Informationsüberflutung

Ehepartner hassen den BlackBerry

Sascha Alexander ist Head of Content & Marketing bei der BARC GmbH.
Das renommierte Forschungszentrum MIT sieht die psychische Gesundheit von Unternehmensmitarbeitern durch die ständige Kommunikation über mobile Clients und Collaboration-Anwendungen bedroht. Doch ein Mittel dagegen zu finden, scheint schwierig.

JoAnne Yates, Deputy Dean am Massachusetts Institute of Technology (MIT), sieht die Stresskurve bei Unternehmensmitarbeitern durch immer mehr Kommunikationskanäle nach oben gehen. Vor allem unter BlackBerry-Nutzern macht mittlerweile das Wort "CrackBerry" die Runde, weil sie einfach nicht mehr abschalten können und wollen. In einer in Kürze erscheinenden Studie "Ubiquitous E-mail: Individual Experiences and Organizational Consequences of BlackBerry Use" will das MIT nun aufzeigen, wie dramatisch die Informationsüberflutung wirklich ist. Vorab sprach Yates, Co-Autorin des Berichts, mit den Kollegen der "Computerworld":

CW: Wie weit sind Ihre Forschungen zum Informationsüberfluss gediehen?

Yates: Derzeit läuft am MIT eine Disseration meiner Kollegin Melissa Mazmanian zu diesem Thema. Zusammen mit der Informatik-Professorin Wanda Orlikowski und mir untersuchen wir dabei die Nutzung des BlackBerry bei 30 Angestellten eines Finanzdienstleisters. Dabei zeigt sich, dass die Leute den BlackBerry kurzfristig eher als eine Hilfe zur Stressreduzierung sehen, weil man schneller über Probleme informiert wird, als diese erst beim Öffnen ihrer E-Mail-Anwendung am Desktop vorzufinden. Langfristig nimmt indes der Stress zu, weil man kaum noch abschalten kann. Alle Befragten beklagen, dass sie nicht mehr vom BlackBerry loskommen.

CW: Haben Sie eine Lösung für das Problem der Informationsüberflutung gefunden?

Yates: In manchen Firmen wurde es Managern verboten, Blogs und Instant Messaging zu verwenden, in anderen Unternehmen bezweifelt man hingegen den Sinn solcher Maßnahmen. Wieder andere Organisationen setzen auf Wikis, um die Kommunikation zu bündeln und für alle sichtbar zu machen, doch dies ist ein schwieriger Lernprozess für alle, und es gibt nicht immer Zeit für Schulungen. Auch wissen viele Mitarbeiter nicht, was von ihnen künftig verlangt wird. Die Untersuchung zeigt, dass Tools und individuelle kognitive Entwicklung nicht reichen. Vielmehr brauchen wir gemeinsame Kommunikationsrichtlinien (mehr zu den technischen Herausforderung der Informationsflut finden Sie hier).