Ein dicker Fisch aus dem Internet Informix schnappt Wettbewerber Oracle einen grossen Kunden weg

11.08.1995

MUENCHEN (CW) - Die kalifornische Netscape Communications Corp., Mountain View, eine der ersten Adressen unter den Anbietern von Internet-Zugangs-Software, wechselt ihren Datenbankanbieter. Statt der Oracle Corp. wird kuenftig die Informix Corp. die Datenbanksysteme liefern.

Obwohl die beteiligten Firmen die Langzeitwirkung ihrer Vereinbarung herunterspielen, kann Informix unter Umstaenden durch Netscape Zehntausende von Lizenzen einheimsen, die Oracle nun verlorengehen, stellt der Brancheninformationsdienst "Computergram" fest. Netscape beabsichtigt offenbar, die Oracle- Datenbank in all ihren Internet-Server-Applikationen gegen Informix-Produkte auszutauschen.

Als Grund fuer den Wechsel erklaerte Netscapes Mitbegruender Jim Clarke: "Ganz klar ist Informix der derzeitige Technologiefuehrer." Clark ist der Branche bereits durch die Gruendung der Silicon Graphics Inc. im Jahr 1981 bekannt.

Gegenwaertig besitzen etwa 1000 Netscape-Kunden Server-Produkte, die auf Oracle basieren. Den Grossteil machen Testanwender aus. Nun sollen das "Merchant System", gedacht fuer den Online-Verkauf, das "Publishing System" fuer Online-Publikationen und das "Community System" fuer Online-Foren und News-Gruppen mit "Informix Online" gebuendelt werden.

"Netscape Istore" richtet sich an kleine Haendler und Betriebe, die ihre Produkte via Internet an den Mann bringen wollen. Zu diesem Zweck ist in die Applikation etwa ein Modul eingebaut, das die Rechtmaessigkeit des Kreditkartenbesitzes ueberprueft. Istore gilt als Einsteigersoftware und wird kuenftig mit der "Informix Standard Engine" angeboten werden.

Netscape steckt noch in der Aufbauphase. So fuhr das Unternehmen im ersten Quartal dieses Jahres bei einem Umsatz von 4,7 Millionen Dollar einen Verlust von 2,7 Millionen ein. Analysten rechnen allerdings mit einer Umsatzsteigerung auf 500 Millionen Dollar innerhalb der naechsten zwei Jahre. Sie erwarten, dass das Unternehmen seine Marktfuehrerschaft ausbauen kann. Die Firma konnte erst im April neue Investoren gewinnen, als sie elf Prozent der Anteile freigab. Zu den Geldgebern gehoeren Adobe Corp., Hearst Corp., Knight Ridder, Times Mirror Co. und IDG.

Derweil gab Oracle bekannt, das Unternehmen habe mit der Spyglass Inc. einen vergleichbaren Vertrag geschlossen. Spyglass liefert den Internet-Browser, den Microsoft mit seinem Betriebssystem Windows 95 buendeln will.