Digital Performance Management

Digitale Transformation erfordert DevOps- und Startup-Denken

Andreas Grabner hat mehr als 15 Jahre Berufserfahrung als Architekt und Entwickler im Java- und .NET-Umfeld. In seiner derzeitigen Funktion als Technology Strategist bei Dynatrace leitet er das APM-Center of Excellence Team. Dabei arbeitet er eng mit Kunden bei der Implementierung von Performance-Management-Lösungen und über den gesamten Anwendungslebenszyklus zusammen und nimmt wesentlichen Einfluss auf die Produktstrategie von Dynatrace.

Zu Performance- und Architektur-relevanten Themen ist er ein vielgefragter Sprecher auf internationalen Technologie-Konferenzen. Als Blogger publiziert Andreas Grabner regelmäßig Fachartikel.
Der DevOps-Ansatz ist in aller Munde. Doch was steckt wirklich dahinter, wie führen Unternehmen DevOps ein und warum bringt das Startup-Kultur in Traditionsunternehmen?

Unternehmen müssen digitale Services intern schnell einführen und aktualisieren können. Denn Kunden und Anwender fordern heutzutage eine immer bessere und reibungslosere Nutzung von Applikationen. Damit Unternehmen das bieten können, brauchen sie neue interne Abläufe. Spezifische DevOps-Teams, die bereits auf dem Weg zum Mainstream sind, schaffen die erforderliche Änderung der Unternehmenskultur und minimieren Reibungsverluste durch bessere Zusammenarbeit.

Mit dem herkömmlichen Wasserfall-Ansatz und starren Prozessen zwischen den Abteilungen reagieren Unternehmen zu langsam auf neue Marktanforderungen. Innovationen sollten dem Nutzer heute so schnell wie möglich bereitgestellt werden. Dazu sind das Aufbrechen der starren Prozesse und die Ermächtigung der gesamten Mannschaft von Entwicklung über Test bis zum Betrieb nötig. Damit einher geht aber auch die Verantwortlichkeit. Trotz schnellerer Updates müssen die DevOps-Teams für hohe Qualität sorgen. So sind Probleme durch aktives Monitoring frühzeitig zu erkennen. Continuous Delivery und Continuous Integration sind technische Hilfsmittel, um diese Änderungen automatisiert durch den Lifecycle der Anwendung zu garantieren.

Schnelle Bereitstellung schützt vor digitaler Disruption

Die Fähigkeit zur schnellen Einführung und Aktualisierung von digitalen Services ist inzwischen erfolgsentscheidend. Denn Kunden wählen sonst schnell ein Produkt von einem Wettbewerber und interne Mitarbeiter steigen auf einfach bestell- und nutzbare Cloud Services um - oft an der internen IT vorbei, wenn sie mit der Anwendung nicht zufrieden sind. Diese Alternativlösungen stehen mit einem Mausklick bereit und führen zur umfangreichen Schatten-IT, die kein CIO oder IT-Leiter in großem Stil im Haus haben möchte. Denn hier klaffen Sicherheitslücken, es gibt zu wenig Übersicht über die Lösungen im Haus und über das zugehörige Know-how.

Extern ändern sich die Marktverhältnisse durch neue IT-Lösungen und die fortschreitende Digitalisierung fundamental. So hat zum Beispiel Kienbaum ermittelt, dass 70 Prozent der Fortune-1000-Unternehmen aus dem Jahr 2005 heute nicht mehr existieren. Und Cisco erwartet, dass 70 Prozent der Unternehmen digital werden wollen, aber nur 30 Prozent davon dies erfolgreich umsetzen werden. Uber, Facebook, Alibaba und Airbnb sind nur einige Beispiele von digitalen Unternehmen, die ganze Branchen sozusagen von außen revolutionierten.

Viele Unternehmen haben daher erkannt, dass die Entwicklungs- und Betriebsteams nicht mehr getrennt voneinander arbeiten dürfen. Die effektive Kommunikation im gesamten Unternehmen ist daher erfolgskritisch, sowohl zwischen den Abteilungen und zwischen Management und Mitarbeitern als auch in der gemeinsamen Nutzung von Systemen und Informationen. Die Kooperation wird deshalb am besten durch den Einsatz übergreifender Lösungen und Prozesse gefördert, die die bisherigen Abteilungsgrenzen überwinden.

