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Bitcoins

Digitale Kunstwährung in der Vertrauenskrise

11.04.2013
Erst als neue Hoffnung der Finanzwelt gefeiert, nun tief gestürzt: Technische Probleme stellen das Experiment der Internet-Kunstwährung Bitcoin in Frage. Das Vertrauen ist erst einmal massiv beschädigt.
Die Kursschwankungen gefährden die Eignung von Bitcoins als Transaktionsmittel.
Die Kursschwankungen gefährden die Eignung von Bitcoins als Transaktionsmittel.
Foto: bitcointalk.org

Die digitale Kunstwährung Bitcoin sollte so sein wie das Internet: dezentral, keiner Kontrolle unterworfen, selbstregulierend und anonym. Lange Zeit als "Hacker-Währung" belächelt, fanden Bitcoins unter dem Eindruck der Eurokrise zuletzt zunehmend die Beachtung der internationalen Finanzwelt. Jetzt aber ist der Kurs binnen Stunden um 60 Prozent abgestürzt, Anleger verloren reales Geld. Das Vertrauen ist massiv beschädigt, zumal der Betreiber der größten Bitcoin-Börse am Donnerstag technische Probleme einräumen musste. Erstmals kam es zu Panikverkäufen.

"Diese deutlichen Kursschwankungen sind schädlich für die Akzeptanz von Bitcoins als Zahlungsmittel", sagt Ulrich Leuchtmann, Leiter der Devisenanalyse bei der Commerzbank, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Wenn diese Schwankungen so hoch bleiben, werden Bitcoins nie als Transaktionsmittel taugen und langfristig keine Zukunft haben."

Alle wollten am Mittwochabend so schnell wie möglich ihre Bitcoins abstoßen, um die befürchteten Verluste zu begrenzen. Die Transaktionen lassen sich im Internet beobachten, auf der Webseite blockchain.info. "Da gab es riesige Verkäufe, oft in Paketen von 50.000 oder 60.000 Dollar", beobachtete der britische Analyst und Technik-Blogger Matt Baxter-Reynolds. Die Zeit für die Abwicklung einer Transaktion habe immer länger gedauert. "Das ist sehr besorgniserregend, ich kann da kein Vertrauen haben", sagte Baxter-Reynolds.

Mt. Gox aus Japan ist aktuell die größte Bitcoin-Börse.
Mt. Gox aus Japan ist aktuell die größte Bitcoin-Börse.

Die technische Plattform der größten Bitcoin-Börse Mt. Gox war zeitweise so überlastet, dass manche wie schon im März einen neuerlichen Hacker-Angriff vermuteten - bei einer solchen DDoS-Attacke werden Webseiten mit Unmengen von Datenanfragen geflutet, dass sie nicht mehr erreichbar sind. "Wir waren gestern abend nicht Opfer einer DDoS-Attacke, sondern Opfer unseres eigenen Erfolgs", erklärte jedoch der Betreiber von Mt. Gox in einem Facebook-Eintrag. Die Zahl der Bitcoin-Transaktionen habe sich innerhalb von 24 Stunden verdreifacht. Jetzt sollen neue Server installiert werden, um die Bitcoin-Geschäfte stabiler abwickeln zu können.

Geldwirtschaft funktioniert nur mit Vertrauen - bei staatlich garantierten Währungen sorgt die Zentralbank dafür. Bei den Bitcoins aber gibt es eben keine derartige Autorität, selbst ihr Erfinder ist nur mit seinem anonymen Netznamen Satoshi Nakamoto bekannt. Für das Vertrauen in Bitcoins sorgt eine Verschlüsselungstechnik, die so zeit- und rechenaufwendig ist, dass jedes Kopieren unmöglich ist. Die Zahl der so erzeugten Geldeinheiten ist auf 21 Millionen begrenzt. Bitcoins sind dadurch so knapp wie Gold. Damit aber gibt es keine Möglichkeit, mit einer flexiblen Steuerung der Geldmenge für Preisstabilität zu sorgen.

