Anti-UAV-Technologien

Drohnenabwehr leicht gemacht?

09.12.2016
Von  und Mike Elgan
Florian beschäftigt sich mit dem Themenbereich IT-Security und schreibt über reichweitenstarke und populäre IT-Themen an der Schnittstelle zu B2C. Daneben ist er für den Facebook- und LinkedIn-Auftritt der COMPUTERWOCHE zuständig.
Kamerabestückte Drohnen erobern den Consumer-Luftraum. Das schmeckt nicht jedem: Die Anti-Drohnen-Bewegung formiert sich - und rüstet auf.

Eine ganze Anti-Drohnen-Industrie schießt derzeit aus dem Boden, die neue Technologien zur UAV (unmanned aerial vehicle)-Abwehr entwickeln. Diese neuen Werkzeuge sollen Drohnen aufspüren, verfolgen, identifizieren, abschalten oder sogar hacken, beziehungsweise hijacken - während des Flugs wohlgemerkt. Der aufkeimende Geschäftsbereich ist dennoch nicht einfach so vom Himmel gefallen: Wie viele unserer Lieblings-Gadgets, sind auch die Anti-Drohnen-Devices lediglich Verbraucher-Versionen von professionellen, militärischen oder industriellen Gerätschaften.

Rüstungsindustrie entwickelt Maßnahmen zur UAV-Abwehr

Die großen Player der Rüstungsindustrie werkeln entsprechend bereits seit einigen Jahren an diversen Anti-Drohnen-Lösungen. Und dabei scheuen die Schwergewichte Boeing, Lockheed Martin, Raytheon, Thales Group, Israel Aerospace Industries und die United Instrument Manufacturing Company aus Russland weder Kosten noch Mühen. Derzeit befindet sich etwa ein riesiger EMP (electromagnetic pulse)-Phaser von Raytheon in der Testphase, der einen ganzen Drohnen-Schwarm auf Knopfdruck unbrauchbar machen soll. Im Grunde handelt es sich dabei um einen High-Power-Mikrowellen-Sender, der auf einen Schiffscontainer montiert wurde. Das ist genau das Richtige, um Militär-Drohnen vom Himmel zu holen. Doch Terroristen, Kriminelle, Spione und Hacker setzen immer mehr auf kleine, leichte Consumer- oder DIY-Drohnen, um ihre Ziele zu erreichen. So beklagen Gefängnisse auf der ganzen Welt ein sich intensivierendes Drohnen-Problem: Die UAVs (unmanned aerial vehicles) werden zunehmend für den Schmuggel von Drogen, Waffen und Smartphones missbraucht. Auch an Flughäfen kommt es immer wieder zu Zwischenfällen mit Drohnen - betroffen waren 2016 unter anderem Dubai und München.

Zukunftsszenario Consumer-Drohnenkrieg?
Zukunftsszenario Consumer-Drohnenkrieg?
Foto: leolintang - shutterstock.com

Dabei ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht: Drohnen können in vielen weiteren Situationen für Gefahr und ungewollte Zwischenfälle sorgen: Etwa bei großen Veranstaltungen, die sie verbotenerweise überfliegen oder wenn sie von Gaffern bei Naturkatastrophen oder Unfällen missbraucht werden und Rettungskräfte (zum Beispiel Hubschrauber) behindern.

Ob die aggressive Bekämpfung von Drohnen und UAVs der richtige Weg zur Lösung des Problems ist, sei einfach mal dahingestellt. Auch rechtliche Bestimmungen und Gegebenheiten sollten an dieser Stelle ausgeblendet werden. Wir wollen Ihnen lediglich zeigen, welche Strategien und Ansätze die Anti-Drohnen-Industrie verfolgt.

Drohnen abschießen mit "Spaceguns"

Riesige Langwaffen die auf den ersten Blick auch direkt aus "Alien", "Predator" oder einem anderen kampfintensiven Sci-Fi-Blockbuster stammen könnten, bilden den ersten Ansatz zur Drohnenabwehr. Die "Spaceguns" sondern ein fokussiertes Störsignal ab, dass die Verbindung zwischen der Drohne und ihrer Fernbedienung kappt. Das hat - je nach UAV - entweder eine Landung oder den Rückflug zum Startpunkt zur Folge.

Die neueste Anti-Drohnen-Waffe kommt von DroneShield - eine Alternative dazu bietet beispielsweise Bettelle mit dem DroneDefender. Da der Einsatz und Erwerb von Störsendern Privatpersonen nicht nur in den USA, sondern auch in der EU verboten ist, können derzeit lediglich Regierungsbehörden solche Anti-Drohnen-Gewehre straffrei einsetzen. Auf das Störsender-Prinzip setzen übrigens auch viele andere Devices, die nicht wie ein futuristischer Flammenwerfer aussehen.

