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EDS findet Gnade vor der britischen Polizei

16.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der texanische IT-Dienstleister Electronic Data Systems (EDS) ist neben Capgemini der letzte Anwärter für ein Outsourcing-Projekt bei der britischen Polizeibehörde UK Metropolitan Police Service. Das Vorhaben ist mit einer Laufzeit von 13 Jahren geplant und hat ein geschätztes Volumen von 650 Millionen Pfund (knapp 950 Millionen Euro). Es führt drei derzeit getrennt von Atos Origin, Damovo und EDS betriebene Serviceprojekte unter einem Vertrag zusammen.

Der Sprung von EDS auf die Shortlist der Polizeibehörde ist bemerkenswert, weil der IT-Dienstleister der öffentlichen Hand Großbritanniens in den vergangenen Jahren mehrfach schlimme Probleme bereitet hat. Im Dezember 2003 leitete die britische Regierung eine Untersuchung gegen EDS ein, weil die Finanzbehörde im April des Jahres keine Steuern an tausende von Haushalten zurückerstatten konnten. Das von EDS betreute IT-System war Ursache dafür. Im Dezember 2003 ersetzte Capgemini den überforderten IT-Dienstleister.

Im November 2004 wurde die Beziehung zwischen EDS und der öffentlichen Hand gleich zweimal belastet. Im Department for Work and Pensions legte ein zentraler IT-Systemausfall rund 80 000 Desktops für vier Tage lahm. Ein EDS-Administrator hatte bei einem Windows-Update geschlampt. Im gleichen Monate meldete die Behörde Child Support Agency (CSA), zuständig unter anderem für Unterstützungszahlungen an Alleinerziehende, Probleme in der IT. EDS hatte dort eine IT-gestützte Vorgangsbearbeitung installiert, doch die Lösung lief selten stabil. Die Verantwortlichen überlegten, das komplette System abzuschalten.

Zwischendurch verklagte EDS die britische Regierung im März 2004 auf zehn Millionen Pfund (knapp 15 Millionen Euro) Schadensersatz. Der Anbieter unterstellte der Behörde, sie habe unberechtigterweise einen Vertrag zur Einführung eines E-Mail- und Verzeichnisdienstes vorzeitig beendet. (jha)