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E-Commerce, Industrie 4.0 und Co.

Die Zukunft der Geschäftswelt ist digital

Andreas Pauls übernahm Anfang 2011, gemeinsam mit Klaus Strack, die Geschäftsführung der SAP Business Unit Deutschland der itelligence AG und war für das operative Geschäft für die Produktbereiche Software-Lizenzen, Software-Maintenance, Consulting und Application Management zuständig. 2004 wechselte Andreas Pauls von SSA Global (ehem. Baan Deutschland GmbH) zur itelligence AG, wo er als Geschäftsleitung Vertrieb Deutschland/Österreich den Neukunden- und Bestandskundenvertrieb verantwortete. Andreas Pauls studierte Maschinenbau an der Ruhr-Universität Bochum und promovierte 1992 am Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen zum Doktor-Ingenieur.
Einkaufserlebnisse wie im Privatbereich, Industrie-4.0-Konzepte in der Produktion: Digitale Technologien verändern Geschäftsmodelle, Prozesse und Arbeitsweisen im Unternehmen grundlegend.

Digitale Technologien sind in kürzester Zeit fester Bestandteil unseres privaten Alltags geworden. In unseren Unternehmen müssen wir digitalen Wandel oft gleichzeitig und auf mehreren Ebenen meistern.

Die technische Voraussetzung, um im Geschäftsalltag von den Vorteilen digitalen Technologien zu profitieren, ist eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur mit Hochgeschwindigkeitsnetzen, deren Aufbau die Bundesregierung jetzt in der "Digitalen Agenda" beschlossen hat.

Doch das ist nur die Basis für die zu erwartende fundamentale Veränderung. In Unternehmen und in ihren Beziehungen untereinander wird der Einsatz digitaler Technologien darüber hinaus die Wertschöpfungsketten und somit auch bestehende Geschäftsmodelle, Betriebsabläufe und Arbeitsweisen nachhaltig verändern.

Digitale Transformation verändert Unternehmen

Die Auswirkungen dieser "Digitalisierung" beobachten wir bei unseren Kunden, sei es aus dem Handel, dem Maschinen- und Anlagenbau oder der Automobilindustrie schon jetzt. Je nach Branche übrigens unterschiedlich weit entwickelt.

Wer der Konkurrenz in Zukunft den entscheidenden Schritt voraus sein will, benötigt eine individuelle digitale Marktstrategie auf deren Grundlage neue Geschäftsmodelle erfolgreich umgesetzt werden. Das sind die Schlüsselfaktoren für mehr Wettbewerbsfähigkeit, wie eine kürzlich von der Unternehmensberatung McKinsey veröffentlichte Studie bestätigt.

Für mich besonders interessant: Sie identifiziert zugleich die wichtigsten Aufgaben, die Unternehmen bei einer digitalen Transformation bewältigen müssen: der digitale Dialog mit Kunden, Mitarbeitern, Zulieferern, Konzepte für Big Data und erweiterte Analysen, die Automatisierung von Prozessen und Innovationen bei der Produktentwicklung und -herstellung.

E-Commerce im Wandel

Der Paradigmenwechsel, den digitale Technologien in der Geschäftswelt einläuten, zeigt sich aus meiner Sicht insbesondere in den Handelsbeziehungen zwischen Unternehmen und im Umbruch der Produktionsarbeit durch Industrie 4.0.

Im B2B-Bereich erwarten die Nutzer heute beim Einkauf das gleiche Einkaufserlebnis wie beim privaten Online-Shopping, und zwar egal ob sie am PC oder mobil per Smartphone oder Tablet arbeiten. Ein Hersteller muss daher alle relevanten Informationen zu jedem Produkt zielgruppengerecht aufbereiten und auf sämtlichen Absatzkanälen strukturiert, übersichtlich und immer in derselben Weise präsentieren.

Das gilt für die Darstellung in Print-Katalogen wie auch im eigenen B2B-Web-Shop, auf der Webseite oder bei der Darbietung auf Verkaufsplattformen von Vertriebs- und Handelspartnern, auf Vergleichsportalen oder in sozialen Netzwerken.

Zugleich ist dafür Sorge zu tragen, dass die Kommunikation mit dem Kunden im Sinne eines Omni-Channel-Commerce parallel auf allen Kanälen möglich ist. Diese Veränderung fängt natürlich nicht im Handel an, sie setzt bei der Herstellung ein und hier wird für mich deutlich, was das "Internet der Dinge" in naher Zukunft heißen wird.

Mit Industrie 4.0 intelligent produzieren

Kunden verlangen heute ganz individuelle Produktezu den Kosten einer Serienfertigung. Das erhöht den Druck auf die Unternehmen, immer günstiger zu produzieren.Hier hilft die "intelligente Fabrik" (smart factory), die auf dem Konzept von Industrie 4.0 basiert.

Sie vernetzt IT-Anwendungen, Produktionssysteme und Kommunikationstechnik zu einem "Internet der Dinge, Dienste und Daten". Die Systeme in der Fertigung steuern sich via Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M) quasi selbstständig, zugleich werden sie mit den Geschäftsprozessen der zentralen ERP-Anwendung verknüpft und synchronisiert.

Hier erleben wir ganz neuen Ebenen einer vorausschauende Wartung und Instandhaltung und den Aufbau neuer Servicemodelle.

Für mich stellt sich daher auch nicht die Frage, ob zur Umsetzung von Omni-Channel-Commerce- und Industrie 4.0-Szenarien digitale Technologien genutzt werden, sondern wie. Die Kunst besteht darin, dass wir sie intelligent verknüpfen und daraus ein Wettbewerbsvorteil entsteht.