Richard Gutjahr und LaterPay

Ein Mann und ein Startup für besseres Micropayment

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Richard Gutjahr ist freier Journalist und muss sich selbst vermarkten. Und weil das mit dem Paid Content immer noch nicht richtig funktioniert, nimmt er die Sache kurzerhand selbst in die Hand.

Für den Selbstversuch in seinem Blog tut sich Richard mit einem Münchner Startup zusammen, das LaterPay heißt. LaterPay funktioniert so ähnlich wie Flattr (das mancher dafür kritisiert, dass es bislang primär nur eine Umverteilung innerhalb der Netzgemeinden-Filterblase organisiere), nur dass man dabei nicht im Voraus bezahlt und sein "Prepaid-Guthaben" über einen Monat auf allerlei Webseiten mit Flattr-Buttons verteilt.

Richard Gutjahr will Paid Content endlich machbar machen.
Richard Gutjahr will Paid Content endlich machbar machen.
Foto: Mathias Vietmeier via gutjahr.biz

Stattdessen liest man über LaterPay ("Erst nutzen, später zahlen") Texte im Netz, deren Betreiber dafür gern Geld bekommen würden - und jedes Mal, wenn eine Summe von 5 Euro erreicht ist, zahlt man. Das soll unter anderem das Problem lösen, dass bei bislang halbwegs etablierten Bezahlverfahren wie PayPal die Kosten einer einzelnen Transaktion so hoch sind, dass einzelne Autoren darüber Texte nicht sinnvoll gegen kleines Geld feilbieten können.

LaterPay funktioniert außerdem schmerzfrei - das Micropayment ist mit zwei Klicks erledigt, funktioniert geräteunabhängig und unterstützt viele Zahlungsmethoden. Der Nutzer sieht stets, wie viel Geld er schon ausgegeben hat und demnächst bezahlen muss. Ein Blogger wie Richard Gutjahr kann zwischen verschiedenen Geschäftsmodellen wählen und zum Beispiel Einzelartikel ab 5 Cent verkaufen, Freemium-Modelle anbieten oder Abonnements. Und nicht nur ein Blogger, sondern auch ein Verlag oder Medienhaus.

Bei Nichtgefallen kann ein Leser bei LaterPay sogar seine Zahlung widerrufen. "Jemand der weiß, dass er bei Nichtgefallen die Ware zurückgeben kann, zahlt in dem Wissen, fair behandelt zu werden", zitiert Gutjahr den Gründer und CEO Cosmin Ene. "Content-Rückgabe schafft Vertrauen." Ein WordPress-Plugin hat LaterPay schon fertig, weitere Integrationen für beispielsweise Joomla, Drupal oder via API sollen folgen.

Ab kommender Woche kann man LaterPay auf gutjahr.biz ausprobieren - zunächst im Demo-Modus. Generell will Richard das Blog auch weiterhin frei zugänglich halten. Über LaterPay soll es aber à la In-App-Purchase die Möglichkeit geben, weiterführende Inhalte und Extras wie Grafiken oder Videos freizuschalten. Wir behalten das Projekt und LaterPay im Auge, wünschen viel Erfolg und halten Sie auf dem Laufenden.