Initiative Deutschland Digital

Digital Economic Award (DEA) wird zum ersten Mal verliehen

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Die Initiative Deutschland Digital verlieh anlässlich des ersten Digital Business Day in Bonn Konzernen und Mittelständlern Preise für ihre innovativen Digitalisierungsprojekte. Von der Mobilitäts-App bis zur vernetzten Produktionssteuerung reichten die Projekte der Sieger.

In vier Kategorien zeichnete der Strategieberater Karl-Heinz Land, Gründer der Initiative Deutschland Digital, Unternehmen aus, die in Sachen Digitalisierung Pionierarbeit leisten. In der Kategorie "Kundenerlebnis", wenn es also darum geht, ob und was alles getan wird, damit der Kunde im Mittelpunkt steht und das Produkt zum Beispiel durch einfache Bedienung besticht, siegte eine App von Roomle, ein 3-D-Planer für Möbelhersteller, eine offene Plattform, die alle Möbelhäuser nutzen können, damit sich Interessenten ihre Wohnung einrichten. Ebenfalls ausgezeichnet wurde in dieser Kategorie das Werk Hoesch Hohenlimburg für eine gute prozessuale und digitale Vernetzung in der Produktion.

Die Initiative Deutschland Digital verlieh anlässlich des ersten Digital Business Day in Bonn Konzernen und Mittelständlern Preise für ihre innovativen Digitalisierungsprojekte.
Die Initiative Deutschland Digital verlieh anlässlich des ersten Digital Business Day in Bonn Konzernen und Mittelständlern Preise für ihre innovativen Digitalisierungsprojekte.
Foto: Initiative Deutschland Digital

In der Kategorie "Produkt- und Service-Innovation" zeichnete die Jury ein Indoor-Navigationssystem aus, das zentimetergenau Innenräume ausmisst, und eine Montagelinie von Bosch Rexroth, die durch eine komplette Vernetzung von Mensch und Maschine besticht. In der Kategorie "Unternehmen 4.0" geht es unter anderem um den Reifegrad der Unternehmenskultur und der Automatisierung, aber auch um Potenzial, Skalierbarkeit, Monetarisierung der digitalen Produkte. Die Jury hob die Cloud-basierende IoT-Plattform von Audi für die Fertigung und Logistik auf das Treppchen sowie die 3-D-Drucker-Produktion von Igus, die durch ihre durchgehende digitale Lieferkette überzeugte.

Und schließlich in der Kategorie "Digitalisierte Geschäftsmodelle" landete das "Handelsblatt" vorne wegen seiner gelungenen digitalen Transformationsstrategie und die Mobilitäts-App Moovel des Daimler-Konzerns, mit der man sich über alle Verkehrsmöglichkeiten einer Stadt informieren kann und dann auch bezahlen. Mitglieder der Jury sind unter anderem der Ex-Chef von Microsoft und Arvato, Achim Berg, der CIO des Jahres 2015 und CDO von Schindler, Michael Nilles, Alexander Rossmann, Professor für digitale Wirtschaft an der Universität Reutlingen, dann der Gründer der Internet-Plattform 365Farmnet, Maximilian von Löbbecke, der Software-AG-Deutschland-Geschäftsführer Werner Rieche und Karl-Heinz Land.

Digital Day mit 600 Teilnehmern

Insgesamt erfreute sich dieser erste Digital Day der Software AG (SAG) einer guten Resonanz, rund 600 Teilnehmer wollten sich aus erster Hand über die digitalen Vorhaben - auch einiger namhafter -Konzerne informieren. Wie ein roter Faden zog sich die Aussage "Wir müssen die zweite Halbzeit der Digitalisierung gewinnen" durch viele Vorträge. Die erste habe man gegen die jungen Wilden des Silicon Valley, die Ubers und AirBnBs dieser Welt verloren, in der es um den Consumer-Markt geht. In der Produktions- und Maschinenbauwelt, die man bisher beherrschte, müsse nun auch im neuen Zeitalter der Vorsprung gehalten werde. Dafür müssten allerdings einige Vorraussetzungen erfüllt werden, wie es gelegentlich selbstkritisch in Bonn hieß. So machte SAG-CEO Karl-Heinz-Streibich dem Publikum klar, dass jedes Unternehmen künftig eine gute Softwareabteilung benötige, am besten sich gleich als Softwarehaus bezeichne. Dem pflichtete Bosch-CIO Elmar Pritsch bei.

Karl-Heinz Streibich, Software AG, findet auf dem Digital Business Day deutliche Worte: "Der CDO ist Bullshit."
Karl-Heinz Streibich, Software AG, findet auf dem Digital Business Day deutliche Worte: "Der CDO ist Bullshit."
Foto: Software AG

Sein Unternehmen stelle heuer 14.000 Mitarbeiter ein, davon müssen die Hälfte IT-affin sein. Und Schindler-CDO Nilles verwies auf das Beispiel GE, deren neugegründete Softwaretochter mittlerweile sechs Milliarden Dollar erwirtschafte. Genau das ist auch die Marschrichtung des Bosch-CIOs, der meint, dass IT mittlerweile Umsatzbringer und Innovator ist. Kein Wunder also, wenn dann der eine oder andere Seitenhieb Richtung Fachabteilung ausgeteilt wurde. Am deutlichsten von SAG-Chef Streibich, der darauf hinwies, dass beim Thema Digitalisierung eindeutig die IT-Abteilung der Treiber sein müsse: "Ich weigere mich, mit der Fachabteilung zu reden, wenn es um die Einführung einer IoT-Plattform geht," oder noch deutlicher: "Der CDO ist Bullshit". Richtig ist aber auch, und darauf wies der Audi-IT-Manager Norbert Brändli hin, dass ein Merkmal des Digitalisierungszeitalters die noch engere Zusammenarbeit von IT und Fachabteilung sein müsse, was man sich in Ingolstadt groß auf die Fahne geschrieben habe und dafür einen Innovationspreis der Wirtschaftswoche erhielt. Dies habe man unter anderem dadurch erreicht, dass verschiedene Communities im Unternehmen entstanden und man sich fach- und hierarchieübergreifend erfolgreich austausche.