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Domain-Verwaltung Icann und Verisign unter Beschuss

30.11.2005
Mehrere Organisationen gehen gerichtlich gegen einen Deal zwischen der Icann und Verisign vor. Sie stört es, dass Verisign bis 2012 die Verwaltung der .com-Domain behalten soll.

Die Schlund + Partner AG, ein Internet-Service-Provider und Registrar, lehnt den Vertragsentwurf zwischen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann) und Verisign ab. Man fürchtet großen Schaden für die Gemeinschaft der Internet-Nutzer weltweit.

Stein des Anstoßes ist, dass Verisign das Recht hat, die jährlichen Gebühren für .com-Adressen ohne Begründung um sieben Prozent anzuheben. Der noch laufende Vertrag zwischen Verisign und Icann sieht jedoch nur eine Preiserhöhung bei gestiegenen Kosten vor. Die Vereinbarung soll einen langen Streit zwischen Verisign und der Domain-Verwaltung um neue Internet-Dienste beenden (siehe Icann und Verisign einigen sich).

Registrierungsfirmen wie Schlund + Partner tragen im Kundenauftrag Web-Adressen unter anderem mit der Endung .com ein. Sie sind dabei auf den Betreiber der Domain-Datenbank, im Falle von .com Verisign, angewiesen und führen für die Eintragung Gebühren ab.

Der deutsche Provider ist nicht allein: 30 Registrare haben ein Memorandum gegen den Vertragsentwurf unterzeichnet. Darin fordern sie Änderungen ein. Ferner wollen sie, dass Icann die Entwürfe eingehend prüft und einer öffentlichen Anhörung stellt. Bisher hätte die Internet-Öffentlichkeit immer die Möglichkeit gehabt, zu Entscheidungsvorlagen Stellung zu beziehen.

In Amerika ist der Unmut noch größer: Die gerade erst gegründete Vereinigung "Coalition for Icann Transparency" (CFIT) läuft gegen die Vereinbarung zwischen Icann und Versign Sturm. Unter Berufung auf das Kartellrecht reichte die Organisation Klage vor einem Gerichat in San Jose ein.

Zu den Mitgliedern der CFIT zählt die "World Association of Domain Name Developers" (WADND), in der amerikanische Internet-Firmen organisiert sind. Mit dabei ist ferner das US-amerikanische Unternehmen Pool.com, eine Firma die Wartelisten für auslaufende Domain-Namen betreibt. Kunden können sich dort registrieren und darauf hoffen, dass eine bestimmte Domain vom Inhaber freigegeben wird. Pool.com ist schon deshalb nicht gut auf Verisign zu sprechen, weil diese mit dem geplanten "Central Listing Service" (CLS) , der früher als "Waiting List Service" bekannt war, quasi das gleiche vorhat.

Verisign entgegnet der CFIT-Attacke: "Die Klage ist ein Versuch von Pool.com, die Einigungsgespräche zwischen Icann und Verisign zu stören und den CLS-Dienst zu verhindern." Pool.com erhalte hierzu Unterstützung durch Registrare.

Derzeit hält Icann eine Konferenz im kanadischen Vancouver ab. Die Organisation ist nicht unumstritten: Auf einer Konferenz der UNO verlangten Kritiker, die Domain-Aufsicht solle eine andere Gruppierung übernehmen, und zwar unter Mandat der Vereinten Nationen. Auf diese Weise solle der Einfluss der USA im Internet begrenzt werden. Die Icann-Ablehner konnten sich jedoch nicht durchsetzen (siehe Annan fordert Verhandlungen über Weltordnung für das Internet sowie EU und Entwicklungsländer wollen US-Kontrolle über das Internet verringern). (fn)