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EDS-Chef Jordan sucht eine Strategie

24.04.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Vor dem als Sanierer erfahrenen neuen EDS-Chef Michael Jordan liegt alles andere als eine einfache Aufgabe. Während er bei seinem früheren Arbeitgeber Westinghouse/CBS problemlos Unternehemensbereiche verkaufen und die Firma neu ausrichten konnte, ist dies beim IT-Dienstleister aus Plano, Texas, weniger einfach zu bewerkstelligen. Zwar gibt es dort mit der auf Fertigungs-Software spezialisierten Sparte sowie dem Beratungszweig A.T. Kearney zwei weitgehend eigenständige und auch profitable Bereiche, beide agieren aber alles andere als in Wachstumsmärkten und dürften darum nicht leicht Kaufinteressenten finden.

Jordan hatte in einem Interview in dieser Woche erklärt, er erwäge den Verkauf von Aktiva und weitere Maßnahmen zur Kostensenkung, um EDS wieder besser auf Kurs zu bringen. "Unser oberstes Ziel ist nun, das Kerngeschäft wiederzubeleben. Dazu gehören eine Menge Dinge, unter anderem eine Senkung der Kosten", so Jordan. Nähere Details werde er voraussichtlich bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen am 7. Mai nennen, sagte der Manager dem "Wall Street Journal".

Die Wall Street rechnet damit, dass Jordan dann auch die Prognose für das laufende Geschäftsjahr wird reduzieren müssen. Im Februar hatte EDS seine bisherige Prognose von 22 Milliarden Dollar Umsatz und 1,80 bis zwei Dollar pro Aktie Gewinn nochmals bekräftigt. 2002 hatte das Unternehmen auf Basis von 21,5 Milliarden Dollar Umsatz 246 Millionen Dollar oder 51 Cent je Anteilschein verdient. "Es wird kurzfristig drastische Maßnahmen geben müssen", schätzt Cynthia Houlton von RBC Capital Markets. Sie erwartet, dass Jordan weitere Entlassungen verordnet und die Umsatzerwartung für 2003 um mehr als zehn Prozent kürzt. Möglicherweise müsse der Wert einiger großer Abschlüsse berichtigt werden, die zu den zuletzt enttäuschenden Ergebnissen beigetragen hatte. "Das Problem ist nicht leicht zu lösen", glaubt die Expertin.

Jordan räumte ein, dass EDS seine Prognosen derzeit überprüft. Das Management habe aber noch eine Menge Arbeit vor sich, bevor es einen Aktionsplan präsentieren könne. "Wenn wir das Juni-Quartal abschließen, wird die Strategie klar sein", so der EDS-CEO (Chief Executive Officer). (tc)