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Dubiose Beziehungen zwischen Worldcom und Citigroup

14.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Privatklage einer geschädigten Pensionskasse wirft ein neues Licht auf die Beziehungen zwischen dem früheren Worldcom-Chef Bernard Ebbers und der Citigroup, berichtet das "Wall Street Journal". So soll die von Ebbers gehaltene Firma Joshua Timberlands von der Citigroup-Tochter Travelers Insurance ein Darlehen über 679 Millionen Dollar erhalten haben. Außerdem wird der Topmanager beschuldigt, mit Hilfe vergünstigter Zuteilungen bei Erstemissionen von Salomon Smith Barney, der Investment-Bank-Sparte von Citigroup, Gewinne in Millionenhöhe erzielt zu haben (Computerwoche online berichtete). Ebbers soll sich dafür mit lukrativen Investment-Aufträgen von Worldcom revanchiert haben. Dies behauptet zumindest die Pensionskasse des Bundesstaats New York. Sie hatte über 300 Millionen Dollar in Worldcom-Aktien investiert. Nachdem

der US-Carrier Worldcom Ende Juli wegen Falschbuchungen in Milliardenhöhe Gläubigerschutz beantragt hatte, sind die Anteilscheine praktisch wertlos. Die Rentenkasse verklagte daher gleich eine ganze Gruppe auf Schadensersatz: die Citigroup, den früheren Salomon-Analysten Jack Grubman, die ehemalige Buchprüfungsgesellschaft des Carriers, Arthur Andersen, sowie Ebbers und andere Worldcom-Manager und -Unterzeichner.

In der Anklageschrift wurden zwar keine Details über die Verbindung der Citigroup und Worldcom genannt. Die Kläger beschuldigen jedoch die Citigroup-Analysten, sie hätten die Worldcom-Aktie trotz Kenntnis der Probleme bei dem TK-Konzern überaus positiv bewertet. Ziel sei es gewesen, die finanzielle Situation von Ebbers nicht zu belasten und damit die Rückzahlung des privaten Kredits zu ermöglichen. Wie aus dem Schreiben weiter hervorgehen soll, hatte Worldcom einige Monate nach der Kreditaufnahme Salomon zum führenden Zeichner bei der Ausgabe einer Anleihe über fünf Milliarden Dollar im Jahr 2000 bestimmt, 2001 folgte eine weitere Schuldverschreibung über zwölf Milliarden Dollar. (mb)