"Ein Tool allein reicht nicht aus"

Alexander Freimark wechselte 2009 von der Redaktion der Computerwoche in die Freiberuflichkeit. Er schreibt für Medien und Unternehmen, sein Auftragsschwerpunkt liegt im Corporate Publishing. Dabei stehen technologische Innovationen im Fokus, aber auch der Wandel von Organisationen, Märkten und Menschen.
Das Thema Geschäftsprozess-Management liegt seit Jahren im Trend. Neue Softwarearchitekturen kurbeln die Nachfrage an.

Hier lesen Sie…

  • wieso es keinen einheitlichen Markt für Business-Process-Management gibt;

  • welche Problemlösungen sich die Spezialisten auf die Fahnen geschrieben haben;

  • was SOA und Netweaver mit Prozessen zu tun haben.

Die IT-Krise hat auch ihre guten Seiten - zumindest für die vielen Spezialisten der Geschäftsprozess-Optimierung. Als Folge des anhaltenden Kostendrucks haben sich die Anwender wieder auf breiter Front unter der Fahne des Business-Process-Management (BPM) versammelt. So forderte im vergangenen Jahr VW-Chef Bernd Pischetsrieder stellvertretend für viele deutsche Konzernlenker, der Wolfsburger Autobauer müsse ein "geschäftsprozessgetriebenes" Unternehmen werden. Verbunden sind derartige Ansprüche stets mit der Hoffnung, den Nutzen zu steigern und Kosten zu senken - bei VW hieß das Programm "Formotion" und sollte für Einsparungen in Milliardenhöhe sorgen.

Volkswagen ist keine Ausnahme, andere Konzerne und Mittelständler rechnen mit ähnlich spitzer Feder. Folglich präsentiert sich fast jedes Software- und Beratungshaus als BPM-Helfer, auch wenn die meisten nur Angebote in Teilbereichen machen können. Die Szene ist derart unüberschaubar, dass man nicht von einem einheitlichen Markt reden sollte. Das liegt an der "Ware": Geschäftsprozesse kann man, anders als Handys oder Kartoffeln, nicht kaufen, sondern einrichten und gegebenenfalls optimieren.

Droht also das Reengineering des einstigen Modethemas Business-Process-Reengineering? Ja und nein. Die Prozesseffizienz zu verbessern ist in der Tat nicht erst seit 2004 ein unternehmerisches Ziel. Jedoch bietet BPM inzwischen die Chance, die getrennten Welten Business und IT zu vereinen. Anders formuliert: Die Geschäftslogik und die IT-Logik werden über die Prozesslogik enger miteinander verzahnt.