich erwartet wie die eigene Website. Wer an der Zielgruppe dranbleiben möchte, kommt auch nicht um eine Mobilpräsenz herum. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: Die einfachste ist die mobile Website, die beste und aufwändigste eine oder mehrere Apps. Die Entscheidung Website vs. App muss jedes Unternehmen für sich treffen.

Native Apps: verlockend, aber aufwändig

In Sachen Attraktivität gibt es einen klaren Gewinner: 2014 verbrachte die Zielgruppe laut einer aktuellen Erhebung von Flurry Analytics 86 Prozent ihrer mobilen Nutzungszeit in Apps. Und die Tendenz, zunehmend auf Apps statt auf mobile Websites zuzugreifen, steigt weiter. Eine Website für Mobilgeräte zu optimieren ist schon nicht gerade einfach, doch die Entwicklung einer eigenen, nativen App braucht noch viel mehr: Es geht um Multiplattform-Entwicklung - zumindest für iOS und Android -, um Know-How in Sachen Geodaten, Push-Notifikationen, Social Media, Datenverschlüsselung oder Nutzungsdatenanalyse. Oft müssen Apps in bestehende IT-Strukturen eingebunden werden und mit Unternehmensdaten arbeiten.

"Nicht selten braucht man ein Team von sechs Personen, eine Entwicklungszeit von vier Monaten und kommt auf Initialkosten von 250.000 bis 550.000 Dollar", berichtet Klaasjan Tukker, Solutions Account Manager EMEA bei Adobe. Nach der Programmierung kommen noch Kosten für die App-Pflege mit regelmäßigen Updates dazu, um etwa Lösungen für Sicherheitslücken oder Stabilitätsprobleme zeitnah anzubieten - und natürlich wollen die Apps regelmäßig mit aktuellen Inhalten gefüttert werden.

Adobe DPS

Die Inhalte fallen nicht selten ebenfalls teuer aus, schließlich erwarten die Nutzer in Apps Multimedia-Inhalte, Interaktivität und Social-Media Anbindung. Tukker ordnet Apps in zwei Kategorien: In Task-orientierten Anwendungen erledigt der Anwender bestimmte Aufgaben, etwa eine Überweisung in einer Home-Banking App. Die andere Kategorie sind Content-getriebene Apps. Sie liefern alle Arten von aktuellen Inhalten, etwa Flyer, Broschüren, Kataloge oder Sales-Material an die Zielgruppe. Für diese Arten von Apps will Adobes Digital Publishing Suite ("DPS") eine Alternative bieten. Der Vorteil an dem System: Der DPS- Anwender muss sich nicht damit beschäftigen, von Grund auf eine native App zu entwickeln, sondern konzentriert sich auf das, was er kennt und beherrscht - seine Inhalte.

Arbeiten kann der Anwender in gewohnter Umgebung: Zum Beispiel im Layout-Programm InDesign oder in seinem Content-Management-System wie Wordpress oder Drupal. Bestehende Workflows lassen sich somit weiter nutzen. Die Mitarbeiter, die Apps mit Inhalt versorgen, können wie gewohnt produzieren - Tablet-Magazine werden nur zum Beispiel in an Tablets angepasste Layout Dimensionen verpackt. Zudem ist es möglich, den Inhalt mit Hilfe interaktiver Inhalte wie Diashows, Videos, Schaltflächen und Animationen aufzupeppen.

Die Produktion von digitalen Magazinen in Adobe DPS basiert auf InDesign. Das System kümmert sich auch um die Auslieferung in die App Stores und bietet Möglichkeiten für Analyse.
Die Produktion von digitalen Magazinen in Adobe DPS basiert auf InDesign. Das System kümmert sich auch um die Auslieferung in die App Stores und bietet Möglichkeiten für Analyse.
Foto: Stefan von Gagern

Interaktion auf Knopfdruck

Das Füttern von Apps beschränkt sich mit DPS auf die Bedienung ein paar zusätzlicher Dialoge und fällt im Vergleich zur App-Entwicklung ungleich einfacher aus. Der angestammte Grafiker öffnet in InDesign CC einfach in der Digital-Publishing-Arbeitsumgebung, die alle benötigten Paletten für die Produktion einblendet. Niemand muss Programmieren lernen oder sich mit der Multiplattform-Anpassung beschäftigen. Um eine interaktive Diashow zu erzeugen, reicht es, ein paar Bilder zu importieren, die Reihenfolge und den Wechselmodus - automatisch oder per Wischgeste - festzulegen. Auf ähnlich simple Art lassen sich andere Animationen, Videos, interaktive Buttons, 360-Grad Panoramen und vieles mehr gestalten. Während des Layoutens konvertiert der Nutzer die gewünschten Interaktionen mit einem Klick in eine Folio-Datei (das Dateiformat, in dem digitale Magazine auf das Tablet gelangen) und testet sie wahlweise in einem Content Viewer oder direkt auf dem Tablet. Ein sehr anschaulicher Überblick der Möglichkeiten und Produktionsschritte mit DPS liefert die Gratis-App DPS Tips.

Die App DPS Tips liefert einen sehr guten, kostenlosen Crash-Kurs für Digital-Publishing-Einsteiger.
Die App DPS Tips liefert einen sehr guten, kostenlosen Crash-Kurs für Digital-Publishing-Einsteiger.
Foto: Stefan von Gagern

Die fertige Ausgabe wird direkt aus InDesign in die Cloud zum Folio Producer Service hochgeladen. Dort lassen sich die digitalen Ausgaben verwalten und an den Distributionsservice, beispielsweise Apples iTunes App Store und die Newsstand-App oder Google Play, übergeben. Über den Distributionsservice beziehen die Kunden dann die Tablet-Magazine als Einzelausgabe oder im Abo. Auch gebrandete Einzel-Apps sind möglich. Unternehmen können mit dem App Builder mobile Anwendungen mit eigenem Branding gestalten, die Inhalte auf Folios darstellen.

Ein großer Vorteil der digitalen Magazine im Vergleich zu Web und Print sind die Analyse-Möglichkeiten. Mit DPS können Content-Produzenten ohne aufwändige Leserbefragungen oder Zielgruppentests exakt messen, welche Artikel und Themen am meisten und wie lange gelesen werden, wohin geklickt wird und wie viel Zeit die Zielgruppe insgesamt mit einer Ausgabe verbringt. Das hilft beim Optimieren der Inhalte für kommende Ausgaben und der Erfolgsmessung, ob sich der Aufwand letztendlich lohnt.