Die Zahl der IT-Gründer geht weiter zurück

04.11.2011
Nach einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist die Gründungstätigkeit im Hightech-Sektor 2010 um zwei Prozent gesunken. Die Autoren plädieren daher für den Ausbau der Finanzierungsinstrumente.

Den Rückgang der Gründungen im Vergleich zum Vorjahr führt das ZEW vor allem auf die Entspannung am Arbeitsmarkt zurück. Die Angst vor der Arbeitslosigkeit bewegte viele Arbeitnehmer in den Krisenjahren 2008 und 2009 zum Schritt in die Selbständigkeit. Durch die Verbesserung der Einkommens- und Jobperspektiven im letzten Jahr wagten nun wieder weniger Menschen das Risiko einer Gründung.

Insgesamt kam es zu rund 14.100 Neugründungen, womit der Wert deutlich unter dem Niveau von durchschnittlich 18.500 zehn Jahre zuvor liegt. Der langfristige Trend zu weniger Startups konnte 2008 kurzfristig mit der neu geschaffenen Rechtsformvariante Unternehmergesellschaft (UG) abgemildert, aber nicht gestoppt werden. "Die Einführung einer neuen Rechtsform hat gezeigt, dass Maßnahmen zur Senkung von Gründungskosten einen positiven Effekt haben", so Bettina Müller, Gründungsexpertin vom ZEW.

Rückgang in der Servicebranche

Der Rückgang lässt sich in ers-ter Linie bei den IT-Services und technologieorientierten Dienstleistungen beobachten. So wurden rund vier Prozent weniger Serviceanbieter im Vergleich zum Krisenjahr 2009 aus der Taufe gehoben. Gleiches gilt für die Spitzentechnologien, die einen Rückgang von 3,5 Prozent aufweisen.

Demgegenüber entwickelt sich der Softwaresektor mit einem Zuwachs von zwei Prozent positiv. Da Softwareunternehmen in der Regel nur geringe Kapitalerfordernisse haben, ist die Gründung einer UG in diesem Bereich attraktiver als in anderen Branchen. Das gilt für auch für Startups im Mobilsektor. Durch den Absatzboom der Smartphones besteht etwa bei den Apps ein erhebliches Potenzial, um die Gründungstätigkeit zu stimulieren.

Für forschungsintensive Industriezweige errechneten die Experten des ZEW einen konstanten Zuwachs, der aus einer starken weltweiten Nachfrage hochwertiger Investitionsgüter resultiert. In diesem Marktsegment, zu dem die Medizin- und Fahrzeugsparte gehören, beobachten die Forscher bereits seit vier Jahren einen deutlichen Anstieg des Gründungsniveaus. Neben dem steigenden Bedarf auf dem Weltmarkt konzentrieren sich die Untenehmen wieder auf ihr Kerngeschäft und lagern Randbereiche aus.

Bayern weiter an der Spitze

Auch der Vergleich der einzelnen Bundesländer ergibt ein differenziertes Bild. So behält Bayern bei der Gründung von Softwareunternehmen weiterhin den Spitzenplatz. Das Bundesland kann seine Stellung damit seit zehn Jahren behaupten und hat den Boom Anfang des Jahrzehnts am erfolgreichsten in Geschäftsinitiativen umgemünzt. Sachsen konnte zwar an den Bundesdurchschnitt heranrücken, belegt aber immer noch den neunten Platz.

Bei der Spitzentechnik fällt der Rückgang in Baden-Württemberg deutlich auf, da hier die Gründungsintensität zwischen 2007 und 2010 im Vergleich zu den 90er Jahren praktisch um 50 Prozent gesunken ist. Im gleichen Zeitraum konnten sich Berlin und Brandenburg von Platz sieben auf Rang eins verbessern.

Fazit: Gründerfonds stärken

Aufgrund der Ergebnisse sieht das ZEW politischen Handlungsbedarf in Form einer Erleichterung des Markteintritts für neue Unternehmen. Insbesondere für Branchen mit hohen Kapitalerfordernissen, etwa den Spitzentechnologien, sollten die Finanzierungsmöglichkeiten erweitert werden. Dabei zielen die Autoren der Studie in erster Linie auf den Ausbau des Hightech-Gründerfonds ab, um Vertrauen für weitere Kapitalgeber zu schaffen. "Der Erhalt und Ausbau des Hightech-Gründerfonds ist hier ein richtiger Schritt, da weitere Beteiligungskapitalgeber häufig erst in späteren Phasen einsteigen", lautet das Resümee der Wirtschaftsforscher .

Das ZEW erstellt die Studie halbjährlich in Zusammenarbeit mit Microsoft Deutschland. (tw)

Quelle: Kartenmaterial von GfK; Geomarketing; Mannheimer Unternehmenspanel (ZEW) 2011.
Quelle: Kartenmaterial von GfK; Geomarketing; Mannheimer Unternehmenspanel (ZEW) 2011.