Umfassende Zusammenarbeit in definierten Teams

Innerhalb der IT-Abteilung ist dies zwischen den IT- und Betriebsteams besonders wichtig. Das Ziel lässt sich mit dem Ansatz DevOps erreichen. Dieser verbindet aber nicht nur Development und Operations, sondern fördert die Zusammenarbeit aller Abteilungen sowie die Automatisierung von Prozessen und die Transformation der Unternehmenskultur, damit die verschiedenen Bereiche gemeinsame Ziele verfolgen. Voraussetzung ist die strategische Auswahl von Teams für bestimmte Aufgaben. Alle für eine Aufgabe erforderlichen Abteilungen müssen eingebunden werden. Dann gilt es, die ausgewählten Mitarbeiter mit dem DevOps-Ansatz vertraut zu machen und die passenden Tools für die Zusammenarbeit festzulegen.

So verknüpft DevOps Menschen, Prozesse und Tools. Dabei müssen Unternehmen und Mitarbeiter nicht nur offen für Veränderungen bleiben, sondern auch über die entsprechende interne Umgebung verfügen, die diese Transformation ermöglicht. Daher geht es bei DevOps nicht nur um die IT, sondern um das gesamte Unternehmen. Der Ansatz muss daher zwingend von der Managementebene unterstützt werden.

DevOps ist dabei ein Gesamtansatz, so dass er nicht als eine weitere Abteilung angesehen werden darf. Die Einführung eines eigenen DevOps-Teams zum Beispiel widerspricht gerade dem Ziel einer engeren Zusammenarbeit, da damit eine weitere abgeschottete Abteilung ergänzt wird.

Arbeiten und Denken wie ein Startup-Unternehmen: Fehler sind erlaubt

Die eigentlichen Ziele von DevOps sind die schnelle Bereitstellung von Software und die effektive Förderung der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen. Dies wird durch Automatisierung unterstützt sowie die unternehmensweite Analyse von Metriken, um zu erkennen, was gut und was schlecht läuft.

Eine erfolgreiche DevOps-Strategie ermöglicht Unternehmen auch die Berücksichtigung von Kundenfeedback sowie das Testen von neuem Code in Echtzeit, um schnell Deployments und Updates durchzuführen. Durch die Automatisierung aufwändiger Aufgaben wie Testing entlastet DevOps die Entwicklungsteams, so dass sie sich verstärkt auf produktive Ziele konzentrieren können.

Ein weiterer Vorteil von DevOps ist die Fähigkeit, auch in größeren Unternehmen eine Startup-Kultur zu leben: Es ist in Ordnung, einen Fehler zu machen. Dies fördert Innovationen sowie eine Kultur, die versteht und akzeptiert, dass Fehler geschehen. Die Kunst liegt darin, wie und wann getestet, überwacht, gelernt, ermittelt und reagiert wird auf das, was funktioniert, nicht funktioniert oder besser funktionieren könnte. Einer der Punkte von DevOps ist daher das Ermöglichen besserer, einfacherer und schnellerer Prüfungen, um die weitere Entwicklung zu beschleunigen.

DevOps-Transformation jetzt starten, auch ohne universelles 'Standard-Rezept'

Doch wie sollten Unternehmen DevOps einführen? Es gibt dafür keine Anleitung. Jede Organisation muss ihren eigenen Weg finden. Am besten starten Unternehmen mit einem Geschäftsziel, etwa der Reduzierung der Zeit für die Entwicklung von Software. Anschließend definieren sie von Ende zu Ende den Prozess, der dafür nötig ist. Dies erfordert einen gewissen Aufwand und lässt sich nicht sehr kurzfristig umsetzen. Die Transformation in eine DevOps-orientierte Organisation dauert eine gewisse Zeit.

Es ist aber eine Reise, die Organisationen heute unternehmen müssen, um weiterhin erfolgreich zu sein. Heute wird praktisch jede Firma zu einer Softwarefirma, wie Microsoft-CEO Satya Nadella einmal sagte. DevOps unterstützt eine Philosophie der Zusammenarbeit, die dafür absolut notwendig ist. Nur damit können Unternehmen kontinuierlich Anwendungen weiterentwickeln und gewährleisten, dass sie im stetig schärfer werdenden internationalen Wettbewerb nicht zurückbleiben.

Die Anwendung von DevOps-Praktiken wird daher immer mehr zum Mainstream. Alle Beteiligten erhalten damit einen umfassenden Blick auf den geschäftlichen Wert von just-in-time produzierten, hochqualitativen sowie analytischen Anwendungen und Services für ihren Markt. Da praktisch alle Unternehmen über kurz oder lang den DevOps-Ansatz übernehmen werden, wird der Begriff wahrscheinlich in Zukunft verschwinden. Zumindest wird er für die Entwicklung und Auslieferung von Software so selbstverständlich sein, dass niemand mehr darüber spricht. (wh)