Technik-Einsatz muß verstärkt überprüft werden, aber:

EDV-Revisoren sind noch immer Mangelware

11.09.1987

Einen immer wichtigeren Platz nimmt die EDV-Revision in den Unternehmen ein. Derzeit sind in der Bundesrepublik rund 2000 Revisoren tätig, der Bedarf für die nächsten Jahre liegt dagegen bei etwa 6000. Wolfgang Haschke, Geschäftsführer der EDV-Controlling Unternehmensberatung (ECU) GmbH in Heppenheim, schildert Anforderungen und Chancen in diesem Beruf.

Die moderne Kommunikationstechnik hat in den letzten Jahren begonnen, alle Bereiche wirtschaftlicher und verwaltungsmäßiger Tätigkeiten zu erfassen. Die Grenzen ihrer Anwendung sind derzeit noch nicht absehbar. Hierbei sind nicht nur die gesetzlichen Anforderungen, wie Einhaltung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und des Datenschutzes zu beachten, sondern der DV-Einsatz muß auch effizient und kostengünstig durchgeführt werden.

Überhaupt sind die Grundsätze ordnungsmäßiger Datenverarbeitung entscheidend:

Sie sind gegeben, wenn die Einhaltung der Vollständigkeit, der formellen und materiellen (sachlichen) Richtigkeit und Prüfbarkeit sowie Sicherheit und Termingerechtigkeit von einem Sachverständigen bestätigt werden kann.

Damit wird die EDV-Revision zunehmend gefordert, die DV-Organisation und -Anlage zu überprüfen, aber auch zu beraten, wie beispielsweise bei einer projektbegleitenden Revision. Leider fehlt es in diesem Bereich immer noch an qualifizierten Fachleuten.

Wir schätzen, daß in der Bundesrepublik zur Zeit höchstens 2000 EDV-Revisoren tätig sind.

Der Bedarf für die nächsten Jahre dürfte aber bei etwa 6000 Fachleuten liegen. Bisher sind die meisten EDV-Revisoren bei Kreditinstituten, Versicherungen, multinationalen und sonstigen Großunternehmen tätig. Nach unseren Erfahrungen sollte längerfristig im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige auf etwa 30 in der Softwareerstellung und -pflege sowie im Rechenzentrumsbetrieb tätigen Personen ein EDV-Revisor kommen.

Das Deutsche Institut für Interne Revision e.V. (IIR) in Frankfurt hat in seiner letzten Fragebogenerhebung (Stichtag 1. Januar 1983) eine "Kennzahl zur Quantität der EDV-Revision (nach Wirtschaftsgruppen)" ermittelt.

Danach sind die Verhältnisse mit 1 zu 15 bei Kreditinstituten am günstigsten (bedingt durch die Forderungen der Bankenaufsicht) und mit 1 zu 92 bei der Wirtschaftsgruppe "Investitionsgüter" am schlechtesten.

Unser angestrebter Durchschnittswert 1 zu 30 über alle Wirtschaftsgruppen, aber inklusive den tätigen Personen in den Rechenzentrumsbetrieben, scheint also realistisch zu sein. In den USA spricht man sogar von 1 zu 25. Unberücksichtigt in der "Betreuung" sollte die inzwischen vorwiegend dezentral bei den Anwendern durchgeführte Datenerfassung und der ständig zunehmende PC-Einsatz bleiben. Hingegen werden der Benutzerservice und selbstverständlich auch alle übrigen DV-Stabsstellen in die von der EDV-Revision zu prüfenden und beratenden DV-Stellen, wie Planung und Kontrolle, Softwareengineering (Methoden und Standards, Qualitätssicherung), Systemprogrammierung, Datennetzkoordination, Datenbankadministration, Dokumentationsbetreuung und Schulung mit einbezogen.

Woher aber sollen die fehlenden EDV-Revisoren(innen) rekrutiert werden?

In jüngster Zeit stellen wir in unseren Schulungsseminaren fest, daß unternehmerisch denkende DV-Leiter des öfteren Systemanalytiker und Organisationsprogrammierer, ja sogar auch Projektleiter, zur Ausbildung als EDV-Revisoren anmelden, obwohl ihr Bereich unter ständiger Personalknappheit leidet. Eine Hauptquelle für künftige EDV-Revisoren sehen wir bei den bisherigen klassischen oder allgemeinen Revisoren.

Künftig wird es keine Funktion in einem Unternehmen beziehungsweise einer Verwaltungsinstanz mehr geben, die nicht durch Datenverarbeitung gelöst oder zumindest unterstützt wird. Also ist es ratsam, daß ein Fachrevisor auch "EDV-Anwendungsrevisor" wird. Ansonsten sollten die Unternehmen junge Betriebswirte, vor allem Wirtschaftsinformatiker, in der EDV-Revision durch praxisnahe, modular aufgebaute Schulungsprogramme, ausbilden lassen. Die Eisteiger, die nicht unbedingt Akademiker sein müssen, werden zunächst als Revisionsassistenten älteren EDV-Revisoren zur Seite gestellt.

Die Tabelle zeigt ein mit unseren Teilnehmern von Erfahrungsaustauschseminaren erarbeitetes Anforderungsprofil eines EDV-Revisors nach steigendem Schwierigkeitsgrad der Arbeitsprogrammpunkte, also die erforderlichen Kenntnisse/Fähigkeiten eines EDV-Revisors.

EDV-Revisoren haben große Chancen als Führungsnachwuchskräfte, unter anderem auch auf dem speziellen Gebiet des EDV-Controlling.