Dual-Core-CPUs verteuern Software

Ludger Schmitz ist freiberuflicher IT-Journalist in Kelheim. Er ist spezialisiert auf Open Source und neue Open-Initiativen.
Bevor sich Anwender Rechner mit den neuen Dual-Core-Prozessoren von Intel und AMD kaufen, sollten sie ihre Softwarelieferanten nach den Folgen für die Lizenzkosten fragen. Die Preise könnten durch die Decke gehen.

Hier lesen Sie ...

  • welche Auswirkungen Dual-Core-Prozessoren auf die Lizenzkosten haben;

  • wie unterschiedlich die Softwareanbieter die neuen CPU-Typen bewerten;

  • wo Lizenzpolitik zum Marketing-Instrument wird;

  • wie Lizenzinteressen neue Techniken und IT-Verfahren behindern.

Am 18. April hat Intel seinen ersten Prozessor mit zwei Rechenkernen vorgestellt, drei Tage später folgte AMD. Gleichzeitig kündigten Hersteller entsprechend ausgestattete Desktops und Server an. Es sollte keine Woche dauern, bis der Gartner-Analyst Martin Reynolds eine Warnung herausgab: "Stellen Sie sicher, dass zusätzliche Prozessor-Cores keine Lizenzrisiken mit sich bringen." In der Tat betrachten die Softwarehersteller die neuen CPUs alles andere als einheitlich. Die Sichtweise einiger Anbieter kann für die Anwender zu wesentlich höheren Nutzungskosten führen.

Für Aufsehen hat Oracle gesorgt: "Gegenwärtig behandelt Oracles prozessorbasierende Lizenzpolitik für Multi-Core-Chips einen Rechenkern als einen Prozessor", erklärt Jacqueline Woods, Vice President of Global Pricing and Licensing Strategy. Wer also ein Oracle-Produkt von einer Single- auf eine Dual-Core-Maschine überführt, braucht zwei Lizenzen und zahlt entsprechend mehr. Oracle bietet allerdings auch andere Optionen wie die Berechnung nach Anzahl der User oder Mitarbeiter an, die in diesem Fall günstiger sein könnten. Der Datenbankanbieter steckt in einer prekären Situation: Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit den Kunden hat der Anbieter sein kompliziertes System zur Einstufung von Rechnern in Leistungsklassen fallen gelassen. Nun beschwört die CPU-Zählerei die nächsten Probleme herauf.

Eine ganz andere Beurteilung der neuen Chips vertritt Microsoft schon seit Herbst letzten Jahres. "Es ist für uns unerheblich, ob ein Prozessor einen oder zwei Cores hat", stellt Pressesprecher Frank Mihm-Gebauer fest. "Für uns ist es ein Prozessor, und der braucht nur eine Lizenz." Wenn aber die technische Entwicklung bei CPUs mit vier oder mehr Rechenkernen angekommen ist, könnte auch Microsoft veranlasst sein, das Lizenzmodell zu überdenken.

IBM folgt Microsoft-Beispiel