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Fixpreis statt Auktion

Die Zukunft gehört den großen eBay-Händlern

15.07.2008
Von pte pte
Die goldene Ära der Kleinunternehmer auf der Internet-Auktionsplattform eBay scheint sich dem Ende zuzuneigen. Der Konzern eifert lieber Amazon nach.

Die Zukunft gehört den großen, als zuverlässig geltenden Händlern, die ihre Waren zu Fixpreisen über das Online-Portal anbieten. Dies geht aus einem aktuellen Bericht der "New York Times" hervor, der das Auktionshaus in einem grundlegenden Umbruch sieht. Vor allem die im Mai bekannt gewordene Kooperation mit dem US-amerikanischen Online-Händler Buy.com habe deutlich gezeigt, dass sich die eBay-Unternehmensstrategie in letzter Zeit gewandelt habe. So wende sich der Internetkonzern zunehmend von seinem ursprünglichen Modell einer Auktionsplattform ab und räume Großhändlern einen größeren Stellenwert ein.

Hintergrund der Strategieänderung ist laut Bericht ein rückläufiges Interesse der Nutzer an Online-Auktionen. Während eBay mit Zuwachsproblemen zu kämpfen habe, könnten Konkurrenten wie Amazon bei Konsumenten mit fix festgelegten Preisen und einem vergleichsweise riesigen Produktangebot punkten. "eBay hat eindeutig signalisiert, dass seine Zukunft den Großhändlern gehört und nicht den kleinen Tante-Emma-Läden", stellt Tim Boyd, Internetanalyst vom US-Technologieinstitut American Technology Research, gegenüber der "New York Times" fest. Der Deal mit Buy.com, der über fünf Millionen neue Fixpreisangebote auf die Online-Auktionsplattform gebracht habe, sei in dieser Hinsicht richtungsweisend.

Die Unzufriedenheit der Kleinunternehmer sei nur zu gut zu verstehen. Vor allem der Umstand, dass Buy.com vermutlich keine Einstellgebühren für seine angebotenen Artikel zu zahlen hat, sorgt in diesem Zusammenhang für Unmut in den Reihen der kleineren Händler. Großhändler hätten es zudem leichter, durch Angebote wie kostenlose Lieferung ihre Feedback-Bewertungen in die Höhe zu schrauben, was wiederum dazu führt, dass ihre Produkte bei Suchanfragen auf eBay weiter vorne gelistet würden, heißt es von den Kleinunternehmern.

Bei eBay will man diese Vorwürfe aber nicht gelten lassen. Die eingegangene Kooperation mit Buy.com bedeute keineswegs die Abkehr vom grundsätzlichen Modell einer Auktionsplattform. Durch die Zusammenarbeit wolle das Unternehmen vielmehr versuchen, das Shopping-Erlebnis auf dem Online-Portal zu erweitern. Durch die Fixpreisangebote von Buy.com hätten Konsumenten nun die Möglichkeit, ihren Online-Einkauf wesentlich "vorhersagbarer" abzuwickeln.

Gleichzeitig räumt der Internetkonzern aber auch ein, sich vermehrt Gedanken über die eigene Positionierung am Online-Markt der Zukunft zu machen. "Offen gesagt stellen wir gerade einige der zentralen Annahmen, die wir über unser Geschäftsfeld haben, in Frage", erklärt etwa Stephanie Tilenius, General Manager von eBay Nordamerika. "Anstatt sich darauf zu beschränken, ein Online-Auktionshaus zu sein, wollen wir auch darüber nachdenken, was es braucht, um den besten Marktplatz im Netz zur Verfügung zu stellen", ergänzt Tilenius. Bereits Ende Januar dieses Jahres hatte eBay mit Änderungen des Gebühren- und Bewertungssystems den Unmut US-amerikanischer Verkäufer auf sich gezogen. Hinter der Umstrukturierung steht dabei der neue Präsident und CEO des Unternehmens, John Donahoe, der den Online-Marktplatz einer radikalen Reformkur unterziehen will. (pte)