Thorsten Pawelczyk hat die SieMatic-IT aufgeräumt

Ein Unternehmens-Wiki verbessert die Kommunikation spürbar

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Auf der Basis von Microsoft Sharepoint hat Thorsten Pawelczyk, CIO des Küchenherstellers SieMatic eine Know-how-Sammlung für die Mitarbeiter angelegt. Das macht ihn zu einem der besten IT-Chefs im Mittelstand.
Torsten Pawelczyk, CIO SieMatic, wechselt demnächst den Arbeitgeber.
Torsten Pawelczyk, CIO SieMatic, wechselt demnächst den Arbeitgeber.
Foto: Joachim Wendler

Alles auf Anfang - unter diesem Motto ging Thorsten Pawelczyk 2009 daran, die Informatik des Küchenherstellers SieMatic mit Sitz im westfälischen Löhne von Grund auf zu erneuern. Im Zentrum stand die Ausrichtung der gesamten Systemlandschaft auf die .NET-Architektur von Microsoft. Mit der grafischen Auftragsbearbeitungs-Software Sirius erzielte der SieMatic-CIO erste Aufmerksamkeit in der CIO-Community. 2010 folgte dann die Ablösung der Oracle-Produktionsdatenbank durch SQL Server.

Es blieb aber nicht bei der technischen Umgestaltung: Die interne IT-Struktur wurde ebenfalls grundsätzlich überarbeitet. "Definierte Rollen in Form von Prozess-Managern und Verantwortlichen für Kompetenzfelder sollen mehr Eigenverantwortung, Produktivität und vor allem Zufriedenheit mit sich bringen", so beschrieb Pawelczyk seinerzeit das Ziel.

Mehr innovative Geschäftsprozesse

Dass ihm die Umgestaltung gelungen ist, war einer der Gründe, warum Pawelczyk beim IT-Wettbewerb "CIO des Jahres 2012" den dritten Platz in der Kategorie Mittelstand erreichte. Die neue Struktur war ja ausdrücklich dazu bestimmt, mehr Online-Anwendungen für innovative Geschäftsprozesse zu entwickeln, mit denen sich die Produktivität und Wettbewerbskraft des Unternehmens steigern lassen würden.

Eine solche Anwendung ist "WikiMatic". Dabei handelt es sich um ein Unternehmens-Wiki auf Sharepoint-Basis. Es ersetzt nicht nur die klassische Dokumentenablage, sondern veränderte auch die Kommunikation im Unternehmen grundlegend: In den Jahren zuvor war sie durch E-Mails und einseitiges Dokumenten-Handling auf Dateiablagen und Portalordnern geprägt. Die Mitarbeiter fühlten sich auf der einen Seite durch die steigende Informationsflut überrollt. Auf der anderen Seite hatten sie aber keine Plattform, auf der sie aktiv an Themen und Projekten kooperieren konnten. Heute sind alle gleichermaßen in der Lage, Informationen einzustellen beziehungsweise abzurufen; der Kenntnisstand im gesamten Unternehmen hat sich dadurch erhöht.

Jury lobte organisatorischen Impact

Das bemerkten auch die Fachleute, die im Auftrag von COMPUTERWOCHE und "CIO"-Magazin die Bewerbungen prüften. Sie lobten den hohen Innovationsgrad und den starken organisatorischen "Impact" des Projekts sowie die konsequente Einführung, die eine erfolgreiche Änderung der internen Kommunikationskultur ermöglicht habe: "Dies führte zu einer nachhaltigen Verbesserung der unternehmensinternen Prozesse und lässt sich in zahlreichen qualitativen und quantitativen Effekten abbilden", so heißt es in der Beurteilung.

Als Erfolgsfaktoren für das Projekt nennt Pawelczyk unter anderen die "ideologische Überzeugung von Führungskräften und Mitarbeitern, dass WikiMatic als alleinige Kommunikationsplattform zu nutzen sei". Die Heranführung der Mitarbeiter an ein neues Kommunikationsverhalten habe schon einiges Durchhaltevermögen erfordert. Last, but not least hätten die Wirtschaftsprüfer überzeugt werden müssen, dass durch das Wiki keine Compliance-Richtlinien unterwandert werden.