Gegenentwurf von Google zu Apple iBeacon

Eddystone - das bessere Beacon-System?

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Mit Eddystone hat Google nun einen eigenen Standard für Bluetooth-Sender vorgestellt. Obwohl Eddystone erst zwei Jahre nach Apples iBeacons an den Start geht, bringt es etliche Vorteile und könnte daher schon bald die Konkurrenz überrollen und – wichtiger – den Markt ins Rollen bringen.
Einige typische Beacons
Einige typische Beacons
Foto: Estimote

Beacons (Leuchtturm, Leuchtfeuer) sind kleine, meist batteriebetriebene Sender, die ständig einen spezifischen Code via Bluetooth Low Energy (BLE) funken. Dieser wird von in der Nähe befindlichen mobilen Geräten mit Bluetooth-Unterstützung aufgefangen und in einer dazugehörigen App verarbeitet. Auf diese Weise lassen sich zahlreiche Szenarien rund um Themen wie ortsbasierte Werbung (Einzelhandel) oder Informationen (z.B. Museum), Indoor-Navigation, mobiles Bezahlen etc. realisieren.

Das Potenzial von Beacons ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft - Google will mit Eddystone nachhelfen.
Das Potenzial von Beacons ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft - Google will mit Eddystone nachhelfen.
Foto: Google

Trotz des großen Potenzials scheint die Beacon-Technologie aber bis auf einige Pilotprojekte mit klarem Marketing-Schwerpunkt zumindest in Europa nicht abzuheben. Bislang zumindest - denn nun versucht Google mit seinem Eddystone-System bestehende Defizite zu beseitigen, um so neuen Wind in den Markt zu bringen. Hier einige Punkte, weshalb Google mit einer eigenen Beacon-Plattform und Eddystone als Standard die Beacon-Technologie endlich zum Erfolg führen könnte:

1. Eddystone ist plattformunabhängig

Anders als iBeacons funktioniert Eddystone nicht nur mit iOS sondern auch mit Android sowie laut Google mit jedem Betriebssystem, das Bluetooth-LE-Beacons unterstützt. Bestimmte Features werden allerdings - zumindest zunächst - nur von Android unterstützt. Nicht ganz unproblematisch ist außerdem, dass Google als Beacons-Registrar fungiert.

2. Eddystone ist quelloffen

Um Eddystone zu einem offenen Standard für BLE-Beacons zu machen, ist der Quelltext auf GitHub unter einer Apache v2.0 Lizenz verfügbar. Entwickler sind damit in der Lage, besondere Einstellungen und Funktionen, die bislang nicht unterstützt werden, hinzuzufügen.

3. Eddystone funktioniert auch ohne App

Während iBeacons (und alle anderen Beacon-Typen) nur mit einer bestimmten App funktionieren, die auf dem Gerät installiert sein muss, geht Eddystone einen Schritt weiter. Neben den üblicherweise als Signal gesendeten Universally Unique Identifiers (UUID) kann Eddystone nämlich auch direkt URLs ausliefern. Damit können Werbeanzeigen oder Informationen im Web-Browser dargestellt werden, ohne dass die Anwender zuvor eine App zur Verwertung der Beacon-Signale installiert haben. Ein zentraler Registrar wird für die offene Eddystone-URL nicht benötigt. (Mehr Informationen dazu finden sich im Physical Web Project)

4. Eddystone bietet mehr Sicherheit und Privacy

Um trotz des öffentlich ausgestrahlten Signals Privacy und Security zu gewährleisten, nutzt Eddystone sogenannte Ephemeral Identifiers (EID), die häufig wechseln und nur von autorisierten Clients decodiert werden können. Auf diese Weise sollen Nutzer in der Lage sein, ihr aufgegebenes Fluggepäck nach der Landung schnell zu orten oder verlorene Schlüssel einfach wiederzufinden. Genauere technische Details zu EID will Google zu einem späteren Zeitpunkt bereitstellen.

5. Eddystone ist kontextspezifischer

Mit seinem Beacon-Standard verspricht Google Entwicklern zwei wichtige Vorteile: Einen besseren semantischen Kontext und eine präzisere Lokalisierung. Um diese Funktionen zu unterstützen, stehen mit Eddystone zwei neue APIs bereit: Nearby API für Android und iOS soll es für Apps einfacher machen, in der Nähe befindliche Geräte und Beacons zu finden und mit ihnen zu kommunizieren, umso einen besseren Kontext zu bieten. Die Nearby API ermöglicht dazu die Zuhilfenahme von Bluetooth, WLAN und für menschliche Ohren nicht hörbare Töne. Laut Google kommt Nearby bereits heute in einigen Produkte wie Chromecast Guest Mode, Nearby Players Google Play Games und der Chrome-Erweiterung Google Tone zum Einsatz.

Die Proximity Beacon API (mehr dazu später) wiederum erlaubt es Entwicklern, einen mit Längen- und Breitengrad definierten Ort und darauf bezogene Daten mit Beacons zu assoziieren.

6. Eddystone-Beacons lassen sich einfacher verwalten

Auch den Betreibern von größeren Beacon-Flotten stellt Google einige Funktionen zum Management und Absichern bereit - Themen, die bei Apples iBeacon zu kurz kommen. So erlaubt es die Proximity Beacon API als Teil der BLE-Beacon Plattform, die mit den Beacons assoziierten Daten über ein REST-Interface zu verwalten. Die Schnittstelle beinhaltet auch gewisse Monitoring-Features, um festzustellen, ob alle Sender korrekt funktionieren. Bei Beacons, die Eddystones Telemetry Frame (Eddystone-TLM) unterstützen, lassen sich auf diese Weise auch Akkuzustand und Position überwachen - typische logistische Probleme bei kostengünstiger Beacon-Hardware.

Wie Google Beacons nutzt

Laut Google lässt sich der Eddystone-Support bei bestehenden Bluetooth-Beacons über ein einfaches Firmware-Upgrade nachrüsten, Eddystone-taugliche Hardware findet sich bereits bei den Herstellern BKON, Bluvision, Estimote, Kontakt.io, Radius Networks und Signal 360.

The Next Now! - Foto: shutterstock.com - SFIO CRACHO

The Next Now!

Um mit gutem Beispiel voranzugehen, will der Internet-Riese selbst Eddystone-Beacons einsetzen. Die Sender dienen etwa als Unterstützung von Google Maps in Portland, um Nutzern an spezifischen Stationen Transitinformationen in Echtzeit zu präsentieren. In Kürze soll außerdem Google Now dank Beacons in der Lage sein, Anwendern dank kontextspezifischer Informationen die relevantesten Karten bereitzustellen. Ein passendes Szenario ist laut Google etwa, dass der User in einem Restaurant gleich passende Menüvorschläge präsentiert bekommt.