Arbeitsteilung statt Konkurrenz

Diebold favorisiert PC in Jumbo-Umgebung

24.02.1984

FRANKFURT (CW) - Schon in wenigen Jahren wird jeder zweite verkaufte Rechenzwerg für kommerzielle Zwecke in Betrieben eingesetzt werden. Dies geht aus einer Prognose der Diebold Deutschland GmbH Frankfurt, über die Entwicklung des Mikrocomputermarktes in der Bundesrepublik hervor.

Nach Angaben des Frankfurter Marktforschungsunternehmens wurde und wird das große Geschäft im Heimcomputerbereich gemacht. In kleinen und mittleren Unternehmen tut sich nach Meinung der Frankfurter Marktbeobachter noch nicht viel. Dafür könnte der Mikro in Großbetrieben zum Renner der kommenden Jahre werden.

"Mikrocomputer sind im Begriff, zum stärksten Faktor in der Computerindustrie zu werden" behauptet John Diebold, Chef und Inhaber seiner mittlerweile 30 Jahre alten Management-Beratungsfirma. Zur Bekräftigung führt er die Entwicklung in den Vereinigten Staaten an. Dort waren im vergangenen Jahr rund 56 000 Universalcomputer und 570 000 Minicomputer installiert. Im selben Jahr jedoch wurden allein in den USA 2,4 Millionen Mikrocomputer verkauft. "Noch vor dem Ende des Jahres 1986", so prophezeit Diebold, "werden die Verkaufsumsätze, die mit Mikrocomputern erzielt werden, das Absatzvolumen der Großrechner übersteigen."

Eine ähnliche Entwicklung prognostizierte die Diebold Deutschland GmbH in der vergangenen Woche auch für die Bundesrepublik. Bis Ende 1986, so schätzen die Marktspezialisten in der Frankfurter Firmenzentrale, werden mehr als zwei Millionen Mikrocomputer an deutsche Abnehmer verkauft worden sein.

Der Löwenanteil davon geht freilich in die privaten Haushalte. Im nächsten Jahr werden 70 Prozent aller verkauften Mikros in heimischen Wohnzimmern stehen und für Hobbyanwendungen, private Dateiführungen, Haushaltsberechnungen oder Ausbildungszwecke eingesetzt werden.

Skepsis hemmt Boom

Jeder fünfte Mikro wird dann seinen Platz in einem kleineren oder mittleren Betrieb haben. In diesem Bereich wird sich der Markt nach Meinung der Frankfurter Branchenkenner allerdings in den nächsten Jahren nur sehr schleppend entwikkeln.

Den kommenden Wachstumsmarkt für die Rechnerzwerge sehen die Diebold-Spezialisten in den Großbetrieben, wo bisher nur ein Zehntel aller verkauften Mikros eingesetzt werden. Hemmfaktoren wie unzureichende Kommunikationsmöglichkeiten mit Großrechnern und auch der Mikros untereinander, mangelndes Softwareangebot und nicht zuletzt die Furcht der DV-Fachleute durch den Einsatz von Mikrocomputern ihren Status einzubüßen, werden immer rascher abgebaut. Denn langsam setzt sich die Überzeugung durch, daß der Mikro keine Konkurrenz für die zentrale Datenverarbeitung darstellt, sondern im Sinne einer vernünftigen Arbeitsteilung innerhalb der gesamten betrieblichen EDV die notwendige Ergänzung bietet.

Ausschlaggebend für diese Entwicklung, so erläutert Wolfgang Dernbach, stellvertretender Geschäftsführer der Diebold Deutschland GmbH, ist die Erkenntnis in den Großbetrieben, daß der Mikro die zentrale DV in doppelter Hinsicht entlastet. Zum einen entfällt die Notwendigkeit, Fach- und Führungskräfte an ihren Terminals mit individueller Software versorgen zu müssen. Mit dem Mikro verfügt der Manager auch über genügend Standardsoftware zur Lösung seiner Probleme. Die zentrale DV kann dagegen die Anforderungen des Managements nach Arbeitserleichterung nur schwerpunktmäßig erfüllen. Denn schließlich hat der Zentralrechner den strategischen Auftrag, übergeordnete Anwendungen zu entwikkeln und unternehmensweite Informationen verfügbar zu halten.

Zum anderen entlastet der Einsatz von Stand-alone-Systemen die zentrale DV-Anlage in ihrer Aufgabe, die Terminals an den Sachbearbeiterplätzen zu steuern. "Um in Spitzenbelastungszeiten die angeschlossenen Terminals mit befriedigenden Antwortzeiten zu bedienen", rechnet DV-Profi Dernbach vor, "ist eine Rechenkapazität erforderlich, die selbst während der betriebsintensiven Vormittagsstunden im Durchschnitt nur bis zu 40 bis 45 Prozent ausgelastet sein darf. Durch, den Anschluß von Mikrocomputern lassen sich solche Kapazitätsspitzen spürbar abbauen.

Freilich, billiger wird die betriebliche EDV durch die zusätzliche Installation von Einplatzsystemen sicher nicht werden. Vor allem die Tatsache, daß in immer mehr Fachabteilungen Mikros auf eigene Faust und aus eigener Abteilungskasse am DV-Leiter vorbei bestellt werden, wird das gesamte betriebliche DV-Budget anwachsen lassen. "Bei Unternehmen" so prognostiziert Dernbach, "die den Einsatz der Informationstechnik als strategischer Erfolgsfaktor offensiv fördern, wird sich der DV-Aufwand in Prozent des Umsatzes auf fünf bis acht Prozent bis 1990 steigern." Bis zu diesem Zeitpunkt wird sich dann auch der Anteil der Kosten für die Mikrorechner an den gesamten DV-Kosten auf rund 30 Prozent erhöht haben.

Wer letzten Endes auf der Herstellerseite das große Geschäft mit den Mikros machen wird, darüber sind sich auch die Marktanalysten von Diebold nicht klar. Fest steht ihrer Meinung nur, daß von den derzeit rund 200 Anbietern lediglich jeder fünfte, Nahmen wurden nicht genannt, nur der Top-Favorit: IBM.