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DMMK: Ron Sommer träumt von Multimedia-Kommunikation

17.04.2002

STUTTGART (COMPUTERWOCHE) - "Das Internet von morgen wird ein Internet für die Multimedia-Kommunikation sein", prognostizierte Telekom-Vorstandschef Ron Sommer. In seiner Eröffnungsrede für den 10. Deutschen Multimedia-Kongress (DMMK), der vom 17. bis 19. April in Stuttgart stattfindet, legte Sommer die Erfolgslatte für den ehemaligen Staatsbetrieb hoch. Er will das Internet mit Hilfe von Breitbandkommunikation neu erfinden.

Die Zeichen dafür stehen laut Sommer gut. Inzwischen besäßen 60 Millionen Deutsche ein Handy (davon 25 Millionen mit T-Mobile-Vertrag). Mithilfe des von ihm prognostizierten Trends zum Zweithandy sei in wenigen Jahren eine Penetrationsrate von über 100 Prozent zu erreichen. Auch für das T-DSL-Geschäft zog er positive Bilanz: Bis dato hätten sich 2,5 Millionen Kunden für einen Breitbandanschluss der Telekom entschieden. Tendenz: steigend. Unter diesen Voraussetzungen befinde sich die Multimedia-Kommunikation kurz vor dem Durchbruch zum Massenmarkt.

Die Entwicklung der Multimedia-Märkte stehe erst am Anfang einer langen Evolutionsphase, erklärt Sommer. Daran ändere auch die momentane Phase des Durchschnaufens nichts. Multimediale Anwendungen würden in Zukunft unterschiedliche Marktsegmente und Zielgruppen erobern. Welche das sein werden, vermochte der Telekom-Chef jedoch nicht genauer zu definieren.

Um diese Märkte zu schaffen, forderte Sommer Mut und Visionen. So sei die derzeitige Situation in der Medienwirtschaft zweifellos schwierig. Außerdem stünden die bisherigen Strukturen in Frage, da sich viele Geschäftsmodelle als nicht tragfähig erwiesen hätten. Doch: "Such is business", resümierte der Telekom-Boss.

Den geforderten Mut beweist aus Sicht Sommers natürlich in erster Linie die Telekom. So stehe das Unternehmen momentan bei der Entwicklung der Multimedia-Märkte allein auf weiter Flur. Niemand sonst bearbeite den Markt ähnlich konsequent. Vor diesem Hintergrund seien auch die Vorwürfe, der Bonner Carrier falle bei der DSL-Technik in den Monopol-Status zurück, nicht nachzuvollziehen. "Wer in diesem Markt kein Bein auf die Erde bekommt, der sollte nicht gleich nach der Regulierungsbehörde rufen, sondern erst einmal seine Strategie unter die Lupe nehmen", stichelte Sommer in Richtung der Wettbewerber.

Eine der vom Telekom-Chef geforderten Strukturänderungen ist die Abkehr von der Kostenlos-Kultur im Internet. Es sei aufwändig, multimedialen Content für das Netz zu entwickeln und anzubieten. Doch je attraktiver die Inhalte seien, desto eher würden auch die Anwender dafür zahlen, prognostizierte er. Zahlende Kunden braucht Sommer angesichts der riesigen Investitionen in UMTS und des immer weiter wachsenden Schuldenbergs seines Unternehmens. Dennoch bleibt der Konzernchef gelassen. Die Investitionen seien zwar hoch und die neuen Mobilfunkmärkte müssten von Grund auf entwickelt werden, doch derartige Aufgaben habe sein Unternehmen bereits in der Vergangenheit erfolgreich gemeistert.

Drei Motoren sollen die Multimedia-Entwicklung antreiben: Breitbandige Kommunikation im Festnetz und im Mobilfunk sowie die Konvergenz beider Bereiche. Die Trennung zwischen Festnetz und Mobilfunk werde es im Zeitalter der breitbandigen Zugänge nicht mehr geben. Inhalte würden in so genannten T-Zones strukturiert und angeboten, unabhängig davon, ob die Nutzer per Handy oder vom heimischen PC darauf zugriffen. Damit wandle sich die Telekommunikationswirtschaft von einer Technik- zu einer Dienstleistungsbranche. Die Zeichen dafür stünden nicht auf Krise, sondern auf Chance, schloss Sommer seinen Vortrag. (ba)