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Die Wiedergeburt des Mainframes - virtuelle Marktplätze machen´s möglich

24.03.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Viel ist in den vergangenen Jahren geschrieben worden über die Renaissance der Großrechner. Virtuelle Marktplätze mit ihren hohen Anforderungen an Transaktionsvolumen und Zuverlässigkeit der Hintergrundsysteme könnten Mainframes nun einen zweiten Frühling bescheren. Diesen Eindruck gewinnt man angesichts des Anbieters von Business-to-Business-(B2B)Lösungen Commercequest Inc. Das Unternehmen hat bislang fünf virtuelle Marktplätze ins Leben gerufen. Auf diesen handeln insgesamt rund 300 Unternehmen aus unterschiedlichsten Industriesparten. Bis Ende dieses Jahres will Commercequest insgesamt 60 Marktplätze etabliert haben, mittelfristig sollen es Hunderte werden.

Entgegen den Aussagen der Werbetrommler von Compaq, Sun Microsystems etc., die mit ihren PC-Servern im großen Stil Internet Service Provider (ISPs) mit Rechenleistung versorgen wollen, hat Commercequest ganz eindeutig seine Liebe zum Mainframe entdeckt. Das Unternehmen nutzt zwei IBM-S/390-Großrechner, Big Blues Middleware "MQSeries" sowie die Host-Datenbank DB/2. Zudem hat der Marktplatzspezialist ein eigenes System namens "Enablenet" entwickelt, das aus einem Software- und Tool-Paket entsteht. Dieses setzt Unternehmen in die Lage, mit anderen Firmen Daten zwischen einer Vielzahl unterschiedlicher Applikationen auf diversen Systemplattformen auszutauschen.

Hierzu werden die Daten eines Commercequest-Kunden von dessen Großrechner gezogen und auf das Enablenet-System überspielt. Dort findet eine Übersetzung für das Zielsystem statt. Die Daten können dann im gewandelten Format wie etwa als EDI- oder Flat-File-Format an den Adressaten verschickt werden. Der gesamte Part der Datenwandlung und -versendung kommt Commercequest zu. Um die erheblichen Anforderungen an ein Transaktionssystem für Marktplätze zu gewährleisten, ist Commercequest auf die IBM-Mainframes verfallen. Diese seien sowohl bezüglich ihrer Ausfallsicherheit, ihrer schier unerschöpflichen Ausbauoptionen und ihrer Sicherheitskonzepte die erste Wahl bei der Hardware-Wahl gewesen, sagte Commercequest-Manager Gary Davis. Alles Argumente, die auch früher schon immer für den Großrechner sprachen, in Zeiten von E-Business und virtuellen Marktplätzen aber wieder neue Bedeutung erlangen.