Kosteneinsparung ist nur ein Grund von vielen

EDS-Manager: Outsourcing ist die Folge geplatzter IT-Träume

25.10.1991

MÜNCHEN (CW) - Das Angebot an Information zum Thema Outsourcing ist überwältigend: Kongresse, Seminare und Literatur überschwemmen den Markt, das Thema ist in aller Munde. Diskutiert werden vor allem Vor- und Nachteile der DV-Auslagerung und praktische Themen wie die "Gestaltung eines Outsourcing-Vertrages". Auf die Ursachen des Booms wird dagegen selten eingegangen.

Mit diesem Thema hat sich Harold K. Wilson, Director Pan-European Communications bei EDS International in Genf, auf einer Tagung der Deutschen Congress Gesellschaft (DC) in München beschäftigt. "Einer der Gründe, weshalb Outsourcing so populär geworden ist", so seine Ausführungen, "liegt in der Diskrepanz zwischen den Erwartungen an Informationstechnologie (IT), die viele DV-Verantwortliche gehegt hatten, und dem, was bis dato wirklich erreicht worden ist."

Wilson beschrieb, wie ein hochrangiger Manager traditionell über die Rolle der IT denkt. Informationstechnologie gelte für ihn als wesentlicher Erfolgsfaktor für das Unternehmen. Jedes Jahr werde von neuem darüber entschieden, ob und in welcher Höhe das IT-Budget aufzustocken sei - natürlich immer zum Nutzen des Unternehmens. Das DV-Budget orientiere sich dabei nicht immer am Unternehmensergebnis, es steige in vielen Fällen sogar überproportional an.

In letzter Zeit aber sei in immer mehr Unternehmen eine Phase der Ernüchterung eingetreten. Über den Einsatz von Informationstechnologien, so die deprimierende Erkenntnis, konnte bei weitem nicht das erhoffte Produktivitätswachstum erzielt werden. Entsprechend war der Anwender trotz horrender IT-Investitionen in modernste Technologie nicht in der Lage, seine Produkte oder Dienstleistungen günstiger anzubieten als der Mitbewerb.

Laut Wilson ist inzwischen erkannt worden, daß die Technologie weniger wichtig ist, als allgemein vermutet. Vielmehr gehe es darum, wie intelligent und strategisch sinnvoll die Computertechnik zum Einsatz komme. "Es ist die Verbindung zwischen den technischen und den geschäftlichen Anforderungen, die entscheidend ist." Unternehmen brauchten die Fähigkeit, Informationssysteme so zu nutzen, daß die für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidenden Faktoren optimiert würden. Es müsse zunächst darum gehen, diese Faktoren zu identifizieren.

Gegenwärtig finde eine "Entmystifizierung der Technologie" statt, die den Outsourcing-Boom maßgeblich forciere. Vor 20 Jahren seien Informations- und Kommunikationstechnologien noch die alleinige Domäne von Experten gewesen. Abgeschieden vom eigentlichen Geschäft hätten die "DV-Gurus" in abgeschlossenen Räumen kommunizierend in einer eigenen Sprache - ihr Süppchen gekocht.

Heute dagegen habe jeder Mitarbeiter Zugang zu den modernen Technologien. Nicht-Technokraten kontrollierten ein Verarbeitungsvolumen von Tausenden von MIPS. Informationstechnik sei nicht mehr ein notwendiges Übel, sondern ein wichtiges und strategisches Instrument zur Erledigung des Hauptgeschäfts.

Die Entscheidung für die Auslagerung der DV werde in diesen Unternehmen in der Regel von einem Corporate Information Manager (CIO) getroffen, der in vielen Fällen noch nicht einmal einen ausgeprägten technischen Background habe. Allerdings sei dieser CIO in der Lage, den strategischen Wert der Informationstechnologie richtig einzuschätzen. Er ordne die Outsourcing-Entscheidung ebenso wie die hauseigene IT-Nutzung als Teil einer Gesamtstrategie ein, die allein von den Anforderungen des Hauptgeschäfts gesteuert werde.