Drei Tage arbeiten, drei Tage studieren

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Hochschule und Großbanken arbeiten in Frankfurt am Main Hand und Hand. Sie bilden Wirtschaftsinformatiker aus, die in der IT und der Geldwirtschaft zuhause sind.

Ein lockeres Studentenleben hat Michael Barrios bisher noch nicht kennen gelernt: Drei Tage die Woche programmiert er in der Dresdner Bank, drei Tage studiert er an der Business School of Finance in Management (HfB) Wirtschaftsinformatik, samstags inklusive. Das vergleichsweise teure Studium an der privaten Hochschule, das 4700 Euro pro Semester kostet, kann sich der 25-Jährige nur leisten, weil er arbeitet und zudem sein Arbeitgeber bis zu 50 Prozent der Studiengebühren übernimmt.

IT-Ausbildung verkürzt sich auf zwei Jahre

Die Kombination aus Studium und Arbeiten ist nicht aus der Not geboren, sondern entspricht der Philosophie der HfB in Frankfurt am Main: Wer sich zum Beispiel für den Bachelor-Studiengang Wirtschaftsinformatik entscheidet, kann vom ersten Tag an parallel eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolvieren, falls er diese schon abgeschlossen hat, in Teilzeit arbeiten. Die Studenten müssen zwar nicht mehr in die Berufsschule, sondern bekommen das Ausbildungswissen in Zusatzkursen an der Hochschule vermittelt. Nach vier Semestern beenden sie ihre Ausbildung und arbeiten Teilzeit bis zum Examen weiter.

Barrios hatte seine Ausbildung zum Fachinformatiker schon abgeschlossen, bevor er sich für das Studium an der HfB entschied. Die Dresdner Bank ist heute wie damals sein Arbeitgeber, und doch hat er das Gefühl, als habe sich vieles geändert: "Während der Lehre drehte sich alles um das IT-Wissen. Erst durch das Studium wurde mir klar, welche betriebs- und volkswirtschaftlichen Aufgaben eine Bank hat. Man erkennt und versteht die Zusammenhänge."

Diesen Aha-Effekt erwartet auch die Deutsche Bank, die mit anderen deutschen Großbanken die HfB einst gründete, von ihren IT-Mitarbeitern. Horst Stein, der bei der Deutschen Bank für die IT-Ausbildung der HfB-Studenten zuständig ist, umschreibt dies so: "Unsere IT-Profis müssen nicht nur zwischen IT und Business vermitteln, sondern auch IT-Leistungen einkaufen sowie Dienstleister beurteilen können." Aufgaben an den Schnittstellen fallen verstärkt an, seit die Deutsche Bank ihr Netzwerk an T-Systems, ihr Rechenzentrum an die IBM und die Betreuung der Arbeitsplatzrechner an die Siemens-Tochter Sinius ausgelagert hat.

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