Bookwire, Zeilenwert und Co

Dienstleister wollen E-Books für kleine Verlage öffnen

23.08.2012
Noch scheuen sich viele Verlage, ihre Bücher auch digital anzubieten. Doch behalten Experten recht, wird dieses Segment in den kommenden Jahren stark wachsen.

Wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels jüngst ermittelte, gehören E-Books bei jedem zweiten Verlag zum festen Programm, 90 Prozent streben es an. Doch vor allem kleineren und mittleren Verlagen fehlt es an Know-how und Ressourcen dafür. Für sie springen Dienstleister wie Bookwire oder das erst kurz am Markt agierende Unternehmen Zeilenwert aus Rudolstadt in die Bresche.

Dienstleister wie Zeilenwert...
Dienstleister wie Zeilenwert...

Für viele Verlage, die bisher ganz auf Print ausgerichtet waren, seien die neuen Entwicklungen ein "Kulturschock", erklärt der E-Book-Experte des Börsenvereins, Peter Schmid-Meil. Sie stünden vor einer Vielzahl neuer Herausforderungen: Angefangen mit dem Umwandeln der Textdaten in E-Book-Formate, über das Online-Marketing bis hin zu Verhandlungen mit der Vielzahl von Handelsplattformen. Diese Lücke haben Dienstleister für sich entdeckt, die Verträge mit Anbietern wie Amazon, Apple, Weltbild und Libri schließen. Über sie gelangen die Verlage auf diese Plattformen und haben nur einen Ansprechpartner.

Noch jung in diesem Feld ist die Zeilenwert GmbH, die am Donnerstag offiziell ihr Büro im Rudolstädter Gründerzentrum eröffnen wollte. "Wir wollen vor allem kleinen und mittelständischen Verlagen Zugang zum digitalen Markt geben", sagte Geschäftsführer Thorsten Schreiber. Das Unternehmen mit elf Beschäftigten arbeite bereits für 70 Verlage. Bis Ende des Jahres soll die Zahl der Mitarbeiter auf 20 steigen; für 2013 ist nach Worten Schreibers ein siebenstelliger Umsatz geplant.

Während einige Konkurrenten das Umwandeln der Textdateien in E-Book-Formate nicht selbst machen, sondern an Partner abgeben, will Zeilenwert diese Leistung für die Verlage in Eigenregie erbringen, ebenso wie Marketing und das Einstellen in verschiedene Plattformen - sozusagen als Rundum-Sorglos-Packet. Im Gegenzug dafür wird die Firma am Umsatz beteiligt. Schreiber: "Wir übernehmen damit das komplette Risiko für den Verlag." Ein weiterer Vorteil für die Verlage sei, das Zeilenwert nach außen nicht in Erscheinung tritt. "Der kleine Verlag kann so tun, als ob er das alles selber macht."

...und Bookwire erledigen das E-Book-Geschäft für Verlage als Dienstleistung.
...und Bookwire erledigen das E-Book-Geschäft für Verlage als Dienstleistung.

Bookwire - seit Ende 2009 am Markt und inzwischen nach eigenen Angaben Partner von 300 Verlagen in Europa mit etwa 15.000 Titeln - verlangt neben der Beteiligung am Umsatz von etwa 20 Prozent derzeit noch eine Grundgebühr. Damit hat das Unternehmen mit zehn Mitarbeitern den Umsatz 2011 verzehnfacht und nach Angaben von Geschäftsführer Jens Klingelhöfer die Gewinnschwelle nunmehr überschritten. Inzwischen streckt es seine Fühler in andere europäische Länder wie Spanien, die Benelux-Staaten, Polen und Italien aus. "Die Absatzkanäle sind überall gleich, das Modell funktioniert global", sagt Klingelhöfer.

Seiner Einschätzung nach kommt das Wachstum nicht nur dadurch, dass sich immer mehr Verlage das Feld der E-Books erschließen. Auch die Zahl der Titel pro Verlag steige. Zudem bietet sich laut Klingelhöfer noch ein weiterer Vorteil: "Die Verlage können vergriffene Titel wieder verfügbar machen, ohne dass sie gedruckt auf Lager vorliegen müssen."

Schmid-Meil lässt derweil keinen Zweifel daran, dass Verlage gut beraten sind, sich das Feld des digitalen Buches zu erschließen. Zwar lag der Umsatzanteil am schrumpfenden Buchmarkt 2011 bei gerade einmal einem Prozent. Doch werde die Nachfrage wachsen, je stärker Smartphones, Tablet-PCs und E-Book-Reader mehr Verbreitung finden.

"Momentan ist die Belletristik der Treiber", konstatiert der Experte. Er schätzt, das in zwei bis drei Jahren der Umsatz mit E-Books bei vielen Verlagen zehn bis 15 Prozent betragen könnte. "In den USA liegt der Anteil schon heute bei großen Verlagen bei 30 Prozent", ergänzt sein Kollege Tim Maicher vom Grin-Verlag. "Es ist davon auszugehen, dass sich das in Deutschland ähnlich entwickelt."

Allerdings wird es nach Experten-Einschätzung nicht dabei bleiben, dass Printtitel eins zu eins digital abgebildet werden. Gerade im Feld der Sachbücher müssten Autoren und Lektoren umdenken. "In Zukunft werden Autoren spezielle E-Books schreiben", ist sich Schmid-Meil sicher. Dann könnte etwa in Medizinbüchern die Funktion des Blutkreislaufs interaktiv dargestellt oder im Gartenbuch der richtige Schnitt von Obstbäumen per Videosequenz erläutert werden. (dpa/tc)