Ein Beispiel ist das DroneTracker-System des deutschen Start-Ups Dedrone, das ebenfalls die Verbindung zwischen UAV und Fernbedienung stört, das aber auch mit Hilfe von Laser-Technologie erledigen kann. Zudem soll das Drohnen-Abwehrsystem auch im Stande sein, die Kameras von UAVs ganz gezielt unbrauchbar zu machen.

Drohnen abwehren mit der "Käscher"-Taktik

Wie fängt man Drohnen "old school"? Richtig - mit einem Netz. Auch für diesen Ansatz gibt es Devices, die Waffennarren ein Lächeln ins Gesicht zaubern dürften. Zum Beispiel die Skywall 100: Eine Bazooka, die Drohnen auf eine Entfernung von knapp 100 Metern "zur Räson bringt".

Die Zielerfassung übernimmt dabei ein Computersystem, das ähnlich funktioniert wie in einem Videospiel: Sobald das grüne Licht leuchtet, ist es Zeit für die "Feuer"-Taste. Anschließend entflieht der Bazooka ein kleiner Container, der vor dem Kontakt explodiert, ein Netz über die Drohne wirft und sie mit Hilfe eines integrierten Fallschirms sanft zu Boden gleiten lässt.

Auch bei Theiss UAV setzt man auf die "Käscher"-Taktik - allerdings nicht unter Einsatz einer Bazooka, sondern einer eigenen "Fänger"-Drohne:

Drohnen hacken über Wi-Fi

Ein weiterer Ansatz zur Abwehr von ungewollten Drohnen und UAVs: Hacking. Das Security-Start-Up Pwnie Express (ja, die heißen wirklich so) hat nach eigenen Angaben die weltweit erste Malware für Drohnen entwickelt. Maldrone, so der Name des UAV-Schadcodes, nutzt Wi-Fi, um andere Drohnen zu infizieren. Anschließend kann beispielsweise der Autopilot deaktiviert werden, so dass die Drohne schlicht vom Himmel fällt.

Auch Department 13 - ein Unternehmen das unter anderem von der DARPA finanziert wird - setzt auf Drohnen-Hacking. Dabei wird Schadcode in die Kommunikation zwischen Drohne und Fernbedienung eingeschleust. Verläuft der Angriff erfolgreich, kann das System die vollständige Kontrolle über das UAV erlangen.

Um Drohnen oder UAVs zu hacken, braucht man allerdings nicht notwendigerweise teures Hightech-Equipment. Wie das "Make:"-Magazin zeigt, ist dazu lediglich ein Raspberry Pi und etwas Geschick nötig ist.

Drohnenkrieg-Szenarios

Die hier gezeigten Technologien sind derzeit ausschließlich für den professionellen Einsatz gedacht. Wie bereits erwähnt sind diesem durch rechtliche Bestimmungen enge Grenzen gesetzt. Einige Anti-Drohnen-Gadgets könnten jedoch durchaus auch im Consumer-Bereich Einzug halten, falls entsprechende gesetzliche Regelungen in der Zukunft geschaffen werden sollten. Erste Apps aus dem Anti-Drohnen-Bereich sind bereits verfügbar - etwa DroneWatcher oder DroneDetector. Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis die ersten Produkte zur Drohnenabwehr für Verbraucher verfügbar werden.

Die vielversprechendsten Produkte in diesem Bereich dürften allerdings wiederum von Drohnen-Herstellern kommen - eventuell wird die Fähigkeit, andere Drohnen abzuwehren auch zu einem neuen "Key-Feature" bei den trendigen UAVs. Das könnte letztendlich dazu führen, dass "Drohnen jagen" zu einem ernstzunehmenden Trend wird - ähnlich wie Pokémon Go, nur etwas destruktiver. Die Reality-TV-Schmieden dieser Welt dürften ohnehin längst Konzepte für Shows wie "Drohnenjäger im Einsatz" in den Schubladen haben.

Und wenn alle Stricke reißen und die Drohnen kurz vor der Übernahme der Weltherrschaft stehen, bietet auch die Natur noch gute Mittel, um der Bedrohung durch Drohnen und UAVs Herr zu werden, wie unlängst Security-Forscher in den Niederlanden gezeigt haben: Sie trainieren Greifvögel auf die Abwehr der Flugobjekte.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag unserer US-Schwesterpublikation computerworld.com.