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EDS kämpft weiter mit seinem Quartalsbericht

04.11.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Electronic Data Systems (EDS) hat die für den gestrigen Mittwoch angekündigte Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal 2004 erneut verschoben. Als Grund führte der texanische IT-Dienstleister wie zuvor die geplanten Abschreibungen auf den insgesamt mit 8,8 Milliarden Dollar dotierten IT-Servicevertrag mit der Navy an. Das Unternehmen und die Buchprüfer von KPMG hätten den genauen Zeitpunkt sowie die Höhe der erforderlichen Wertberichtigungen noch nicht abschließend bestimmt, so EDS.

Unabhängig davon sorgt nun allerdings noch eine weitere Angelegenheit für Verzögerungen: Wie der Outsourcing-Riese bekannt gab, beschäftigt sich das interne Audit-Komitee auf Anregung von KPMG seit Ende Oktober außerdem mit den Rückstellungen für die vierteljährlichen Bonuszahlungen. Davon betroffen ist nicht nur das aktuelle Berichtsquartal, sondern die Jahre 2003 und 2004 insgesamt.

Als Konsequenz könnte das Unternehmen gezwungen sein, die Quartalsberichte für das vergangene Jahr zu korrigieren, warnte EDS. Auswirkungen auf das Jahresergebnis 2003 seien jedoch nicht zu erwarten.

Außerdem könne KPMG die Prüfung des fälligen Quartalsberichts erst dann beenden, wenn das interne Audit-Komitee seine Arbeit abgeschlossen habe. Nach Schätzungen von EDS wird dies nicht vor dem 9. November der Fall sein, dem vorgeschriebenen Termin für die Vorlage der Zahlen bei der US-Börsenaufsicht SEC. Das Unternehmen kündigte daher an, es werde entweder die Ergebnisse der Untersuchung im Quartalsbericht nicht berücksichtigen, oder - falls bis zum 15. November Ergebnisse vorliegen - bei der SEC einen Aufschub beantragen.

Insgesamt sei das Unternehmen zuversichtlich, dass die Bilanzprobleme schnellstens aus dem Weg geschafft werden, ohne den Geschäftsbetrieb zu stören, so EDS. Die deutlichen Verbesserungen und Fortschritte der vergangenen anderthalb Jahre würden davon in keiner Weise beeinträchtigt, erklärte ein Konzernsprecher. Für das abgelaufene dritte Quartal rechnet das Unternehmen nach wie vor mit einem Gewinn am oberen Ende der angepeilten Spanne von fünf bis zehn Cent je Aktie. Der Umsatz soll zwischen 4,9 und fünf Milliarden Dollar betragen.

Der zweitgrößte IT-Dienstleister nach IBM hatte bereits Ende Oktober die Veröffentlichung der Quartalszahlen wegen Abschreibungen auf den Navy-Auftrag um eine Woche verschoben. Der 8,8 Milliarden Dollar schwere Vertrag wurde im Jahr 2000 vereinbart und umfasst die Erneuerung und den Betrieb der Kommunikationsinfrastruktur für rund 360.000 Mitarbeiter an weltweit rund 4000 Stützpunkten. Im Juni 2004 räumte das Management ein, dass das Projekt EDS insgesamt einen operativen Verlust von zwei Milliarden Dollar beschert hat. (mb)