Cloud Computing Trends 2017

Die zweite Cloud-Welle erfasst Unternehmen

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Im Jahr 2017 werden Unternehmen zunehmend Kernanwendungen in Cloud-Umgebungen verlagern. Experten erwarten eine Art zweite Welle, die dem Public- und Private-Cloud-Markt zu einem neuen Wachstumsschub verhelfen könnte.

Gut zehn Jahre ist es her, dass Amazon Web Services (AWS) mit einfachen Compute- und Storage-Services das Cloud-Zeitalter einläutete. Heute steuert die einst als Exot belächelte Cloud-Sparte des E-Commerce-Riesen Amazon auf einen Jahresumsatz von elf Milliarden Dollar zu. AWS prägte damit "die erste Welle" des Cloud Computing, wie es Forrester Analyst Dave Bartoletti ausdrückt.

Seitdem hat sich die Cloud-Welt gedreht. Waren es anfangs vor allem Startups, die ihre IT auf der grünen Wiese mithilfe von Cloud-Diensten organisierten, ist Cloud Computing heute für Unternehmen sämtlicher Größenklassen und Ausprägungen ein Thema. Für 2017 erwartet Forrester Research einen weiteren Schub: "Unternehmen mit großen Budgets, Rechenzentren und komplexen Anwendungsumgebungen betrachten die Cloud heute als geeigneten Ort, um dort Kernapplikationen zu betreiben", beobachtet Bartoletti. Das Wachstum im Cloud-Markt werde sich 2017 beschleunigen, schreiben er und weitere Analysten in einem aktuellen Report von Forrester Research. Immer mehr Firmen wollten ihre IT-Ressourcen effizienter skalieren, um Kunden besser bedienen zu können.

In einer Umfrage unter mehr als 1000 IT-Entscheidern aus Nordamerika und Europa gaben 38 Prozent an, eine Private Cloud zu implementieren. 32 Prozent wollen Public-Cloud-Services kaufen. Die übrigen Teilnehmer planen den Angaben zufolge innerhalb der kommenden zwölf Monate, Cloud-Technologien einzusetzen.

Zur weiteren Entwicklung des Public-, Private- und Hybrid-Cloud-Markts im kommenden Jahr formuliert Forrester Prognosen und gibt IT-Verantwortlichen Handlungsempfehlungen:

Prognose 1: Regionale Player ergänzen das Angebot der Cloud-Giganten

Der globale Public-Cloud-Markt wird 2017 ein Umsatzvolumen von 146 Milliarden Dollar erreichen, erwartet Forrester. Im Jahr 2015 waren es noch 87 Milliarden Dollar. Die Analysten gehen von einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 22 Prozent aus. Den Löwenanteil der Steigerungen sichern sich demzufolge die "Mega Cloud Provider", allen voran AWS, Microsoft, Google und IBM. Sie bauten weltweit neue Data Center und machten durchaus Konzessionen, wenn es um regionale Rahmenbedingungen gehe. Die Datentreuhänderschaft von T-Systems im Rahmen der Zusammenarbeit mit Microsoft in Deutschland sei dafür ein Beispiel.

Dennoch könnten die Cloud-Riesen längst nicht jede einzelne Kundenanforderung abdecken, so Forrester. Hier liege eine Chance für kleinere regionale Cloud-Provider, die mit einer wachsenden Nachfrage rechnen könnten. IT-Entscheidern empfiehlt Bartoletti in diesem Kontext: "Halten Sie sich Optionen offen und haben Sie keine Scheu, mit mehreren Providern zu arbeiten."

Prognose 2: CIOs bringen Cloud-Kosten unter Kontrolle

Cloud-Protagonisten sprechen gern von Kosteneinsparungen, die CIOs mit Public-Cloud-Software erzielen könnten. Doch diese stellen sich in der Praxis nicht immer ein. Weil etliche Unternehmen inzwischen auf mehrere Cloud-Anbieter zurückgreifen, kann das Vendor Management schnell komplex und teuer werden. Unnötige Kosten entstehen beispielsweise auch, wenn Public-Cloud-Instanzen am Wochenende einfach weiter laufen, obwohl sie gar nicht benötigt werden. Am Ende gibt der CIO für Cloud-Dienste womöglich sogar mehr Geld aus als für einen klassischen On-Premise-Betrieb.

2017 werden IT-Entscheider solche Probleme besser in den Griff bekommen, erwartet Bartoletti. Viele hätten ihre Prozesse bereits dahingehend verbessert, zudem stünden mittlerweile etliche Tools für das Kostenmanagement zur Verfügung, beispielsweise von AWS, Cloudability oder Cloudyn. Ein Cloud-Architekt eines großen Softwareunternehmens etwa habe seine Cloud-Aufwendungen in Höhe von 2,5 Millionen Dollar um 300.000 Dollar verringert, indem er den Konsum der Cloud-Dienste mithilfe von Monitoring-Systemen kontrollierte.

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Prognose 3: Apps werden für den Cloud-Betrieb angepasst

Unternehmen sollten ihre Applikationen nicht einfach unverändert in die Wolke schieben, sondern sie für den Betrieb in der Public Cloud anpassen, empfiehlt Forrester. Migration Services könnten dabei helfen. Optimal wäre es aus Sicht der Analysten, eine Anwendung umzuschreiben, damit diese beispielsweise die Elastizität einer Cloud-Infrastruktur voll nutzen könne. Eine solche "Lift-and-Shift"-Migration könne zwar zusätzliche Kosten verursachen. Doch mit aktuell verfügbaren Tools ließen sich Cloud-Migrationen erheblich beschleunigen und die Aufwendungen im Rahmen halten.