Sicherheit, Innovation, Komplexität

Diese IT-Probleme bringen Mittelständler um den Schlaf

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Was treibt mittelständische IT-Leiter um? Die Themen Sicherheit und Compliance stehen klar an der Spitze der Liste mit den größten IT-Herausforderungen. Mehr Innovation und weniger Komplexität sind weitere Kernaufgaben – europaweit wie in Deutschland.

Zum fünften Mal in Folge hat der Managed Service Provider Claranet 900 IT-Leiter mittelständischer Betriebe (100 bis 2000 Beschäftigte) aus sechs europäischen Märkten, darunter Deutschland, befragt. Ziel war es zu verstehen, wie die Unternehmen ihre IT-Infrastruktur heute und in Zukunft managen. Unter anderem zeigte sich dabei, dass Frankreich, Spanien und die Beneluxländer mehr auf fortschrittliche IT-Verfahren und Innovation setzen als Deutschland, Großbritannien und Portugal. Auffällig ist außerdem, dass IT-Sicherheit in allen Regionen als größte Herausforderung für die IT gesehen wird.

Mit diesen Aktivitäten beschäftigen sich deutsche und europäische IT-Abteilungen aus mittelständischen Unternehmen
Mit diesen Aktivitäten beschäftigen sich deutsche und europäische IT-Abteilungen aus mittelständischen Unternehmen
Foto: Claranet

Ferner stellen die von Claranet beauftragten Vanson-Bourne-Marktforscher fest, dass "IT-Leiter anfangen zu begreifen, welche Macht Daten haben". Unternehmen mit Informationen zu versorgen und ihnen anhand der verfügbaren Daten einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, rücke als Aufgabe immer mehr in den Mittelpunkt. Zudem bleiben das Optimieren der IT-Umgebung, die Reduzierung von Komplexität sowie Themen rund um den flexiblen, mobilen Arbeitsplatz ganz oben auf der Tagesordnung.

Unterschiedliches Innovationsverständnis in Europa

Vielsagend sind die Ergebnisse rund um die Fragen nach Innovation. Demnach herrscht beim Schlusslicht Portugal nur in 21 Prozent der Betriebe eine Kultur vor, die Innovation unterstützt. Beim Nachbarn Spanien ist das bei 49 Prozent der Fall, Deutschland liegt mit 36 Prozent im Mittelfeld. Spanien und Frankreich sind laut Umfrage offenbar auch die Länder, in denen die IT-Organisation die meisten Innovationen vorantreibt.

So ticken die deutschen IT-Chefs

Wie schon im Vorjahr sind auch in der jetzt vorliegenden Umfrage die deutschen IT-Verantwortlichen diejenigen, die das Thema IT-Sicherheit und Compliance am stärksten betonen. In der Folge gibt es laut Studie eine überdurchschnittliche Zurückhaltung gegenüber dem Betrieb von Anwendungen in der Cloud. Zweifel bezüglich Datensicherheit und Datenhoheit lassen viele Betriebe zurückschrecken. Deshalb gehören deutsche IT-Abteilungen am häufigsten zu denjenigen, die ihre Anwendungen intern entwickeln. Zwar werden Anwendungen auch hierzulande schneller fertig als vor einem Jahr und die Update-Quote ist höher, doch ist die Veränderungsrate im europäischen Vergleich hier am geringste. Auch DevOps-Konzepte sind weniger verbreitet als in anderen Ländern.

Trotz dieser bedächtigen Grundhaltung betonen de Studienautoren, dass sich deutsche IT-Manager in Sachen Fortschrittlichkeit nicht abhängen ließen - insbesondere, wenn es um die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen im Unternehmen geht. Hier werde meistens ein hohe Einvernehmen erzielt, heißt es.

Whitepaper: Die Kosten von Datenverlusten

Die weltweit durchgeführte Ponemon-Studie "Cost of a Data Breach 2016" zeigt: Datenpannen verursachen immer höhere Ausgaben für Unternehmen. So wuchsen die Kosten, die ein Unternehmen nach jedem gestohlenen oder verlorenen Datensatz tragen muss, von 154 Dollar im Jahr 2015 auf 158 Dollar im Jahr 2016. Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Lesen Sie in diesem Report die detaillierten und aktualisierten Ergebnisse für das Jahr 2016.

Zweitwichtigste Funktion der IT nach der Gewährleistung von Sicherheit ist die Beschäftigung mit dem Themenkomplex Big Data/Analytics - ein Indiz dafür, dass das Zusammenspiel mit den Fachbereichen funktioniert. In den Unternehmen ist offenbar der Wert des "Rohstoffs" Daten erkannt worden, die IT-Abteilungen haben den Auftrag, entsprechende Projekte voranzubringen. "Es ist daher nicht überraschend, dass deutsche IT-Abteilungen auch den größten Teil ihrer Zeit mit der Arbeit an Geschäftsprojekten verbringen", heißt es in der Studie.

IT-Dienstleister sollten vertrauenswürdig sein

Wie schon in den Jahren zuvor liegen hiesige Betriebe unter dem europäischen Durchschnitt, wenn es um die Inanspruchnahme von IT-Dienstleistungen geht. Im Durchschnitt beziehen die Mittelständler vier IT-Dienstleistungen jährlich, am häufigsten betreffen diese das Anwendungsmanagement. Dabei werden die IT-Service-Provider als "vertrauenswürdige Partner" gesehen: Im europäischen Vergleich ist das Vertrauen deutscher Anwender viel höher als anderswo in Europa. Die Skepsis zu Beginn solcher Projekte weiche meist der positiven Überraschung, wie produktiv virtuelle Teams aus eigenen Mitarbeitern und denen der IT-Dienstleister arbeiten.

Hier finden Sie den Claranet Research Reports 2016 zum Download.