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Echtzeit-Java erfordert neues Design

12.04.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bis Ende dieses Monats will Sun eine Spezifikation von Java für Echtzeit-Anwendungen fertigstellen. Um der Anforderung, auf eine Aktion in vorgegebener Zeit eine Reaktion zu erhalten, gerecht zu werden, muss der Hersteller aber teilweise weitreichende Eingriffe in das Java-Konzept vornehmen. So wird das Konzept des Garbage Collectors verworfen. Diese Funktion sammelt in regelmäßigen Abständen ungenutzten Speicherplatz ein und stellt ihn wieder für andere Prozesse zur Verfügung. Während dieser Aufräumarbeiten ruhen aber andere Prozesse - was in einer Echtzeitumgebung unakzeptabel ist. Allerdings können Programmierer den Garbage Collector einsetzen, wenn ihre Systemanforderungen das zulassen.

Eine zweite Änderung betrifft den Speicherzugriff. Echtzeit-Java wird einen direkten physikalischen Zugriff auf den Hauptspeicher ermöglichen. Damit wird zwar die Performance erhöht, allerdings stellt dies eine Abkehr vom Sandbox-Prinzip dar - einem wichtigen Sicherheitsfeature. Der direkte Speicherzugriff wird nämlich nicht mehr von der Java-Ausführungsumgebung kontrolliert, so dass ein Programm andere Anwendungen stören oder beschädigen kann. Java-Erfinder James Gosling beschreibt daher die neuen Spezifikationen mit den Worten "write carefully, run anywhere conditionally" - eine Abwandlung des Marketing-Spruchs "write once, run anywhere".