SaaS

Durchgängige Lieferkette als Softwareservice

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Seeburger und Supply-On integrieren ihre B-to-B-Plattformen und bieten die Lösung im SaaS-Modus an.

Auf Einzelprojektbasis haben sie schon mehrfach zusammengearbeitet. Zudem nutzt der Online-Beschaffungsspezialist Supply On aus Hallbergmoos bei München selbst die Integrationstechnik der Seeburger AG mit Sitz im badischen Bretten. Jetzt wollen die beiden Software- und Serviceanbieter den Markt für Lieferanten- und Abnehmer-Management-Software neu erfinden: Im Angebot haben sie eine vorkonfigurierte Lösung, die beide Seiten der Lieferkette abdeckt und als Service bereitgestellt werden soll.

Erfahrungen im SaaS-Umfeld

Die SaaS-Lösung deckt beide Seiten der Lieferkette ab.
Die SaaS-Lösung deckt beide Seiten der Lieferkette ab.
Foto: Pixelio/Gabi Schoenemann

Supply On ist einer der Pioniere auf dem SaaS-Gelände (Software as a Service). Das Unternehmen betreibt seit sieben Jahren den gleichnamigen Online-Marktplatz, der sich mittlerweile als Standardplattform für die Automobil-Zulieferindustrie durchgesetzt hat. Zu seinen Kunden zählt es mehr als ein Dutzend Zulieferer der ersten Ebene ("Hubs" oder "Tier-One-Supplier"), darunter Bosch, Continental, Hella und die Schaeffler-Gruppe, aber auch zahlreiche kleinere Lieferanten der unteren Ebenen, die auf diesem Weg Handelsnachrichten mit ihren Abnehmern austauschen können, ohne selbst in eine EDI-Umgebung (Electronic Data Interchange) zu investieren.

Seeburger wendet sich nicht nur, aber auch an die großen Automobilzulieferer, die in Sachen Lieferabrufe unterschiedlichen Herstellervorgaben genügen müssen. Ihnen ermöglicht es der Softwareanbieter, ihre Daten auf die jeweils geforderten Formate, beispielsweise Edifact, Odette oder VDA, zu "mappen". Auch Seeburger hat sich bereits mit dem SaaS-Thema beschäftigt. Das Unternehmen bietet seine Integrationssoftware seit einiger Zeit nicht zur zum Kauf, sondern auch zur Miete an. Sein Vorzeigekunde für diesen Managed Service im Sieben-mal-24-Stunden-Betrieb ist der Autoelektronikexperte Yazaki.

Hohe Bestände durch alte Technik

Mit ihrem neuen Service offerieren Seeburger und Supply On den Zulieferern im Automotive-Markt ein auf Web-EDI basierendes Lösungsbündel für die Kommunikation in beide Richtungen der Supply Chain, also mit den Lieferanten wie den Abnehmern. Während die Kommunikation zwischen den großen Zulieferern und dem jeweiligen Automobilhersteller (im Fachjargon "Original Equipment Manufacturer" oder "OEM" genannt) sehr strengen Regeln folgt, wird die Anbindung der Unterlieferanten offenbar eher schlampig gehandhabt. "Es gibt tatsächlich viele Tier-One-Zulieferer, die ein nachlässiges Lieferanten-Management betreiben", sagt Axel Haas, Chief Operating Officer (COO) und Vorstandsmitglied der Seeburger AG, "die haben zum Teil nur zehn Prozent der Partner über EDI angebunden." Lieferabrufe erfolgten häufig schriftlich, bevorzugt via Fax. Das führe zu Zeitverzögerungen, die nur über höhere Sicherheitsbestände abgefangen werden könnten.

Flatrate für kleine Zulieferer

Aus diesem Grund könnten vor allem die großen Zulieferer bares Geld sparen, wenn sie die Kommunikation mit ihren Lieferanten standardisieren und beschleunigen, rechnet Haas vor: Ein durchschnittlicher Hub habe 300 bis 500 Lieferanten. Wenn er mit jedem von ihnen 10 000 Euro pro Jahr an Beständen einsparen könne, komme schnell eine siebenstellige Summe zusammen.

Aber auch für die kleinen Lieferfirmen biete das Serviceangebot Vorteile, beteuert Markus Quicken, Vorstandsmitglied der Supply On AG. In ihrem Interesse liege es, mit einer einzigen Lösung möglichst viele Abnehmer bedienen zu können. Außerdem könnten sie dank der Online-Plattform und der Seeburger-Software einen Teil ihrer Kapazität direkt an die OEMs verkaufen, ohne deren individuelle Kommunikationslösungen installieren zu müssen. Dazu bräuchten sie nur einen Internet-Anschluss, einen Browser und 35 Euro pro Monat. Mit diesem Betrag schlage die Flatrate für eine Einzelverbindung zu Buche - unabhängig vom Standort und der Anzahl der Nutzer.

Nur das ERP-System ist noch anzubinden

Die großen Zulieferer mit ihren Hunderten von Partnerunternehmen kommt der Service selbstverständlich teurer zu stehen. Aus diesem weltweit 100 bis 200 Unternehmen zählenden Industriebereich rekrutieren sich die ersten Ansprechpartner für den neuen Service. Sie dürften monatlich eine vierstellige Euro-Summe dafür aufwenden, schätzen Haas und Quicken. Aber für sie lohne sich das SaaS-Modell schon deshalb, weil sie sich damit ein großes Integrationsprojekt ersparen könnten, gibt Haas zu bedenken. Nur die Verbindung des hauseigenen ERP-Systems mit der standardisierten Serviceschnittstelle müsse für jeden Geschäftsprozess einzeln hergestellt werden.

Auf einen weiteren Vorteil der gemeinsamen Lösung weist Quicken hin: Der Kunde habe nur noch einen Ansprechpartner auf der Dienstleistungsseite. Ob er Seeburger oder Supply On als Partner für den Servicekontrakt wähle, bleibe ihm selbst überlassen: Preise, Service-Levels und Hotline seien in jedem Fall identisch, die Verantwortung für das Gesamtpaket liege ohne Wenn und Aber beim Vertragnehmer.