In der realen Wirtschaft bestätigt der Crash des Bitcoin-Kurses (BTC) von 266 auf 105 Dollar die vorherrschende Skepsis. "Bitcoins sind selbst nach Ansicht der Macher ein experimentelles Zahlungsmittel", sagt der Social-Media-Experte des Wirtschaftsverbands Bitkom, Tobias Arns. "Solche Kursschwankungen, wie wir sie in den vergangenen Tagen gesehen haben, sind deshalb nicht überraschend."

Kurz vor dem Crash schrieb am Mittwoch der Währungsanalyst Christopher Vecchio für den Fachdienst "Daily FX", nach der Zypern-Krise gebe es den "Wunsch nach einem alternativen Investment-Vehikel, um Geld in der entwickelten Welt zu bewegen". Diese Rolle werde üblicherweise von Edelmetallen wie Gold und Silber erfüllt. Jetzt aber seien die Bitcoins als neue Möglichkeit ins Spiel gekommen.

"Es gibt Marktteilnehmer, die von dem verschreckt sind, was im Euro-Raum passiert", stimmt Commerzbank-Experte Leuchtmann zu. Hinzu komme die zuletzt "ungewöhnliche Geldpolitik" der US-Notenbank und der Bank of Japan. So haben vermutlich auch Investmentfonds bereits kleinere Bitcoin-Bestände erworben. Die großen Banken aber machen bislang einen weiten Bogen um die Kunstwährung. (dpa/tc)

Bitcoin - was ist das überhaupt?

Der Bitcoin ist eine digitale Währung, die aus der Hackerszene stammt. Sie ist seit 2009 im Umlauf und erfreut sich vor allem im Internet zunehmender Beliebtheit als Zahlungsmittel. Der Kurs ist seit Jahresbeginn kräftig gestiegen, der Gesamtwert aller existierenden Bitcoins kletterte zuletzt erstmals über eine Milliarde US-Dollar.

  • Bitcoins sind virtuelle Geldeinheiten, deren Wert an keine andere Währung gekoppelt ist. Sie können aber auf Handelsplattformen im Netz mit "echtem" Geld, wie Euro oder Dollar, gekauft werden.

  • Wer Bitcoins nutzen will, kann sich im Internet gratis entsprechende Software herunterladen. Danach wird eine digitale Geldbörse auf dem Computer oder Smartphone installiert.

  • Die Idee hinter den Bitcoins ist ein Geldsystem, das ohne zentrale Kontrollinstanz, also unabhängig von Regierungen, Zentralbanken und Geschäftsbanken, funktioniert.

  • Lange stand der Bitcoin im Ruf, vor allem für illegale Zwecke verwendet zu werden. Geheimdiensten und Zentralbanken ist das Hackergeld ein Dorn im Auge, da Transaktionen damit nicht zurückzuverfolgen sind.

  • Experten warnen vor Sicherheitslücken. Immer wieder werden Bitcoin-Börsen gehackt und geplündert. Durch diese Risiken und den bislang wenig liquiden Markt können starke Kursausschläge entstehen.

  • Als Urheber des Konzepts gilt der Legende nach jemand namens Satoshi Nakamoto - eine Art Phantom. Wer sich genau dahinter verbirgt, ist ein Mysterium.

  • Nutzer können Bitcoins auch selbst am Computer erstellen, indem mit hoher Rechnerleistung hochkomplexe mathematische Formeln gelöst werden. Im Zehnminuten-Takt entstehen etwa 25 neue Bitcoins. Das Verfahren heißt im Fachjargon "Mining", was sich am besten mit Schürfen übersetzen lässt.

  • Die Produktion soll 2033 bei 21 Millionen Bitcoins eingestellt werden. Entstanden sind bislang rund die Hälfte. Die gezielte Verknappung der Geldmenge ist vom früheren Goldstandard inspiriert und soll vor Inflation schützen.