Entwicklertraum

Docker packt Anwendungen in Container

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Die Open-Source-Software Docker schwingt sich auf zum "Next Big Thing" in Rechenzentren und in der Cloud.

Die Idee hinter Docker ist eine Analogie zur Logistik - dort revolutionierten einst standardisierte Container den Warenversand über unterschiedlichen Verkehrsmittel hinweg. So etwas sollte man auch mit Applikationen machen können, fand Solomon Hykes, Chief Technology Officer beim PaaS-Startup dotCloud aus San Francisco - sie so in Container packen, dass man sie in jeder neueren Linux-Umgebung ablaufen lassen kann, auch wenn diese über tausende Server im Rechenzentrum verteilt ist oder bei Amazon Web Services gehostet, und einfach und schnell von einer Maschine zur anderen verschieben kann. Und das im Zusammenspiel mit Linux Containers (LXC) auch noch deutlich ressourcensparender als herkömmliche Virtualisierung.

Diese Vorstellung teilt Hykes unter anderem mit Eric Brewer, einem der Vordenker hinter den Kulissen von Google, wie "WIRED" in seiner Online-Ausgabe berichtet. Brewer ist ein bekannter Experte für verteilte Systeme und Architekturen - schon Mitte der 1990er Jahre ersonn er als Informatikprofessor in Berkeley die Suchmaschine Inktomi, die auf vielen billigen statt wenigen teuren Servern lief; daraus entstand später das CAP-Theorem. Jetzt hat Eric Brewer dafür gesorgt, dass Google Docker mit seinen Cloud-Services App Engine und Compute Engine kombiniert. "Google und Docker ergänzen sich ganz natürlich", sagt Brewer. "Wir haben die gleiche Vision davon, wie Anwendungen gebaut sein sollten." Container nutzt Google intern schon seit vielen Jahren - nur lassen sich die von Docker leichter verschieben.

Dazu muss auch der jeweilige Linux-Host Docker unterstützen, was aktuell noch nicht immer der Fall ist. "Da müssen Google und die Community noch dran arbeiten", konzediert Brewer. Eine gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Red Hat, der größte kommerzielle Linux-Anbieter, kooperiert mit Docker und unterstützt dessen Technik in seinem neuen Red Hat Enterprise Linux (RHEL) 7. Und auch andere Cloud-Anbieter wie Amazon oder Rackspace erwärmen sich zunehmend für Docker.

Profitieren von der resultierenden Weiterentwicklung des Cloud Computing sollen letztlich Entwickler, Sysadmins und Anwender gleichermaßen. Developer müssten sich künftig weniger Sorgen um die benötigten Server machen und könnten sich stattdessen auf das Design der Applikation selbst konzentrieren, hofft Brewer. "Der Container ist eher die Sicht auf Anwendungsebene auf das, was Du tust - im Gegensatz zur Sicht auf Maschinenebene", sagt der Google-Mann. "Und es ist ziemlich klar, dass die Anwendungssicht die natürlichere ist und sich auf längere Sicht durchsetzen wird."

Docker ist übrigens seit 15 Monaten eine eigene kleine Firma; vor ein paar Tagen hat das Team die Version Docker Engine und Hub in Version 1.0 sowie kommerziellen Support dafür angekündigt und veranstaltet gerade seine Entwicklerkonferenz DockerCon.