Die zehn (vielleicht) wichtigsten IT-Persönlichkeiten der letzten 40 Jahre

10.07.2007
Die Megastars der IT-Industrie in den letzten 40 Jahren sind leicht zu benennen - allzu bekannt sind die Leistungen von Bill Gates, Steve Jobs, Scott McNealy, Larry Ellison, Linus Torvalds und anderen. Doch es wird Zeit, den Scheinwerfer auch einmal auf die stillen Stars der IT-Branche zu werfen und ihre großen Verdienste zu würdigen.

Unsere US-amerikanischen Kollegen von der "Computerworld" haben eine kurze Liste all derer erstellt, die eigentlich mehr Anerkennung für den weltweiten Erfolg der Informationstechnik verdient hätten. Hier kommen sie also, in alphabetischer Reihenfolge:

Wer: Carol Bartz

Was/Wo: Executive Chairman, Autodesk Inc.

Warum: Verwandelte einen schläfrigen Anbieter von Branchenanwendungen in ein diversifiziertes und 1,5 Milliarden Dollar schweres Powerhouse der Softwareindustrie. 1948 geboren, machte die Horatio-Award-preisgekrönte Managerin ihren Informatikabschluss an der University of Wisconsin, bevor sie in den 1970er Jahren als Systemanalystin zu 3M ging - als einzige Frau unter 300 Männern.

Bartz wurde 1992 President, CEO und Chairman von Autodesk, nachdem sie sich durch die Management-Ränge von DEC und Sun hochgearbeitet hatte. Ihr Lieblingsspruch: "Man hat in diesem Leben nur einen Job: ein großartiger Vorfahre zu sein."

Wer: Dan Bricklin

Was/Wo: Mitbegründer, Software Arts Inc.

Warum: Erfand die elektronische Tabellenkalkulation mit der Einführung von "Visicalc" im Jahre 1979. Die Idee dazu kam ihm während der Arbeit an seinen MBA in Harvard. Visicalc war in Basic auf einem "Apple II" geschrieben und wurde auch danach immer zuerst auf Apple-Rechnern statt auf IBM-PCs ausgeliefert, weswegen es rasch von Lotus 1-2-3 abgehängt wurde. Zum Niedergang von Visicalc trug zudem der Rat eines Anwalts bei, das Programm nicht patentieren zu lassen.

Wer: Edgar (Ted) Codd

Was/Wo: IBM Fellow

Warum: Mit seinem bahnbrechenden Aufsatz von 1970 "A Relational Model of Data for Large Shared Data Banks" Vater der relationalen Datenbank. Der gebürtige Engländer machte seinen Abschluss in Oxford und folg im zweiten Weltkrieg in der Royal Air Force. Für IBM arbeitete er erstmals 1953 in New York. Entwickelte 1985 seine berühmten zwölf Regeln dazu, was Daten relational macht.

Codd verstarb 2003 im Alter von 79 Jahren und hinterließ einen Markt mit einem Volumen von 13 Milliarden Dollar.

Wer: John J. Cullinane

Was/Wo: Gründer, Cullinane Software Inc.

Warum: Erfand den Markt für abgepackte Software. Er führte eine Firma, die viele Dinge zuerst hatte: die erste abgepackte Anwendung, die erste Software zum Schreiben von Berichten, die erste ernsthafte Datenbank-Konkurrenz für IBM auf dem Mainframe und den ersten Börsengang eine reinen Softwarefirma. Er verkaufte die Company 1989 an Computer Associates, allerdings bevor er nicht noch etwas als erster getan hatte: als erste Softwarefirma eine Super-Bowl-Werbung laufen lassen.

Wer: Whitfield Duffie

Was/Wo: Chief Security Officer, Sun Microsystems Inc.

Warum: Erfand zusammen mit Martin Hellman durch Pubiklation des Aufsatzes "New Directions in Cryptography" die Public-Key-Verschlüsselung. Damit können Menschen, die sich noch niemals getroffen haben, eine sichere, nichtauthentizierte Zwei-Wege-Kommunikation etablieren. Diffie hat zwar einen Bachelor vom MIT und ist Ehrendoktor des Schweizer Bundesinstituts für Technologie, er hat aber nie die Highschool abgeschlossen.

Wer: Bill Inmon

Was/Wo: CEO, Inmon Data Systems Inc.

Warum: Prägte in den 1990er Jahren den Betriff "Data Warehouse" und gilt als Gründer dieser 28-Milliarden-Dollar-Branche. Inmon definierte ein Data Warehouse als einen Ort, wo Information subjektspezifisch, integriert, zeitabhängig und nichtvolatil ist - das heißt, man kann mehr Daten hinzufügen, die alten bleiben aber stets unverändert. Verfechter behaupten, Unternehmen sollten ein Data Warehouse haben, das Data-Mart-Nachwuchs (er)zeugt. Als eifriger Autor hat Inmon bereits über 650 Artikel und 46 Bücher verfasst - bis jetzt.

Wer: H. Ross Perot

Was/Wo: Gründer, Electronic Data Systems Corp. und Perot Data Systems

Warum: Ikonischer Business-Eigenbrötler, der der Lieferung von IT-Services an Unternehmen den Weg ebnete. Perot nahm 1962 einen Kredit über 1000 Dollar auf und verwandelte diesen in eine Auszahlung von 2,5 Milliarden Dollar, als er EDS 1984 an General Motors verkaufte. Erhielt mehr als 8 Millionen Stimmen, als er 1996 für die Reform Party um die US-Präsidentschaft kandidierte. Stets zitierfähig beobachtete er einst: "Lagerbestände kann man verwalten, aber Menschen muss man führen."

Wer: John Postel

Was/Wo: Director der Netzabteilung des Informatikinstituts der University of Southern California

Warum: Half bei der Entwicklung und Dokumentation verschiedener Protokolle und Standars für das Internet, darunter TCP/IP, SNMP und DNS. Wird als "Hirte des Internets" geehrt. Die Internet Society richtete zu seinen Ehren nach seinem Tod im Jahr 1998 den Jonathan B. Postel Service Award ein. Hielt stets den Inhalt für wichtiger als die Verpackung und benutzte daher sein Lebtag lang kein PowerPoint.

Wer: Dennis Ritchie

Was/Wo: Bell Labs Fellow

Warum: Entwickelte die Programmiersprache "C", die Grundlage für die Portabilität von Unix auf verschiedene Hardwaresysteme. Ritchie trat in die Fußstapfen seine Vaters und trat 1967 in die Bell Labs ein, wo er rasch Ken Thompson bei der Erfindung von Unix half, mit dem er sich einen Turing Award teilt (mit Thompson, nicht Unix). In einer Fragestunde mit GeekChic.com führte er "Mundatmung" (Sport), "Grübeln" (Hobby) und "Dr. Seltsam" (Film) unter seinen Lieblingsdingen an.

Wer: Alan Shugart

Was/Wo: Gründer und CEO, Shugart Associates und Seagate Technology

Warum: Leitete 1959 das IBM-Team, dem wir die erste Floppy Disk ("Ramac" mit 8 Zoll und 5 MB) verdanken. Ebenfalls bei IBM verantwortete er die Entwicklung des 50-MB-Speichersystems für das erste elektronische Reservierungssystem Sabre. Gründete 1979 Seagate und gab uns die 5,25-Zoll-Festplatte, welche die PC-Revolution mit ins Rollen brachte. 1996 versuchte Shugart vergeblich, seinen Hund Bernice in den US-Kongress wählen zu lassen; er starb zehn Jahre später. (tc)

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