CW-Kolumne

E-Bikes statt Autos

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Stellen Sie sich vor, Sie kommen in Ihre Autowerkstatt, und man teilt Ihnen mit, dass man Ihr Auto nicht mehr reparieren wird.

Es ist - gewissermaßen - aus der Wartung gefallen. Sollten Sie in Ihrem Unternehmen allerdings eine ganze Flotte betagter Fahrzeuge zu verantworten haben, könnte man gegen einen kräftigen Aufpreis noch einmal über alles reden. Allerdings würden auch dann nur Motor- und Getriebeschäden repariert, den Kotflügel müssten Sie schon selbst ausbeulen.

Geschafft von diesem Erlebnis kommen Sie nach Hause, und das Telefon klingelt. Am Apparat ist ein alter Freund, bekennender Autonarr, der Ihnen nachdrücklich empfiehlt, Ihr Fahrzeug endlich in die Schrottpresse zu geben. Ihr Freund appelliert an Sie, weil der Autohersteller ihn kurz vorher angerufen hat.

Heinrich Vaske, Chefredakteur CW
Heinrich Vaske, Chefredakteur CW

So oder ähnlich dürften sich derzeit die noch verbliebenen Windows-XP-Nutzer fühlen, deren Support am 8. April 2014 endet. Das sind nicht wenige: Laut netmarketshare.com laufen 29,2 Prozent aller Desktops noch mit Windows XP.

Unsere kleine Geschichte ist aber noch nicht fertig. Sie haben sich schweren Herzens durchgerungen, ein neues Auto zu kaufen, aber jetzt müssen Sie feststellen, dass es nur ein Modell gibt: ein Hybridfahrzeug, mit dem Sie fremdeln. Bis vor Kurzem hätte es auch noch einen soliden Diesel gegeben, doch den hat der Hersteller abgekündigt, um das Geschäft mit dem Hybriden anzukurbeln.

Die Parallelen zu Windows 8 und Windows 7 müssen wir nicht näher erläutern. Stattdessen machen wir es noch etwas komplizierter. Sie bekommen jetzt nämlich unerwartet doch noch den Diesel, allerdings nicht von Ihrem Autolieferanten, sondern von einem Zulieferer, nennen wir ihn Continental - oder Hewlett-Packard.

So oder so ähnlich sieht es derzeit im Windows-Lager aus, liebe Leser. Microsoft verhält sich, als sei die PC-Welt noch in Ordnung. Das ist sie aber nicht. Die Kunden steigen um auf die Öffentlichen, auf Fahrräder und auf E-Bikes. Ob Microsoft das merkt?