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Neue Geschäftsmodelle durch Digitalisierung

Digitale Transformation erfordert Echtzeit-Plattform

Mathias Kaldenhoff, Head of Business Development Platform Solutions, SAP,  verfügt über fast zwei Jahrzehnte Erfahrung im Bereich Business Technology und ist als Influencer außerdem Spezialist in den Fachgebieten HANA, D & T, BI/BA, CRM, FIN, HCM und Mobile Enterprise mit dem Fokus auf Sicherheit. Sein Schwerpunkt liegt auf Realtime, Big Data, Realtime Enterprise Platform, Predictive, Analytics, Mobile und Value Selling, worüber er bereits in verschiedenen Publikationen zahlreiche Beiträge veröffentlicht hat. Mathias Kaldenhoff verantwortet heute SAP Platform Sales Business Development.
Die Welt ist digitalisiert, Anwender und Unternehmen begegnen sich digital, Menschen und Maschinen sind vernetzt. Das hat Auswirkungen auf Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten.

Seit den 70er Jahren dominieren zwei Theorien die Unternehmensstrategien: Zuerst wurde Wachstum durch Skalierung und nachfolgend die Minimierung der Transaktionskosten innerhalb der gesamten und durchgängigen Wertschöpfungskette in den Mittelpunkt gestellt. Unternehmen, die prosperierten, benötigen IT-Systeme, die sich diesem Wachstum anpassen, die Expansion also "mitgehen" konnten. Der nächste Schritt war die Optimierung der Wertschöpfungskette. Das Resultat: Sinkende Kosten für Transaktionen.

Im Laufe der digitalen Transformation wird zwar nicht alles neu erfunden, doch vieles Neue ist plötzlich möglich:

1. Die Welt hat sich verändert

Die noch vor Jahren kaum vorstellbare Digitalisierung unterschiedlichster Objekte erzeugt wachsende Mengen physikalisch und logisch miteinander verknüpfbarer Daten. Vernetztes "Big Data" lässt die Welt in neuen Mustern und Maßstäben erkennen, sicherere Voraussagen treffen, neue Prozesse und Wertschöpfungsketten erdenken.

Digital Leader aufgepasst! - Foto: IDG

Digital Leader aufgepasst!

Für die große Mehrheit von 96 Prozent der Großunternehmen und 68 Prozent kleiner und mittelständischer Unternehmen in Deutschland ist Big Data relevant. Zwar nutzen aktuell nur neun Prozent der Unternehmen die gezielte Analyse von großen Datenmengen, doch planen bereits weitere 31 Prozent zukünftig mit Big Data, so eine aktuelle Bitkom-Studie zum Thema: Big Data ist im Unternehmensalltag angekommen. Diverse global auftretende digitale Ereignisse erzeugen immer mehr Echtzeit-Daten, die mit ebenfalls in Echtzeit laufenden Prozessen der Unternehmen verbunden werden müssen.

Unterschiedlichste Datentypen wie Wetter-, Geo-, soziale und maschinenerzeugte Daten können so ad-hoc im Kontext analysiert und als Entscheidung, Anweisung oder Vorhersage zurückgespielt werden..

2. Die Anwender haben sich geändert

Reale und digitale Welten vermischen sich, Anbieter und Abnehmer kollaborieren, finden gemeinsam neue Räume für Innovationen. Gestern noch Unikate, werden digitale Dienste und Prozesse in der Industrie und dem Gewerbe, dem Entertainment, in sozialen Netzwerken aber auch der öffentlichen Hand erst zum Standard und dann zum Grundbedürfnis.

37 Prozent unserer täglichen Kommunikation läuft bereits über digitale Kanäle, über viereinhalb Stunden verbringt der Durchschnittsdeutsche täglich im Internet. Zudem bestimmt das Internet und Social Media inzwischen bereits jede vierte Kaufentscheidung, besonders in den Bereichen Reise und Unterhaltungselektronik.

Die Zahl personalisierter mobiler Endgeräte zur Nutzung der Angebote übersteigt die Größe der Weltbevölkerung, in der wir zudem in den kommenden Jahren mit über 50 Prozent immer mehr Menschen in einer globalen und kaufkräftigen Mittelschicht finden.

Klar ist: Die digitale Transformation kommt den Konsumenten und Nutzern sehr entgegen, sie ist kundenzentrisch - die Distanz zwischen Erzeuger und Abnehmer strebt gegen Null. Denn es ist längst nicht nur für die "Digital Natives" relevant für das tägliche Leben, Zukunftstechnologien für sich zu nutzen, sondern bereits für ein Drittel der Bevölkerung (Roland Berger Strategy Consultants).

3. Die Industrie ändert sich

Technologische Innovationen haben den Markt schon mehrfach revolutioniert. In der Phase der"Dritten Industriellen Revolution"nach 1970 halten Computer Einzug in die Unternehmen und bestimmen den Design- und Planungsprozess.

Begriffe wie Computer Aided Design, -Manufacturing, -Engeneering, -Quality und ERP sind de-facto Standard für eine Business-Process-Plattform, die die Wertschöpfungskette des Unternehmens abbildet. In der seit einigen Jahren sich entwickelnden "Vierten Industriellen Revolution" vernetzen sich jetzt Computer, Kommunikationswege und die neuen digitalen Möglichkeiten unterschiedlichster Objekte zu cyberphysikalischen Systemen.

Innovative Produkte, neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle sowie effizientere betriebliche Prozesse werden deutschen Unternehmen bis 2025 ein Bruttowertschöpfungs-Plus von knapp 79 Milliarden Euro ermöglichen, so eine Prognose des ITK-Branchenverbandes Bitkom zu dem Impuls durch Industrie 4.0.

Bis 2020 werden demnach zudem 50 Milliarden Menschen, Daten, Dinge und Prozesse in einem "Internet of Everything" miteinander verbunden sein. Maschinen und Produkte verbinden sich wie selbstverständlich miteinander, neue digitale Prozesse und Dienstleistungen entstehen: Individualität und objektbezogene digitale Services verschmelzen. Losgröße 1 ist dadurch denkbar - der heutige Traum jedes Fertigungsingenieurs. Dies erfordert zuverlässige Plattformen, die eine Backend-zu-x-Kommunikation und Interaktion in Echtzeit ermöglichen.

Der vereinfachte Eintritt in den digitalen Echtzeit-Markt etwa durch Cloud-Technologien zusammen mit den Möglichkeiten zur Erkennung neuer Maßstäbe und Muster macht "alte" Wertschöpfungsketten nicht per se obsolet. Jedoch entsteht die Basis für Neues.