Diebold Parasini präsentiert neue Rechnerstatistik:Mehr als 100 000 Computer in Österreich

04.05.1984

WIEN (eks) - Nixdorf schob sich in der neuesten Diebold-Statistik für den österreichischen Markt auf den vierten Platz. Apple geht es bei den professionell genutzten Mikros besser als Commodore. CTM setzt seinen Vormarsch fort. Insgesamt wurden per 1. Januar dieses Jahres 62 000 EDV-Systeme mit einem Parkwert von 22,5 Milliarden Schilling gezählt. Einschließlich der nur summarisch aufgeführten Niedrigpreis-Mikros überstieg die Zahl der Rechner erstmals 100 000. Damit stagnierte der Computerwert unter Berücksichtigung altersbedingter Wertminderungen, und die meisten Anbieter weisen in der Statistik Verluste aus.

Die Rangordnung unter Österreichs Computeranbietern ist in Bewegung geraten. Hervorstechendstes Ereignis ist wohl der Platzwechsel zwischen Sperry und Nixdorf. Nixdorf steht jetzt in der Gesamtreihung auf dem vierten, Sperry auf dem fünften Platz. Mit einer Umsatzsteigerung von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr übertraf Nixdorf den Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (1,3 Prozent) um mehr als das Zehnfache. Daß Nixdorf von einer Rezession nichts spürte, begründet Generaldirektor Dr. Moser folgendermaßen: Während Handel, Gewerbe und Dienstleistungen ihren Umsatz 1983 um 2,6 Prozent vergrößerten, betrug der Zuwachs bei den anderen Wirtschaftssparten nur 0,6 Prozent. Nixdorf hat sich in Österreich vor allem auf Handels- sowie Kredit- und Versicherungsunternehmen spezialisiert. In diesen Branchen werden 75 Prozent des Umsatzes erzielt.

Fast erstaunt zeigen sich die Nixdorfer von der Prolongierung des Erfolgs der 8870. Die Zahl der Installationen wurde im Vorjahr wieder um 25 Prozent auf nunmehr 701 vergrößert. Die 8870 ist damit zusammen mit der Philips P4000 Österreichs erfolgreichster Bürocomputer.

Als Basis des Erfolgs bezeichnet Nixdorf-Verkaufsleiter Franz Janda die Reorganisation des Vertriebsapparats. Eine eigene Geschäftsstelle "Geldinstitute" mit 31 Mitarbeitern wurde eingerichtet. Ein Teil der Mannschaft widmet sich nun ausschließlich Neukunden, die andere betreut die bereits gewonnenen Nixdorf-Anwender. Gerüchte, daß in der Kärntnerstraße im ehemaligen OK-Haus ein Computershop in Vorbereitung sei, sollten sich in den nächsten Tagen bestätigen.

Daß die Reorganisation nicht reibungslos erfolgte, überraschte Janda nicht. Einige führende Verkaufspersönlichkeiten verließen Nixdorf, beispielsweise der Linzer Geschäftsstellenleiter Pugstaller, der nun die österreichischen MAI-Geschäfte führt.

Noch mit eher geringem Einsatz wird der Mikrobereich betrieben. Auch bei der 8890 ist Nixdorf noch "beim Aufbau der Systemgruppe". Installationsziffern will Moser nicht nennen, so daß es offenbar zunächst bei den beiden Pilotkunden geblieben ist. Die Diebold-Statistik weist ebenfalls keine 8890-Installationen aus.

Bei Betrachtung der Wertveränderungen ist allerdings zu berücksichtigen, daß es heuer mehr (Papier-)verluste zu verteilen gab als Wertzuwachs. Um eine runde Milliarde Schilling niedriger als im Vorjahr bewertete Österreichs Computerguru, Professor Fritz Neeb, den Anlagenbestand. Dies durfte vor allem bedeuten, daß sich die EDV-Anwender bei den Investitionsentscheidungen des Jahres 1982 stark zurückgehalten haben, so daß die Abwertung älterer Anlagen nicht durch Neuinstallationen kompensiert wurde. Besonders stark davon betroffen scheint Olivetti zu sein. Allerdings lassen häufige Geschäftsführerwechsel nicht unbedingt auf Stabilität schließen. Direktor Klaus Rupert Busche wurde kürzlich nach wenigen Monaten durch den Italiener Angelo Barrel ersetzt.

Weiterhin abwärts geht es mit Kienzle. Von den großen Herstellern verzeichnete Kienzle den relativ größeren Verlust an Parkwert. Die Zahl der Installationen blieb in den letzten Jahren konstant.

Besonders erfolgreich schlugen sich Philips, DEC und Hewlett-Packard. In der Rechnergruppe Standardcomputer verbesserte Philips seine Position auf Kosten von Bull und liegt nun nach IBM, Siemens und Sperry auf dem vierten Platz. Bei den Prozeßrechnern (Rechnergruppe B) arbeitet sich DEC langsam an die 50-Prozentmarke heran. Einen beträchtlichen Zuwachs verbuchte CTM bei den Bürocomputern. Von drei Prozent Anteil am Parkwert vor zwei Jahren gelang eine Steigerung auf elf Prozent.

Die unübersichtliche Statistiksituation bei Mikros bereinigte Diebold mit einer Ausgliederung aller Systeme, die weniger als 35 000 Schilling kosten. Davon besonders betroffen wurde Commodore. Es werden zwar rund 11 000 Homecomputer extra ausgewiesen, dafür rutschte Commodore aber bei den als professionell gewerteten Systemen vom 17. auf den 25. Platz (aller Rechnergruppen). Nicht geschadet hingegen hat Apple die Trennung vom Österreich-Vertreter Zema, die im Vorjahr mit viel Aplomb vollzogen wurde.