Datenverständnis

Digitale Kompetenz bei Chefs Fehlanzeige

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Wichtiger als Soft Skills wie Kommunikationsstärke und Change-Kompetenz ist Datenverständnis bei Führungskräften. CIOs müssen dies durch visuelle Darstellungen von Daten fördern. So schildert jedenfalls der Berater Intersearch die Anforderungen der Digitalisierung.

Gern wird über das Arbeiten von morgen mit seinen flachen Hierarchien und den offenen, stets wechselnden Teams diskutiert - vor dem Hintergrund der nötigen Soft Skills von Führungskräften. Eine Haltung, der die Berater von Intersearch Executive Consultants aus Hamburg nicht widersprechen. Sie fügen dem Ganzen jedoch eine "harte" Seite an: vor allem bei Datenverständnis und Business Intelligence (BI) müssen Chefs aufholen.

Dabei stützt sich Intersearch zunächst auf eine eigene Umfrage unter 400 Managern. Rund sieben von zehn Befragten (72 Prozent) gestehen Führungskräften aktuell ein "eher ausgeprägtes" Datenverständnis zu. Knapp sechs von zehn (58 Prozent) erwarten, dass die Relevanz solcher Fähigkeiten stark oder sogar sehr stark zunehmen wird.

Damit führt Datenverständnis die Liste der geforderten Skills an. Der Punkt rangiert noch vor weichen Faktoren wie kooperativem Handeln, Kommunikationsstärke, Offenheit für Feedback, Förderung der Vernetzung und Offenheit für positive Fehlerkultur oder Veränderungskompetenz.

Intersearch sieht die Befragungsergebnisse im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Digitale Transformation der Geschäftsmodelle erfordere Kompetenzen in puncto Business Intelligence (BI) und Daten.

Digital Leader aufgepasst! - Foto: IDG

Digital Leader aufgepasst!

Je höher die Digitalkompetenz der Entscheider, umso besser für den CIO - diese These vertritt Julia Böge, Client Partnerin bei Intersearch Executive Consultants. "Führungskräfte, die mehr Datenverständnis entwickelt haben, verstehen es, Daten für ihre Entscheidungen herbei zu ziehen. Ihre Entscheidungen werden immer weniger intuitiv gefällt und sind immer mehr data-driven - und damit immer sicherer und präziser", erklärt Böge.

Sie führt aus: "Diese Führungskräfte werden den CIO dabei unterstützen, Projekte zur digitalen Transformation umzusetzen." Für Böge zeigt sich das in der Implementierung von IT-Systemen, die die komplexen, verteilten Datenmengen und -ströme des Unternehmens erkennen, standardisieren und in Beziehung setzen, Ziel ist es, die Informationen für die Analyse nutzbar zu machen.

Bringschuld des CIO

Kein Grund aber für IT-Chefs, sich entspannt zurückzulehnen. Böge sieht sie gefordert: "Der CIO kann dabei unterstützen, indem er Systeme implementiert, die die Zusammenhänge von Daten einfach verständlich machen, zum Beispiel durch die eine visuelle Darstellung der Daten."

Für das Ziel, mehr Datenverständnis in die Entscheider-Köpfe zu bekommen, braucht es laut Böge nicht unbedingt ein Training oder eine Schulung. Viel wichtiger findet sie, dass die Unternehmensführung das Einbeziehen von Daten in wichtige Entscheidungen vorlebt. Der CIO muss den Führungskräften die Vorteile der datenbasierten Entscheidungsfindung aufzeigen, so die Beraterin. Das gelinge dadurch, dass der IT-Bereich enger mit den anderen Unternehmensbereichen zusammenrückt. "Eine enge Zusammenarbeit des Chief Marketing Officer (CMO) mit dem CIO zum Beispiel mit dem Ziel, Kunden- und Interessentendaten für Marketingkampagnen effizient zu nutzen, ist wichtiger als eine Schulung der Führungskräfte in analytischem Denken", sagt Böge.

Auf Seiten des IT-Verantwortlichen setzt das wiederum Offenheit voraus. Für Böge beinhaltet Digital Leadership das Prinzip der Partizipation. Ihr Rat an CIOs, die auf interne Blockaden stoßen: "Gewinnen Sie die sich verweigernden Führungskräfte durch Information, Kommunikation und Vorleben."

Der Blick in die Zukunft stimmt die Beraterin optimistisch - sie geht davon aus, dass Phänomene wie Big Data Entscheider ohnehin lernen lassen. "In zehn Jahren werden die Führungskräfte viel mehr Datenverständnis haben, weil sie gelernt haben, welche Vorteile es mit sich bringt, Entscheidung datenbasiert zu treffen", ist Böge überzeugt.

Bewerber auf Datenverständnis prüfen

Dazu ein paar Zahlen aus der Umfrage: 31 Prozent der Teilnehmer geben an, Datenverständnis werde bei ihnen in den Anforderungsprofilen und Stellenbeschreibungen der Führungskräfte festgeschrieben. 28 Prozent nehmen für sich in Anspruch, dies im Einstellungsprozess zu überprüfen. Und 30 Prozent bauen Datenverständnis in ihr Führungskräftenachwuchsprogramm ein.

Ein Blick auf die Branchen zeigt, dass es vor allem Entscheidern im Gesundheitssektor an Erfahrung mit Business-Intelligence-Systemen mangelt. Entsprechend hoch ist dort die Forderung, diese Lücke zu schließen. Auch das produzierende Gewerbe und der Anlagen- und Maschinenbau erklären, dass ihre Führungskräfte in Sachen BI- und Datenverständnis aufholen müssen.