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Droht das Aus für kostenlosen VoIP-Verkehr?

30.03.2006
Erste Netzbetreiber schränken VoIP-Traffic ein.

Den klassischen Telecom-Anbietern war die kostenlose Internet-Telefonie schon immer ein Dorn im Auge, erodiert sie doch ihre Umsätze im Sprachgeschäft. Zunehmend entpuppt sich VoIP aber auch für Internet-Provider zu einem Problem: Gemeinsam mit den populären P2P-Filesharing-Diensten sorgen sie für einen schnellen Anstieg des IP-Datenverkehrs, der so in den Investitionsplänen der Provider nicht vorgesehen war. Oder anders formuliert: Ihnen fehlt das Geld, um ihre Netze entsprechend aufzurüsten.

Erste Provider berechnen deshalb ihren Kunden bereits einen Aufschlag, wenn diese störungsfrei via Internet telefonieren wollen. "Der kanadische Provider Shawcable", so berichtet Peder Jungck, Gründer und CTO von CloudShield Technologies, "verlangt von ihren Kunden zehn Dollar extra, wenn sie VoIP-Dienste wie Skype nutzen wollen".

Andere dagegen reduzieren laut Jungck, dessen Unternehmen Geräte zur Analyse des IP-Verkehrs vermarktet, die Bandbreite für die entsprechenden VoIP-Dienste. Dabei gehen die Provider mittlerweile subtiler vor als zu Beginn der P2P-Ära, als einige Internet-Anbieter einfach die entsprechenden Ports sperrten und damit den kompletten P2P-Verkehr lahm legten. "Sie analysieren den Datenverkehr anhand von Mustern, was selbst bei verschlüsselten Diensten wie Skype funktioniert", plaudert der CloudShield-Gründer aus dem Nähkästchen. Würde auf diese Weise etwa einer der Skype-Supernodes identifiziert, so genüge es, den Verkehr zu diesem zu beschränken, um das eigene Netz drastisch zu entlasten, da diese als Aggregatoren den Verkehr einzelner Skype-Benutzer bündeln und weiterleiten. Ein Ansatz, der laut Jungck bereits praktiziert wird. Konkrete Namen von Providern wollte er allerdings nicht nennen.

Langfristig, glaubt Jungck, wird die Entwicklung im Internet sowieso hin zu verschiedenen Serviceklassen gehen: "Es wird dann noch immer das kostenlose Internet von heute geben, aber ohne vernünftige Bandbreiten oder Quality of Services". Wer mehr will, muss dann, ähnlich wie bei den MPLS-Netzen für Business-Kunden, eine höhere, kostenpflichtige Serviceklasse buchen, um weiter via Internet telefonieren zu können. Eine Meinung, mit der Jungck nicht alleine ist. Sie ist in letzter Zeit häufiger in Gesprächen mit Branchenexperten zu hören. (hi)