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Doppelte Müll-Abfuhr für SAP in den USA

09.06.1999
Allied Waste und Waste Management stoppen R/3-Projekte

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Eine böse Schlappe muß die Walldorfer SAP dieser Tage in den USA verschmerzen: Mit Allied Waste Industries Inc. und Waste Management Inc. haben nach Meldungen des "Wall Street Journal" gleich die beiden größten Müllentsorger der Vereinigten Staaten voluminöse Projekte zur Einführung der betriebswirtschaftlichen Standardsoftware R/3 gestoppt.

Allied Waste steht kurz vor der milliardenschweren Übernahme des Konkurrenten Browning-Ferris-Industries aus Houston, Texas. Die dort auf einem brandneuen 130-Millionen-Dollar-System installierte R/3-Software wird sofort nach Abschluß der Fusion abgeschaltet. Allied Waste hält die SAP-Software für zu kompliziert und zu teuer. "Wir ziehen den Stecker raus", droht Thomas VanWeelden, in Personalunion Chief Executive Officer (CEO), President und Chairman. "SAP erwartet, daß man sein Geschäft so organisiert wie deren Software arbeitet - und nicht umgekehrt."

Waste Management hat bereits rund 45 Millionen Dollar von geplanten 250 in seine SAP-Einführung gesteckt und sein Projekt nun eingestellt. Weitere 150 Millionen Dollar hatte das Unternehmen ursprünglich in einem zweiten Schritt in den Ausbau der Hardware stecken wollen, auf der die ERP-Software (Enterprise Resource Planning) laufen sollte. "Gottseidank haben wir uns dieses Geld gespart", zeigte sich Michael Patton, IT-Manager bei Waste Management erleichtert.

Kevin McKay, Statthalter der SAP in den USA, schert das nicht weiter. "Ich bin sicher, sie kommen zurück", erklärte der President zuversichtlich und verwies auf die rund 5000 SAP-Installationen allein in den USA. McKay räumte ein, viele Unternehmen müßten in der Tat mit der Einführung von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware ihre Geschäftsprozesse umbauen. Aber das sei schließlich genau der Sinn der Sache, denn anschließend laufe das Geschäft effektiver. Die finanziellen Einbußen der beiden eingestellten Großprojekte halten sich in erträglichem Rahmen: Von den beiden Aussteigern hatte SAP America bislang rund 20 Millionen Dollar für Softwarelizenzen erhalten. Die restlichen Kosten entfielen auf Berater und Hardware-Anschaffungen. Für Browning-Ferris hatte die SAP übrigens selbst einen Teil der Beratungstätigkeit geleistet, Waste Management nutzte externe Dienstleister.