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Wendland

Ein Büro im Wald oder wenn das Internet zur Existenzfrage wird

14.05.2014
Das dünn besiedelte Wendland plagen nicht nur Finanznot und Überalterung, sondern auch ein schwaches Internet. Auf EU und Bund will man nicht warten. Im Nordosten Niedersachsens wird eine Lösung auf genossenschaftlicher Basis angestrebt.

Peter Burkhardt arbeitet in einem alten Forsthaus mitten im Wald. Dort wohnt der 49-Jährige auch. Seit zehn Jahren lebt er mit seiner Frau Katrin in dem reetgedeckten Fachwerkgebäude bei Gartow im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Das Journalisten-Ehepaar schreibt über die Natur, die Jagd und Hunde. Er liefert Texte und Fotos, sie arbeitet als Grafikerin. Um Wildschweine, Rehe oder Waschbären abzulichten, muss Peter Burkhardt oft nur das Fenster öffnen. So finden die beiden ihr Auskommen im strukturschwachen Wendland dank Wald und Internet. Doch das mit dem Internet ist so eine Sache.

In größeren Städten ist schnelles Internet einfach zu bekommen - auf dem Land sieht es oft anders aus...
In größeren Städten ist schnelles Internet einfach zu bekommen - auf dem Land sieht es oft anders aus...
Foto: Telekom

"Ohne Internet und DSL wären wir damals gar nicht hier hergekommen", sagt Peter Burkhardt. "Die Internet-Versorgung genügt aber heutigen Anforderungen nicht mehr." Was vor zehn Jahren an Übertragungskapazitäten noch gereicht habe, stoße heute an seine Grenzen. "Wenn ich Fotos verschicke, dann dauert das ewig", sagt er. Früher hätte ein Bild meist ein Megabyte gehabt, heute seien es 10 MB und mehr. "Die Übertragung eines einzigen Fotos kann sich da hinziehen." Bei kompletten Seiten sei es noch schlimmer.

Auch die Firma Grocholl hat ein Problem. Sie produziert in der Ortschaft Clenze Lebensmittel und ist mit rund 150 Beschäftigten ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Die Firma mit einem Tochterunternehmen in Sachsen-Anhalt habe bei der internen Kommunikation wegen der unzureichenden Internetversorgung große Probleme, klagt Geschäftsführer Tobias Grocholl. "Auch unsere Kunden verlangen modernen Datenaustausch im Bestell- und Rechnungswesen. Es ist für ein Unternehmen ausgesprochen unbefriedigend, wenn es seine Rechnungen nicht ordentlich versenden kann."

Landrat Jürgen Schulz hält das Problem für eines der drängendsten neben Geldmangel und Überalterung. "Das Thema droht uns rasant zu überholen", warnt der parteilose Politiker. Schnelle Internetverbindungen seien gerade auf dem Land Voraussetzung, Dienstleister in die Region zu holen. Internet gehöre schlicht zum Alltag - selbst das Handy bleibe aber oft tot.

Schnelle Funktechniken wie LTE können eine Alternative zu DSL und Glasfaser sein - vorausgesetzt, sie sind verfügbar...
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Foto: Deutsche Telekom

Neben dem Nordosten Niedersachsens sind bei der Breitbandversorgung auch viele Gebiete in den neuen Bundesländern besonders benachteiligt. Auch im Osten Bayerns und vielen anderen Regionen herrsche Mangel, warnt der Landkreistag in Berlin mit Blick auf den Breitbandatlas des Ministeriums für digitale Infrastruktur. Benachteiligt seien auch Grenzregionen, heißt es aus dem Ministerium selbst.

In Niedersachsen hat die rot-grüne Landesregierung angekündigt, für den Breitbandausbau 60 Millionen Euro aus EU-Fördermitteln bereitzustellen. Am Freitag soll ein umfangreicher Plan im Landtag vorgelegt werden, die SPD sieht eine "Gerechtigkeitslücke". Hessen hat die entsprechenden Mittel unlängst auf 350 Millionen Euro aufgestockt.

Die Bundesregierung will den Ausbau des schnellen Netzes beschleunigen, im März wurde eine Netzallianz mit Branchenvertretern und Verbänden gegründet. Ziel ist eine flächendeckende Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde bis 2018, das Milliardenprojekt sollen vor allem die Telekommunikationsunternehmen finanzieren.

"Das muss viel schneller kommen - das ist für die ländlichen Regionen wie uns eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens", sagt Landrat Schulz in Lüchow zu Plänen in Brüssel und Berlin. "Da können wir nicht auf EU oder Bund warten und müssen vielleicht in Eigeninitiative loslegen." Denkbar sei eine Struktur auf genossenschaftlicher Basis. "Wir sind schon in der Planung", sagt er. (dpa/tc)