Web

Software as a Service

Ein bisschen SaaS darf sein - aber nicht mehr!

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Software as a Service (SaaS) wird den Analysten von Gartner zufolge nicht die dominante Rolle in der IT spielen, die viele Beobachter erwartet hatten.

Im vergangenen Jahr machte der SaaS-Anteil an den gesamten Business-Software-Ausgaben weltweit 3,4 Prozent aus, im Jahr davor waren es 2,8 Prozent, berichtet David Cearley, Vice President bei Gartner. In diesem Jahr werde sich das weltweite Marktvolumen bei 8,8 Milliarden Dollar einpendeln.

Was bereits häufig bei stationärer Software beklagt wird, geht laut Gartner auch bei SaaS schief. Als Beispiel für diese These führen die Analysten Shelfware an: "Shelfware as a Service ist das Konzept, im Abo für Software zu zahlen, die dann letztendlich nicht genutzt wird", sagt Cearly. Vor allem in großen Unternehmen, aber auch in anderen komme es vor, dass zu viele Abos gekauft und bezahlt würden. Anwender wollten in solchen Fällen von Discounts profitieren, oder sie berücksichtigten nicht die schwankende Zahl der potenziellen Nutzer - etwa weil Personalabbau ansteht.

Laut Gartner hat SaaS dem Softwaremarkt durchaus neues Leben eingehaucht und die Auswahlmöglichkeiten verbessert. Letztendlich seien aber die Erwartungen nicht voll erfüllt worden. Beispielsweise sei in 90 Prozent der bestehenden SaaS-Verträge keine nutzungsabhängige Bezahlung vereinbart worden - ein potenzieller Vorteil für Kunden, den sie aber in der Praxis nicht abrufen könnten. Meist würden einfach Software-Abonnements mit einer bestimmten Laufzeit abgeschlossen.

SaaS - ein Modell für einfache, schnell implementierbare Software

SaaS behebe bei weitem nicht alle Schwierigkeiten in Sachen Software-Delivery, könne aber handfeste Vorteile bringen, wenn es gelte eine einfache Software schnell zu implementieren, meint der Gartner-Mann. "SaaS ändert die Rolle der IT, die nicht mehr selbst eine möglichst optimale Implementierung einer Software auf die Beine stellen, sondern nun vielmehr den Betrieb beim Hersteller beobachten muss."

Jedes Unternehmen ist laut Gartner trotz allem auf die eine oder andere Weise mit SaaS konfrontiert, weshalb bei der Bewertung dieses Ansatzes folgende vier Punkte zu berücksichtigen seien:

  1. Den Wert bestimmen: SaaS ist kein Allheilmittel und Unternehmen sollten die Vorteile, die ihnen der Ansatz bieten kann, genau bewerten und verstehen. Beispielsweise senkt SaaS den Infrastruktur- und Management-Aufwand und reduziert die kurz- und mittelfristigen Gesamtkosten. Andererseits gibt es nur wenige Tools von Drittanbietern, die im Zusammenhang mit der SaaS-Software eingesetzt werden können. Bilanziell können SaaS-Anwendungen außerdem nicht als Vermögenswerte aufgeführt werden.

  2. Governance aufbauen: Anwender sollten eine SaaS-Policy entwickeln und ein entsprechendes Governance-Dokument entwerfen. IT und Business sollten dabei zusammenarbeiten.

  3. Anbieter bewerten: Unternehmen sollten Anbieter danach aussuchen, inwieweit sich ihre Produkte wirklich für ihre Anforderungen eignen. Ob sich ein Softwarehaus definitiv zu SaaS bekennt, zeigt sich nicht an Marktstellung oder Verkaufszahlen, sondern daran, ob die technischen Voraussetzungen für den Softwarebetrieb optimal sind.

  4. Eine Roadmap für die Integration entwickeln: Es gilt festzulegen, wie sich in einem kontinuierlichen Prozess die SaaS-Anwendungen mit den vorhandenen On-premise-Programmen sowie möglicherweise mit weiteren SaaS-Produkten anderer Anbieter integrieren lassen.