Diversity: Das Märchen von der Vielfalt

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Diversity ist chic. Unternehmen schmücken sich mit Projekten zur Chancengleichheit von Frauen und Männern oder zur Integration von Mitarbeitern aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen. Doch die festgefügten Karrierestrukturen und Rollenklischees verändern sich nur langsam.

Das Diversity-Konzept stammt aus den USA und konzentriert sich dort auf zwei klare Ziele: Frauen und Männern die gleichen Chancen im Berufsleben zu ermöglichen und Angehörigen aller im Unternehmen vertretenen ethnischen Gruppen Karrierewege zu eröffnen. Hierzulande erweitern Firmen das Konzept, indem sie die Integration und Aufstiegsförderung von älteren Mitarbeitern und Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen ebenfalls mit dem plakativen Etikett „Diversity“ versehen.

Internationale Konzerne versuchen, für jedes Land eigene Leitlinien zu formulieren und Schwerpunkte zu setzen. Mit der Förderung von Vielfalt im Unternehmen verbinden einige Marketiers auch die Hoffnung, neue Produkte für unterschiedliche Zielgruppen zu entwickeln, zusätzliche Absatzmärkte zu erschließen und die Produktivität der Mitarbeiter zu erhöhen.

Die Siemens AG entwickelte mit „Promoting and Managing Diversity“ ein weltweites Konzept, das die Niederlassung in jedem Land mit eigenen Schwerpunkten umsetzt. In Deutschland konzentriert sich das Unternehmen auf Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen sowie die Integration nichtdeutscher Mitarbeiter. Allerdings steckt die Förderung noch in der Anfangsphase. Zwar sind 25 Prozent der Siemens-Belegschaft weiblich, doch in eine Management-Position schafften es bisher lediglich knapp sieben Prozent und der Vorstand des Unternehmens ist ein reiner Männerclub.

Entwicklungsprogramme sollen mehr Frauen den Zugang zu Führungspositionen ermöglichen. Allerdings gibt es, wenn eine Beförderung ansteht, bei gleicher Qualifikation keinen Bonus für talentierte Mitarbeiterinnen.

Was Frauenkarrieren betrifft, gehört Deutschland zu den Entwicklungsländern. Zwar sind zirka 69 Prozent der weiblichen Bevölkerung berufstätig, doch nur um die fünf Prozent erreichen eine leitende Stellung. In Großbritannien beispielsweise habe zirka elf Prozent eine Führungsposition. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) in Berlin belegt, dass Deutschland im europäischen Vergleich die größten Unterschiede beim Gehalt aufweist, denn laut Studie verdienen Frauen 24 Prozent weniger als Männer. Das Statistische Bundesamt ermittelte im vergangenen Jahr eine Differenz von 21 Prozent.

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