Digitale Transformation

Digitale Labs erfolgreich aufbauen und nachhaltig betreiben

Dr. Oliver Laitenberger leitet bei der Managementberatung Horn & Company das Kompetenzzentrum Digitalisierung und Technologie.
Lesen Sie, wie Unternehmen erfolgreich Digital Labs einrichten, um auf dem Weg der digitalen Transformation voranzukommen.

Das Thema "Digitalisierung" erlebt einen Boom. Fast jeder Vorstand oder Geschäftsführer möchte sein Geschäft digitalisieren. Unglücklicherweise fehlt es oft an passenden Rezepten zur digitalen Transformation. Einen wichtigen Baustein zur Digitalisierung können Digital Labs liefern, wenn sie dauerhaft und nachhaltig betrieben werden. Ideen hierzu wurden bereits zur Jahrtausendwende unter dem Begriff "Startup" geboren. Viele waren nichts anderes als ein solches Labor: flexibel, schnell und agil. Eine große Zahl dieser Startups ging mit dem Scheitern des Neuen Marktes unter. Es hat bis jetzt gedauert, dass Entscheider in Unternehmen wieder zugänglich für diese Ideen sind. Beispiele wie Uber oder Airbnb nähren die Hoffnung, dass durch ein Digital Lab eine Ideenschmiede entsteht, die permanent Innovationen für das Unternehmen hervorbringt.

Sind Digitale Labs also als alter Wein in neuen Schläuchen? Mitnichten. Bei einem Digital Lab handelt es sich um eine Art Brutkasten oder Gewächshaus, in dem die erfolgversprechendsten Kundenerlebnisse und Ideen identifiziert, in einem kontrollierten Rahmen experimentell erprobt und gegebenenfalls weiterentwickelt werden. Erfolge werden fortgeführt, Misserfolge schnell als Lernerfahrung verbucht. Das Prinzip dahinter lautet "Fail fast - Fail often".

Das digitale Lab kann den Weg zum digitalen Change-Prozess ebnen.
Das digitale Lab kann den Weg zum digitalen Change-Prozess ebnen.
Foto: M-SUR / www.shutterstock.com

Anders als ein Startup, das nur eine Geschäftsidee verfolgt, schafft ein Digital Lab den erforderlichen kreativen Rahmen, um aus vielen unterschiedlichen Ideen innerhalb und außerhalb des Unternehmens die erfolgversprechendsten herauszufiltern und zu erproben. Dies zeigt schon, dass ein digitales Lab kein statisches Konstrukt sein darf, sondern von permanenter Veränderung der handelnden Player sowie der Inhalte lebt.

Das dazu passende Vorgehen wird als "Design Thinking" bezeichnet. Der Name legt schon nahe, dass es auf der einen Seite um kreative Innovation mit hohen Anforderungen an die Inspiration geht ("Design"). Auf der anderen Seite steht der transpirative Teil, in dem die Ideen diszipliniert einer schnellen Umsetzung unter Einsatz moderner Technologien zugeführt werden. Der Kunde ist am Ende immer Schiedsrichter der entwickelten "Customer Journey".

Design Thinking als prozessuales Vehikel von Veränderung.
Design Thinking als prozessuales Vehikel von Veränderung.
Foto: arka38 / www.shutterstock.com

Damit allerdings die Ideen im Sinne des Design Thinking im digitalen Gewächshaus wachsen und gedeihen können, ist dieses erst einmal aufzubauen. Paradoxerweise erfordert dies Disziplin, um am Ende auch zum Erfolg zu führen. Dieser misst sich an den Innovationen bezüglich bestehender oder neuer Geschäftsmodelle. Bei Misserfolgen sind nicht nur die Ideen, sondern auch das Digitale Lab als solches zu hinterfragen.

Zu den Erfolgsfaktoren beim Aufbau und dem Betrieb der digitalen Labore gehören nicht nur Ideen im Sinne des Design Thinkings, sondern auch die erforderlichen Technologien. Diese sind teilweise selbst noch in der Erprobung, sodass eine vollumfängliche disruptive Konstellation entstehen kann. Denn Technologien sind die Zutaten, aus denen digitale Geschäftsmodelle erst "gebaut" werden können.

Ein erfolgversprechendes Konzept für den Aufbau und nachhaltigen Betrieb eines Digital Lab sollte diese sechs Punkte berücksichtigen:

  1. Ein neues Mindset braucht das Land

  2. Kultur und Verantwortung durchgängig gestalten

  3. Liquide Organisationsformen etablieren - Geschäft … Technologie … Geschäft … Technologie … Geschäft

  4. Kollaboration statt Isolation schafft Erfolge

  5. Software ins Zentrum rücken

  6. Geschwindigkeit durch Impulse von außen steigern