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Doppelschlag der Internet-Justiz

11.08.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Internet-Justiz schlug in den USA gleich zweimal zu: Ein US-Richter hat den ehemaligen Walt-Disney-Manager Patrick "Naughty" Naughton wegen versuchten Sex mit einer Minderjährigen zu neun Monaten Hausarrest mit permanenter elektronischer Überwachung verurteilt. Außerdem wurde dem 35-Jährigen eine Geldbuße von 20 000 Dollar sowie eine Bewährungsstrafe von fünf Jahren aufgebrummt. Erst vor einem halben Jahr hatte ein Bundesgericht die eigene Haftverfügung aufgehoben und ihn für eine Kaution von 100 000 Dollar auf freien Fuß gesetzt. Naughton ist im September vergangenen Jahres FBI-Fahndern bei einer verdeckten Aktion ins Netz gegangen. Eine Agentin der US-Bundespolizei hatte sich in einem Online-Chat mit Naughton als 13-jähriges Mädchen ausgegeben. Als er sich mit ihr treffen wollte, wurde er festgenommen.

In einem weiteren Richterspruch ist der Betreiber einer Internet-Seite für Sportwetten von einem US-Bezirksgericht schuldig gesprochen worden. Der Mitinhaber des Online-Wettbüros World Sports Exchange auf der Karibikinsel Antigua, Jay Cohen, hatte entgegen US-Recht Telefonleitungen für Glücksspiele über Bundes- oder bundesstaatliche Grenzen hinweg genutzt. Cohen wurde zu einer Haftstrafe von 21 Monaten sowie einer Geldstrafe von 5000 Dollar verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde das Plädoyer von Cohens Anwalt berücksichtigt. Dieser konnte den Richtern glaubhaft machen, sein Mandant wäre bei der Eröffnung des Online-Wettbüros davon ausgegangen, gesetzmäßig zu handeln.