Microsoft OneApp

Ein Smartphone in der Cloud

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Microsoft hat mit OneApp eine richtig spannende Neuentwicklung vorgestellt - die Lösung soll populäre Web-Anwendungen wie Facebook und Twitter auf einfachere Mobiltelefone in Schwellenmärkten bringen.
Ein Screenshot aus Microsofts OneApp-Werbevideo
Ein Screenshot aus Microsofts OneApp-Werbevideo

In Emerging Markets gibt es zumeist noch keine schnellen UMTS-Datennetze, und die technisch sehr uneinheitlichen sogenannten Feature Phones verfügen oftmals auch nicht über vollwertige Webbrowser. Microsofts Forschungsbereich Unlimited Potential hat deswegen eine nur rund 150 Kilobyte große Handy-Software in Java (sic!) geschrieben, die sich mit GPRS begnügt und hier in die Bresche springt. OneApp dient im Wesentlichen als Ablaufumgebung für Widgets, die den Zugriff auf populäre Webdienste ermöglichen. Microsoft unterstützt hier eigene Services wie Windows Live Messenger und Mobile Wallet, aber auch Third-Party-Dienste wie Facebook und Twitter.

Der Nutzer muss nicht die kompletten, oft umfänglichen Webseiten laden, sondern nur dynamisch deren zentrale Elemente. Und Entwickler - ein auf Developer Kit für OneApp soll Ende des Jahres zur Verfügung stehen - brauchen nur gegen den OneApp-Client zu entwickeln, statt x verschiedene Endgerätetypen separat bedienen zu müssen. Microsoft ergänzt dies durch Services "in der Cloud", die das Endgerät von aufwendigen Berechnungen entlasten und damit die Performance steigern (einen ähnlichen Weg geht Opera in Norwegen mit seinem "Mini"-Browser). Der mobile Traffic soll dabei auf das notwendige Minimum reduziert werden, um die Telefonrechnung für den Endnutzer möglichst niedrig zu halten.

Mit Blue Label Telecoms aus Südafrika hat Microsoft bereits einen ersten Partner für OneApp gefunden. Blue Label bringt seinen Service "mibli" bereits mit mehr als einem Dutzend mobiler Anwendungen heraus, weitere sollen folgen und elementare Grundbedürfnisse der Nutzer beispielsweise im Gesundheitswesen adressieren.

Microsoft will OneApp sukzessive über weitere Partner weltweit anbieten. Das angekündigte Entwickler-Kit ermöglicht die Programmierung von OneApp-Anwendungen über offene Standards wie JavaScript und XML. Solche Apps/Widgets begnügen sich auf dem Endgerät mit einem Footprint von rund 30 Kilobyte.

Auch wenn mancher hinter OneApp vielleicht gleich wieder den Griff nach der mobilen Weltherrschaft wittert - die Idee ist großartig, hilft den Handynutzern in Schwellenländern enorm und wird mit Microsoft von einem Unternehmen unterstützt, der die nötige Backend-Infrastruktur auch stemmen kann.