Napster-Trauma überwunden

Digitalgeschäft stoppt Talfahrt der Musikindustrie

21.01.2014
Im Musikmarkt macht sich die nächste Revolution bemerkbar. Statt die Lieder auf den eigenen Rechner oder MP3-Player herunterzuladen, hören immer mehr Menschen die Songs direkt übers Internet. Doch die CD hält sich tapfer.

Irgendwie ist es überraschend: Die Menschen in Deutschland kaufen CDs. Und das, obwohl den Tonträgern seit Jahren ein langsamer Tod vorhergesagt wird. Die Käufer haben davon offenbar nichts gehört, sie geben weiterhin Millionen für die Musikscheiben aus. Zwei Drittel ihrer Umsätze macht die Musikbranche mit CDs und Vinyls. "Wir sehen, dass jeder Bereich seine Fans hat und dass es eben nicht so ist, dass die oft tot gesagte CD nach zehn Jahren tot ist", sagt Florian Drücke, der Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie.

Florian Drücke, Geschäftsführer des BVMI
Florian Drücke, Geschäftsführer des BVMI
Foto: BVMI / Markus Nass

Während die CD einen Großteil des Umsatzes ausmacht, kommt das Wachstum aus dem Onlinegeschäft. Digitale Musikverkäufe über das Netz in Deutschland stiegen 2013 um zwölf Prozent an, jeder vierte Euro wird mit Musik aus dem Internet verdient. "Das kann uns erstmal freudig stimmen", sagt Drücke. Die Branche sieht darin auch einen Erfolg ihrer jahrelangen Kampagne gegen illegale Downloads.

Doch es zeichnet sich schon der nächste Wandel ab. Statt Musik aus dem Internet auf den eigenen PC oder einen mobilen Musikplayer herunterzuladen, hören immer mehr Menschen die Lieder direkt im Netz. Der Umsatz mit Streaming-Diensten schoss - von einem niedrigen Niveau ausgehend - in die Höhe, wie schon die Zahlen des Musikverbands aus der ersten Jahreshälfte zeigten.

Bei den Streaming-Diensten wie Spotify zahlen Nutzer in der Regel eine feste Monatsgebühr und können dafür meist unbegrenzt Musik abspielen. Die Lieder sind allerdings nur gemietet. Läuft das Abo aus oder wird es gekündigt, sind auch die Songs weg. In den vergangenen Jahren drängten mehrere Anbieter auf den deutschen Markt.

Die Download-Portale, die selbst vor einigen Jahren die Industrie aufmischten, bekommen damit neue Konkurrenz. Die Deutsche Telekom kündigte diese Woche an, sich von ihrem Download-Dienst Musicload trennen zu wollen. Man führe "Gespräche mit potenziellen Interessenten" über einen möglichen Verkauf von Musicload und der Spieleseite Gamesload, erklärte eine Telekom-Sprecherin.

Musicload war der dritte große Anbieter am deutschen Markt, wurde allerdings von den US-Riesen Apple mit iTunes und Amazon überschattet. Doch auch die dürften die neue Konkurrenz zu spüren bekommen. In den USA, wo solche Entwicklungen oft schneller und heftiger ablaufen, sank die Zahl der Downloads zum ersten Mal seit zehn Jahren.

Die Telekom arbeitet bereits mit Spotify zusammen. Der Dienst ist in bestimmten Verträgen vom monatlichen Datenvolumen ausgenommen. Inzwischen mischen auch Internetriese Google und Apple (dessen iTunes Radio allerdings in Deutschland noch nicht verfügbar ist) im Streaming-Markt mit. (dpa/tc)